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Wichtige Personen aus Deutschland

Viele berühmte Personen kommen aus Deutschland. Wir geben Ihnen hier einen kleinen Überblick über die Berühmten Personen die in Deutschland lebten oder noch leben.

Gotlieb Daimler und Carl Benz
Johann Sebastian Bach "Ein musikalischer Dichter zur Ehre Gottes"

Johann Sebastian Bach im Jahre 1746, mit Rätselkanon (Bild: Wikipedia Commons)

"Nicht Bach, sondern Meer sollte er heißen, wegen seines unendlichen, unerschöpflichen Reichtums an Tonkombinationen und Harmonien." - So sagte Beethoven, der selber ein großer Komponist war, von Bach.

Johann Sebastian Bach wurde 1685 in der Stadt Eisenach in Thüringen geboren. Er hatte eine harte Jugend und lebte immer in bescheidenen Verhältnissen. Aber er war von einem ungeheuren Fleiß und wollte immer dazulernen. Als er mit zehn Jahren Waise wurde, nahm ihn ein älterer Bruder, der Organist war, zu sich. Hier schrieb er sich einmal heimlich nachts bei trübem Kerzenschein Noten ab, bis sein Bruder es merkte und ihm die Noten wegnahm.

Virtuoser Organist

Mit 18 Jahren war Bach bereits Organist in Arnstadt. Von hier aus machte er zu Fuß eine Reise zu dem 350 km entfernten Lübeck, um dort den berühmten Organisten Buxtehude zu hören.

1708 trat Bach als Hoforganist in den Dienst des Herzogs von Sachsen-Weimar. Hier komponierte er einen großen Teil seiner Orgelwerke (Präludien und Fugen). Denn er war bereits jetzt ein berühmter Orgelspieler. Ein Zeitgenosse sagte von ihm: "Seine Füße flogen über die Orgelpedale, als ob sie Flügel hätten, und wie ein Donner brausten die Klänge durch die Kirche."

In diesen Jahren wollte sich der bekannte französische Orgel- und Cembalospieler Marchand einmal in Dresden mit Bach vor einer großen Zuhörerschaft im Cembalospiel messen. Aber als Bach zur vereinbarten Stunde erschien, war Marchand kurz vorher heimlich abgereist. Er wußte, daß Bach ihn besiegen würde.

Konzertmusik in Köthen

Im Jahr 1717 ging Bach nach Köthen bei Magdeburg. Er wurde dort Leiter des fürstlichen Hoforchesters. Die sechs Jahre hier waren für ihn eine sehr glückliche Zeit, obgleich er in Köthen seine erste Frau durch den Tod verlor. Hier schrieb er für den fürstlichen Hof viele Suiten, Sonaten und Konzerte, darunter auch die bekannten sechs "Brandenburgischen Konzerte".

Thomaskantor in Leipzig

1723 wurde Bach Kantor (Organist) an der Thomaskirche in Leipzig. Er war damit für die Kirchenmusik an den Leipziger Kirchen verantwortlich. Oft komponierte er für jeden Sonntag eine neue Kantate für den Gottesdienst in den Kirchen. In den Kantaten wurden die Gedanken der Predigt musikalisch vorgetragen. Insgesamt schrieb er rund 200 Kirchenkantaten.

Mit den Schülern der Thomasschule mußte Bach für jeden Sonntag seine Kantaten und andere Musikstücke einüben. Er hatte außerdem auch noch den Schülern Lateinunterricht zu erteilen. Weil die Schüler häufig schlecht sangen oder nicht gehorchten, mußte er sich oft über sie ärgern. Deshalb hatte Bach mit dem Rat der Stadt Leipzig harte Auseinandersetzungen wegen der Thomasschüler und wegen anderer Dinge. Erst nach langen Kämpfen konnte er seine Forderungen wenigstens zum größten Teil durchsetzen.

Matthäuspassion

Bach war ein gläubiger Christ. Er sagte: "Mit aller Musik soll Gott geehrt werden und sollen die Menschen erfreut werden. Wenn man Gott mit seiner Musik nicht ehrt, ist die Musik nur ein teuflischer Lärm und Krach." Oft schrieb er über seine Kompositionen "J. i.", die Abkürzung für lateinisch "Jesu iuvall" = "Jesus, hilf". Und die meisten seiner Werke kennzeichnete Bach mit den Buchstaben: s.d.g. = soli deo gloria = "Gott allein die Ehre!" Der große Meister wußte, daß er nur mit der Hilfe von Jesus und Gott gute Musik machen konnte.

Bachs größtes Werk ist neben der h-moll-Messe seine Matthäuspassion. In ihr hat er die Passions- oder Leidensgeschichte Jesu nach dem Matthäusevangelium in der Bibel in herrlicher Musik vertont. Nicht wenige Menschen sind durch das Hören der Matthäuspassion zum Glauben an Jesus und Gott gekommen. Deshalb nennt man Bach auch "den fünften Evangelisten" neben den vier Evangelisten in der Bibel.

Lebensende

Drei Jahre vor Bachs Tod lud der kunst- und musikliebende Preußenkönig Friedrich der Große ihn zu einem Besuch nach Potsdam ein. Bach widmete dem König daraufhin das "Musikalische Opfer". Dieses Werk und Bachs letztes unvollendetes Werk "Die Kunst der Fuge" sind größte polyphone (mehrstimmige) Meisterwerke. Sie sind deshalb auch nicht leicht zu verstehen.

Von seinen beiden Frauen hatte Bach zusammen zwanzig Kinder, von denen jedoch nur sechs Söhne und vier Töchter groß wurden. Vier von seinen Söhnen wurden selber berühmte Komponisten.

Kurz vor seinem Tod im Jahr 1750 erblindete Bach. Als allerletztes Werk diktierte er seinem Schwiegersohn eine Komposition über das Kirchenlied "Vor deinen Thron tret ich hiermit, Gott Vater, und demütig bitt, wend von mir armen Sünder nicht dein gnadenvolles Angesicht." Er wußte, daß er jetzt durch seinen Tod zu Gott gehen würde, in das ewige Leben bei Gott.

Johann Sebastian Bach war bald nach seinem Tod vergessen. Die Menschen wollten eine einfachere und leichtere Musik hören, als Bach sie schrieb. Erst hundert Jahre später fing man an, seine Größe zu entdecken. Und heute wird seine Musik in der ganzen Welt gespielt. Für viele Menschen ist Bach der größte aller Komponisten.

Beethoven - ein Kämpfer mit Tönen

Ludwig van Beethoven ist wohl der bekannteste deutsche Komponist und einer der bekanntesten überhaupt. Seinen Namen kennen viele Menschen auf unserer Erde, auch wenn sie von Musik nicht viel verstehen. Schon zu seinen Lebzeiten war er sehr berühmt, was man nur von wenigen Musikern sagen kann.

Denn Beethovens Musik wirkt gewaltig und mitreißend. Für manchen ist sie deshalb auch zu laut. Sie ist oft leidenschaftlich und heftig, sie hat mitunter etwas Gewaltsames. Man merkt an Beethovens Musik, daß er ein Mensch war mit einem starken Willen.

Ein Klassiker

Das lag auch an Beethovens Zeit. Die Zeit um 1800 war die Zeit der Klassik. In Deutschland lebten die Dichter Goethe und Schiller. In dieser Zeit begeisterte man sich für die Tugenden des römischen und griechischen Altertums: für Vaterlandsliebe, Opferbereitschaft, Treue in der Ehe, Freiheitsliebe. Der Mensch sollte nach ethischer Vollkommenheit streben. Er sollte ein Kämpfer für das Gute sein. Ein solcher Kämpfer wollte auch Beethoven sein.

So verehrte diese Zeit den Menschen und seine Leistung. Sie verehrte besonders den großen Menschen, das Genie. Ein solches Genie war für viele z.B. auch der damals die Welt erobernde Napoleon.

Fleißig und begabt

Ludwig van Beethoven wurde 1770 in dem Städtchen Bonn am Rhein geboren, der späteren Hauptstadt der Bundesrepublik. Sein Vater war ein kleiner Musiker, der im Alter immer mehr dem Alkohol verfiel. Aber er erkannte die musikalische Begabung seines Sohnes und förderte sie durch strenges Üben. So gab Ludwig bereits mit 8 Jahren sein erstes öffentliches Konzert in Köln. Mit 13 Jahren wurde er Mitglied der Hofkapelle des Kurfürsten von Köln. Er lernte fleißig weiter.

Wien war damals die "Hauptstadt der Musik". Mozart war hier kürzlich gestorben, Haydn lebte noch. So ging Beethoven mit 17 Jahren erstmals für 14 Tage nach Wien, wohin er 1792 gänzlich übersiedelte um seine Studien abzuschließen. Er hatte inzwischen seine Mutter verloren - den einzigen Menschen, der ihm Liebe und Zärtlichkeit geschenkt hatte.

Ein Genie mit Fehlern

In Wien wurde Beethoven bald bekannt und berühmt. Damals gab es nur manchmal öffentliche Konzerte. Aber in den Husern und Palästen der Adligen wurde viel musiziert. Dort hat Beethoven meist seine Werke gespielt. Einige musikliebende Adlige hatten seine Genialität erkannt, und sie unterstützten Beethoven sein Leben lang in großer Treue und echter Freundschaft. Zu ihnen gehörten der Fürst Lichnowski, Graf Waldstein und Erzherzog Rudolf, ein Bruder des Kaisers. Ihnen hat Beethoven manches seiner Werke gewidmet.

Dabei war Beethoven äußerlich nicht sehr anziehend. Er war klein, hatte Pockennarben im Gesicht und erschien oft etwas ungepflegt. Außerdem war er stolz. Er wußte, daß er ein musikalisches Genie war. Als einmal von dem König von Preußen gesprochen wurde, sagte er: "Auch ich bin ein König".

Beethoven konnte schnell zornig und sogar grob werden und dabei selbst seine besten Freunde verletzen. Aber er war meist bald wieder versöhnt und hatte auch Humor. Und er war hilfsbereit. Er hat vielen seiner Freunde, aber auch Fremden, großzügig geholfen. Dadurch hatte Beethoven, so sehr er Menschen abstoßen konnte, doch sein Leben lang eine Reihe treuer Freunde.

Ein Komponist großer Werke

In Wien entstanden nun allmählich Beethovens große Werke: zahlreiche Klaviersonaten für einen Einzelspieler, z. B. die bekannte "Mondscheinsonate"; Konzerte für Klavier und Orchester, Streichquartette und die neun Sinfonien. Viele Melodien bei Beethoven sind energisch und kraftvoll - er war eben ein Willensmensch. Aber wir hören bei ihm auch immer wieder weiche, lyrische, wunderschöne Melodien, besonders in den 2. Sätzen seiner Werke.

Die 3. Sinfonie, die "Eroica", das heißt die "Heroische", "Heldenhafte", wollte Beethoven ursprünglich Napoleon widmen. Aber als er erfuhr, daß dieser sich in Frankreich zum Alleinherrscher gemacht hatte, zerriß er die Widmung und rief: "Also ist Napoleon auch nur ein gewöhnlicher Mensch! Nun wird er nur für seinen Ehrgeiz leben und ein Tyrann werden".

Die 6. Sinfonie, die "Pastorale", also die "Ländliche", ist auf dem Land entstanden. Man hört in ihr sogar die Nachtigall und den Kuckuck. Beethoven liebte die Natur sehr. Er zog fast jeden Sommer von der Stadt aufs Land in die schöne Umgebung Wiens mit ihren Wiesen und Feldern, Bächen und Wäldern. Dort in der Natur schöpfte er neue Kraft. Er sagte: "Ein Baum bedeutet mir mehr als ein Mensch".

Nur eine Oper hat Beethoven geschrieben: "Fidelio". Darin befreit eine Frau in vorbildlicher Gattentreue ihren zu Unrecht gefangenen Mann aus der Hand eines Bösewichts.

Verzweifelt und unglücklich

Haus Beethovens
Beethoven hätte bei seiner Berühmtheit eigentlich ein glücklicher Mensch sein müssen. Doch er bekam von seinem 30. Lebensjahr an eine besonders für einen Musiker schreckliche Krankheit: Er verlor immer mehr sein Gehör. Er konnte seine Musik nicht mehr hören. Er konnte sie nur noch in sich selber wahrnehmen.

Beethoven war verzweifelt. Er dachte an Selbstmord. Aber mit seinem starken Willen bezwang er seine Verzweiflung. Er stürzte sich noch mehr in seine Arbeit. Er wollte jetzt nur noch für seine Musik, für die Kunst, leben. Durch seine Taubheit wurde er jedoch immer mißtrauischer und gereizter gegen andere Menschen. Er machte gern lange, einsame Spaziergänge. Dabei kamen ihm die Melodien zu seinen Werken in den Sinn. Er arbeitete sehr sorgfältig an jedem einzelnen seiner Werke.

Mit den Frauen hatte Beethoven kein Glück. Er verliebte sich zwar oft heftig in junge adlige Damen. Häufig waren sie seine Klavierschülerinnen. Er kämpfte um ein moralisch einwandfreies Verhalten den Frauen gegenüber. Mehrmals machte er einer Frau einen Heiratsantrag. Aber keine wollte sich an Beethoven binden. Damals heiratete eine Adlige für gewöhnlich keinen Nicht-Adligen. Auch war es nicht leicht, mit dem Komponisten und Musiker immer im Frieden zusammenzuleben.

Als Beethoven älter wurde, nahm er seinen Neffen Karl zu sich. Er wollte dadurch wenigstens ein Stück Familienleben haben. Aber dieser junge Mann machte ihm wenig Freude. Das lag allerdings auch an Beethovens unvernünftigen Erziehungsmethoden.

Ein Kämpfer der Freiheit

Beethoven war kein Freund der Fürsten. Er wünschte, daß alle Menschen frei und gleich seien. Das waren damals auch die Gedanken der Französischen Revolution. 1812 lernte Beethoven in einem Kurort den Dichterfürsten Goethe kennen, den er verehrte. Eines Tages kamen den beiden bei einem gemeinsamen Spaziergang die Kaiserin und sehr vornehme Leute entgegen. Während Goethe höflich zur Seite trat und grüßte, machte Beethoven ihnen nicht Platz, sondern ging mitten durch sie hindurch. Für Beethoven war man nicht durch seine Geburt adelig und vornehm, sondern man wurde vornehm durch Tugend und Leistung im Leben.

Gegen Ende seines Lebens komponierte Beethoven noch eine große katholische Messe, die "Missa solemnis" - er war ja katholisch - sowie die 9. Sinfonie. Sie war seine letzte Sinfonie und ist wohl sein berühmtestes Werk. In ihrem 4. und letzten Satz wagte er es, neben der Instrumentalmusik einen Chor die Vertonung von Schillers Gedicht "Ode an die Freude" singen zu lassen.

Persönlicher Gott oder Vorsehung?

1827 starb Beethoven in Wien während eines heftigen Gewitters. Als ein Blitz mit anschließendem Donner niederfuhr, hob er noch einmal drohend die Faust, als wollte er zum letzten Mal mit dem Schicksal kämpfen. Dann sank er tot zurück. Tausende von Menschen folgten seinem Sarg.

Beethoven sprach häufig von "Gott". Er meinte, in dem wunderbaren Aufbau der Welt zeige sich ein gewaltiger Geist. Aber ebenso oft redete Beethoven von der "Gottheit" oder der "Vorsehung". Den lebendigen Gott, der die Menschen liebt, kannte er nicht. Den Gott, der sich von jedem finden läßt, der ihn mit ganzem Herzen sucht, und der ein jedes Leben neu machen kann.

Weil Beethoven den wahren Gott nicht kannte, wollte er sich selber aus eigener Kraft zu einem guten, vorbildlichen Menschen machen. Auch heute meinen viele, ihr Leben sei in Ordnung, sie seien anständige Menschen.

Verglichen mit anderen machen wir vielleicht einen guten Eindruck. Und doch wissen wir, wenn wir ehrlich sind, daß wir oft egoistisch, lieblos, unsauber und unehrlich sind.

Aber Jesus Christus, Gottes Sohn, hat durch sein Sterben am Kreuz das Böse besiegt, das uns beherrscht. Wenn wir zu ihm kommen, verwandelt er uns durch seinen Geist in neue Menschen.

Katharina von Bora - eine ungewöhnliche Frau

1999 gedachten wir Jahr der 500. Wiederkehr des Geburtstags einer ungewöhnlichen Frau: Katharina von Bora, Ehefrau des Reformators Martin Luther.

Katharina wurde 1499 in der Nähe von Leipzig im heutigen Bundesland Sachsen geboren. Schon mit sechs Jahren gaben ihre Eltern sie zur Erziehung in ein Kloster. Sie sollte dort als Nonne ein frommes Leben führen, um dadurch später von Gott das ewige Leben im Himmel zu bekommen.

Aber am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther seine 95 Thesen zur Reformation der Kirche an die Tür der Schloßkirche in Wittenberg. Er sagte darin: "Wir können uns nicht durch gute Werke den Himmel verdienen, auch nicht durch ein vorbildliches Leben im Kloster. Allein Jesus, Gottes Sohn, bringt uns durch seinen Tod in den Himmel, wenn wir ihn als unseren Herrn annehmen".

Daraufhin verließen viele Mönche und Nonnen ihre Klöster. Auch Katharina floh, hinter Heringsfässern versteckt, aus ihrem Kloster.

1526 heiratete sie in Wittenberg Martin Luther. Gott hätte diesem Mann keine bessere Frau schenken können. In kurzer Zeit machte sie Luthers Junggesellenwohnung zu einem sauberen und freundlichen Heim. Nach einigen Jahren hatte sie Hühner, Gänse und Schweine angeschafft, dazu mehrere große Gärten und sogar einen Bauernhof. Denn an ihrem Mittagstisch saßen oft zwanzig und mehr Personen. Und Luther verdiente als Professor der Theologie nicht viel; er konnte seiner Frau nicht viel Geld für den Haushalt geben.

Katharina hielt streng alle Störungen von ihrem vielbeschäftigten Mann fern. Sie tröstete ihn auch, wenn ihn Sorgen oder Zweifel quälten. Als Luther einmal mehrere Tage sehr niedergeschlagen war, trat sie plötzlich in schwarzer Trauerkleidung in sein Zimmer. "Wer ist gestorben?" fragte Luther erschrocken. "Gott ist gestorben", antwortete sie, "denn du willst ja nicht aufhören, dir Sorgen zu machen". Da mußte Luther lachen und wurde wieder froh.

Martin Luther und seine Frau hatten sich herzlich lieb. Käthe war ihrem Mann eine echte Gehilfin, so wie Gott es nach der Bibel haben will (1. Mose 2,18). Gott schenkte ihnen drei Söhne und eine Tochter. Allerdings verstand Katharina es auch - nicht selten durch Tränen - ihren Willen gegen ihren Mann durchzusetzen. Sie war eine energische, willensstarke Frau. Deshalb redete Luther sie manchmal im Spaß mit "Herr Käthe" an.

Nach dem Tod ihres Mannes lebte Katharina noch mehrere Jahre. Aber durch Krieg, Flucht und Armut litt sie mit ihren Kindern viel Not. Sie starb 1552 durch einen Unfall, 53 Jahre alt, aber getröstet im Glauben an ihren Heiland Jesus Christus.

Ein Mann verändert das Angesicht Deutschlands: Martin Luther

Geboren wurde ich am 10. November 1483 in Eisleben, einer kleinen Stadt in Thüringen. Dort verdiente mein Vater sein Brot in den Kupferbergwerken. Meine Kinderzeit verlebte ich in Mansfeld, und in Magdeburg und Eisenach besuchte ich die Schule.

1501 ging ich an die Universität in Erfurt, wo ich vier Jahre später den Grad eines Magisters Artium erwarb. Ich war ein guter Schüler, und meine Eltern machten sich viele Hoffnungen. Dann aber geschah etwas, was meinem ganzen Leben eine neue Richtung geben sollte.

Ein furchtbares Gewitter

Am 2. Juli 1505, ich war gerade auf dem Weg nach Hause von einem Urlaub, kam ich in ein furchtbares Gewitter. Ich hatte nur noch ein paar Stunden bis nach Erfurt zu laufen, als plötzlich ein gewaltiger Blitz so dicht neben mir in den Boden schlug, daß ich von dem Luftdruck mehrere Meter weit geschleudert wurde. Ich war so erschrocken wie noch nie und rief: "Hilf, heilige Anna, ich will Mönch werden!"

Als ich endlich zu Hause ankam, ging es mir immer wieder durch den Kopf: "… ich will Mönch werden." Ja, ich hatte es ernst gemeint. Ich war schon seit einiger Zeit oft traurig gewesen. Ich hatte Angst, Angst um meine Sünde, Angst, daß mich Gott nicht annehmen würde. Was sollte ich tun? Als ich fast vom Blitz getroffen wurde, stand es für mich fest: Ich mußte Mönch werden. Vielleicht konnte ich damit Gott besser gefallen und meine Schuld loswerden. Vielleicht würde er mich dann annehmen. Vielleicht…

Großer Kampf im Kloster

Ich brauchte nur zwei Wochen, dann war es schon soweit. Ich gab alles, was mir gehörte, weg und verabschiedete mich von meinen Freunden. Dann ging ich ins Kloster. Mit ganzem Ernst ging ich an das, was jetzt vor mir lag. Es sollte der schwerste innere Kampf meines Lebens werden.

Nun war ich ein Mönch. Ich studierte Theologie in Wittenberg, und 1511 wurde ich dort sogar zum Professor berufen. Die Arbeit machte mir viel Freude, aber gleichzeitig nahmen auch meine inneren Probleme immer mehr zu. Die Frage wurde in mir immer wichtiger: Wie kann ich überhaupt vor Gott bestehen? "Ich bin verloren, wenn ich auf diese Frage keine Antwort finde", sagte ich mir, "ich kann einfach so nicht mehr weiterleben." Ich versuchte alles, was mir die Kirche anbot, um meine Schuld loszuwerden: Ich bekannte anderen meine Schuld, so oft ich konnte. Aber sofort, nachdem ich dies getan hatte, wurde ich mir immer mehr meiner Schuld bewußt. Ich fand keinen Ausweg. Ich las die Bibel, betete, las theologische Bücher und tat alle frommen Übungen, die es gab. Aber es half nichts. Die Anfechtung wurde immer größer.

Ich lebte als ein vorbildlicher Mönch, aber mein Gewissen war sehr unruhig. Ich wußte, daß ich vor Gott ein Sünder war und daß ich durch das, was ich tat, und durch gute Werke nicht wieder mit Gott in Ordnung kommen konnte. Gott verlangt, daß die Menschen gerecht und vollkommen sind und nicht nur an sich selbst denken. Aber wie konnte dies geschehen? Dazu sind wir ja gar nicht in der Lage! Manchmal haßte ich Gott sogar, daß er so gerecht und den Sündern zornig ist und sie straft. Was meinte Paulus, wenn er in seinem Brief an die Römer schreibt: "Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: ,Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.'" (Röm 1,17)? Wie sollte ich diese Gerechtigkeit Gottes jemals bekommen?

Eine wunderbare Entdeckung

Tag und Nacht dachte ich darüber nach. Dann wurde es mir eine Tages plötzlich klar: Nicht wir sind es, die diese Gerechtigkeit vor Gott erreichen müssen, nein, sondern Gott möchte uns diese Gerechtigkeit schenken. Wir brauchen dafür nichts zu tun, ja, wir können dafür gar nichts tun. Am Kreuz hat Jesus Christus uns diese Gerechtigkeit erworben. Wir müssen nur fest daran glauben.

Als ich dies verstanden hatte, spürte ich, daß ich völlig neu geboren war. Ich selbst war durch die geöffneten Türen des Paradieses eingetreten. Jetzt hatte ich keine Angst mehr, sondern ich freute mich über die Gerechtigkeit Gottes. In Jesus Christus hatte ich Gott wirklich erkannt. Oh wie wunderbar war das!

Dieses Erlebnis veränderte mein Leben. Viele nannten es später die "Geburtsstunde der Reformation" . Ich hatte gefunden, wonach ich so lange schon gesucht hatte. Ohne daß ich etwas dazu getan hatte, hatte Gott mich in seiner unverdienten Gnade von meiner Schuld befreit. Daran durfte ich ganz fest glauben.

"So kann es nicht weitergehen!"

Mit neuer Freude ging ich zurück an meine Arbeit. Ich lehrte weiterhin und schrieb viel. Ein Problem aber machte mir große Sorgen. Oft, wenn ich in meiner Gemeinde darauf hinwies, daß uns unsere Sünde vor Gott wirklich leid tun muß, um seine Vergebung zu empfangen, dann wurden mir kleine Zettel hingehalten. Auf diesen Zetteln stand, daß der Käufer durch das Kaufen dieses Zettels von seiner Strafe in der Hölle befreit worden sei. Und wenn ich auf den Markt ging, sah ich sie dort sitzen, die Verkäufer dieser Zettel. Sie machten Geschäfte mit der Not der Menschen. Gottes Vergebung kann man doch nicht kaufen!

So konnte es nicht mehr weitergehen! Ich mußte etwas dagegen tun. Über die Sache mußte gesprochen werden. Aus diesem Grunde wollte ich andere Theologen dazu auffordern, über diese Sache öffentlich zu diskutieren. Ich schrieb deshalb eine Reihe von Lehrsätzen in Lateinisch auf und nagelte sie am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg. Ob wohl jemand darauf reagieren würde?

Der Sturm bricht los

Zuerst einmal geschah gar nichts. Es blieb alles ruhig. Niemand meldete sich, um über diese 95 Thesen zu sprechen. Dann aber brach ein Sturmwind los, der die Weltgeschichte verändern sollte. Freunde von mir, denen ich einen Abdruck meiner Thesen geschickt hatte, hatten sie ins Deutsche übersetzt und in ganz Deutschland verbreitet. Jetzt erst merkte ich, was ich eigentlich getan hatte. Ich hatte nichts weniger versucht, als gegen den Himmel anzustürmen und die Welt in Brand zu setzten. Aus meiner Not für den einzelnen heraus sollte es zu einer geschichtlichen Wende kommen. Mit dieser Tat hatte ich die Kirche, und damit auch den mit ihr verbundenen Staat, an einer wunden Stelle getroffen. Nun setzten sie sich zur Wehr.

Zuerst kamen mehrere Gespräche mit hohen Kirchenleuten. Die Frage lautete immer wieder: Hat die Kirche wirklich die Autorität, zu tun was sie will? Konnte der Papst Ablässe herausgeben? Oder ist die Bibel die wirkliche Autorität? Für mich war die Frage klar - nur was die Bibel sagt, stimmt. Ihr allein müssen wir gehorchen. Und so dauerte es auch nicht lange, bis ich ein offizielles Schreiben vom Papst bekam. Ich sollte alles, was ich gesagt hatte, zurücknehmen, oder ich würde aus der Kirche ausgestoßen. Was sollte ich tun? Ich verbrannte das Schreiben!


Große Veränderungen
Nachdem Martin Luther Mönch geworden war, ließ ihn eine Frage nicht wieder los: Wie konnte er als sündiger Mensch vor Gott bestehen? Nach einer Zeit des Suchens fand er dann in der Bibel die Antwort: Nur durch Jesus Christus! Als Martin Luther diese wunderbare Entdeckung gemacht hatte, kam er bald in Konflikt mit der Kirche. Er schlug 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg, um auf Probleme in der Kirche hinzuweisen. Dies führte zu Auseinandersetzungen mit der Kirche.

Im Frühjahr 1521 kam es zu einem Höhepunkt. Ich sollte vor dem Reichstag in Worms erscheinen. Ich sollte vor dem Kaiser selbst stehen! Ich ging mit Furcht, aber auch mit Freude, und auf meinem Weg nach Worms schlug mir überall öffentliche Begeisterung entgegen. Hier ging es nicht mehr nur um den Glauben. Das Volk hatte in mir auch ein Leitbild für ein neues nationales Empfinden entdeckt. Und doch, es sammelte sich um den Glauben, und es war die Glaubensentscheidung, die für die zukünftige Geschichte Deutschlands von großer Bedeutung war.

Alle waren sie da: Fürsten, Prinzen, Bischöfe, Heerführer und alles, was in Deutschland etwas zu sagen hatte. Und der Kaiser selbst. Ich wurde in die Mitte des Raumes geführt. Dort lagen mehrere meiner Bücher. "Habt Ihr diese Bücher geschrieben, und seid Ihr bereit, sie zu widerrufen?" wurde ich gefragt. Ich wurde unsicher, dies war eine wichtige Entscheidung. Ich wollte die Sache noch einmal überdenken. Bis zum nächsten Tag gab man mir Zeit. Dann dieselbe Frage. War ich bereit? Nein, ich konnte nicht. Wenn man mir aus der Bibel meine Fehler zeigen könnte, dann ja. Aber wo es um Gottes Wort ging, nein! Ich war an Gottes Wort, die Bibel, gebunden. "Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen."

Mehrere schwere Tage folgten. Was würde jetzt geschehen? Man versuchte, mich weiterhin zur Aufgabe meiner Position und Meinung zu bewegen, aber es nützte nichts. Dann wurde ich verurteilt. Noch drei Wochen lang konnte ich mich frei bewegen. Danach war ich vogelfrei und rechtlos. Was aber sollte jetzt geschehen?

Tags darauf verließ ich Worms, um wieder zurück nach Wittenberg zu reisen.

Gefangen…

Irgendwo unterwegs passierte es, daß ich von einigen Reitern plötzlich aus meinem Wagen gezerrt und weggebracht wurde. Was geschah hier? Ich sollte es bald erfahren. Wir befanden uns auf dem Weg zu einer Burg, als die Reiter mir erklärten, warum sie mich gefangengenommen hatten. Den Befehl hatte der Kurfürst von Sachsen, Friedrich der Weise, gegeben, der mich zu meinem eigenen Schutz auf die Wartburg bei Eisenach bringen ließ. Ich war ja vogelfrei, und jeder, der es wollte, konnte mich ja jetzt töten, ohne daß er irgendeine Strafe fürchten mußte. So wurde ich also auf der Wartburg in der Nähe der Stadt Eisenach versteckt. Dies gefiel mir gar nicht. Man gab mir auch einen neuen Namen: Junker Jörg. Gerne wäre ich wieder nach Wittenberg zurückgekehrt, aber ich konnte nicht. Was sollte ich jetzt machen?

Ein Buch bewegt viele Menschen

In dieser Zeit des Wartens hatte ich Gelegenheit, mehrere Bücher und Aufsätze zu schreiben. Meine schönste Arbeit aber war die Übersetzung des Neuen Testaments in die deutsche Sprache. Zum ersten Mal sollte es jetzt eine Übersetzung geben, die jedermann verstehen konnte. In Deutschland sprach man ja zu dieser Zeit in den verschiedenen Gebieten unterschiedliche Dialekte. Ich mußte also versuchen, hier einen Mittelweg zu finden. Nur elf Wochen benötigte ich, um die erste grobe Übersetzung fertigzustellen. Im September 1522 erschien dann das "Newe Testament Deutzsch" im Druck. Viele Menschen kauften das Buch. Für manche war es das einzige Buch, das sie sich leisten konnten. Es wurde gelesen und gelesen. Nie hatte ich mir vorgestellt, welchen Einfluß dieses Buch haben würde. Nicht nur auf die deutsche Sprache, sondern auch auf das Leben der Menschen!

Im März 1523 verließ ich die Wartburg und ging zurück nach Wittenberg. Ich mußte mich einfach um meine Freunde und um die Sache der "Reformation" kümmern. Viele Menschen fragten immer wieder, wie ein Christ leben, was er tun und was er nicht tun sollte. Deshalb begann ich wieder, das Evangelium öffentlich zu verkündigen.

Viel Arbeit wartete auf mich. Ich begann, zusammen mit mehreren Freunden, an der Übersetzung des Alten Testaments in der Bibel zu arbeiten. Dies war ein schwere Aufgabe und benötigte zwölf Jahre. Immer wieder mußte ich mich um aufkommende Probleme kümmern und dazu Stellung nehmen. Der Bauernkrieg von 1524-1525 war eine schreckliche Zeit. Dann, nachdem ich aufgehört hatte, Mönch zu sein, konnte ich heiraten. Mit Katharina von Bora bekam ich eine liebe und treue Frau. Zusammen hatten wir sechs Kinder.

Eine Bewegung wächst

Es war gut zu sehen, wie sich die Reformation des Glaubens ausbreitete. Auch außerhalb Deutschlands, etwa in der Schweiz, erwachten Menschen für die frohe Botschaft von Jesus Christus. Leider konnten wir nicht immer in allen Dingen des Glaubens übereinstimmen, etwa in der Frage, wie wir das Abendmahl verstehen sollten. Darin, daß wir allein durch den Glauben an Jesus Christus errettet werden, waren wir uns aber einig. [Anm. d. Red.: Später entstanden aufgrund dieser unterschiedlichen Auffassungen die reformierte und die lutherische Kirche.]

Langsam konnte man die Reformation nun nicht mehr übersehen. Man nannte jetzt die Evangelischen auch "Protestanten". Der Kaiser war sehr bemüht, die neue Bewegung zu unterdrücken. Ihr Wachstum machte dies aber immer schwerer. Im Sommer 1530 trafen sich der Kaiser und alle regierenden Fürsten des Reiches in Augsburg, um über die Sache der "Protestanten", der Evangelischen also, zu beraten. Ich selbst konnte nicht dabei sein und mußte von Coburg aus die Sache mitverfolgen. Mein Freund Melanchton vertrat mich dort. Er versuchte, die Einheit der Kirche zu bewahren, aber es ging nicht mehr. So legte er dort das Augsburgische Bekenntnis der Evangelischen (die "Confessio Augustana") vor, das erste öffentliche Bekenntnis des evangelischen Glaubens. Der Kaiser lehnte zwar dieses Bekenntnis ab und verweigerte der jungen Kirche seinen Schutz. Diesen aber brauchten wir nicht mehr. Gott, der alle seine Werke aus dem Nichts rufen kann, ist mächtiger als alle irdische Gewalt. Er allein würde uns helfen.

Sicher in Gottes Hand

Dies bestätigte sich in den folgenden Jahren. Wenn es auch manchmal recht schwer war, so traten doch immer mehr Menschen auf unsere Seite. 1534 erschien zum ersten Mal die gesamte Bibel in deutscher Sprache: "Biblia, das ist die ganze Heilige Schrift Deutsch." Sie wurde sehr weit verbreitet. Gesundheitlich ging es mir häufig schlecht, aber so lange ich noch etwas für meinen Gott und Jesus Christus tun konnte, wollte ich die Zeit nutzen. 1546 reiste ich noch einmal nach Eisleben, um dort einen Streit zu schlichten. Dabei wurde ich sehr krank. Ich wußte, jetzt mußte ich sterben. Wie gut, daß ich Jesus Christus jetzt kannte. Er ist für mich gestorben, damit ich vor dem Tod keine Angst mehr haben muß. Was für ein Trost war es zu wissen, daß auch der Tod mich nicht aus Gottes Hand reißen konnte. Bei Jesus war ich auch in meiner letzten Stunde sicher. "Wir sind Bettler. Das ist wahr." Diesen Satz habe ich soeben noch auf einen Zettel schreiben können. Nichts können wir vor Gott bringen. Wie gut ist es aber, daß Gott uns unsere leeren Hände füllen möchte. Allein aus Gnaden!

Rudolf Diesel: Das tragische Ende eines großen Erfinders

Auf der ganzen Erde ist er heute verbreitet: der Dieselmotor. Autos, Lokomotiven, Schiffe und Fabriken werden damit betrieben, denn er ist ein sparsamer Motor. Mit einem Liter Diesel-Kraftstoff kann ein Auto bis zu 25 Prozent mehr Kilometer fahren, als mit einem Liter Benzin. Erfinder des Dieselmotors ist der Deutsche Rudolf Diesel. 1858 wurde er in Paris von deutschen Eltern geboren. Sein Vater hatte dort eine kleine Fabrik für Lederarbeiten, und der junge Rudolf musste oft tüchtig mithelfen. Schon früh interessierte er sich für Mechanik und für Maschinen . Da seine Eltern sehr arm waren, wurde Rudolf zu einem Onkel nach Deutschland geschickt. Er besaß eine große technische Begabung und war sehr fleißig. Ohne einen Pfennig Unterstützung von seinen Eltern studierte er Ingenieur-Wissenschaften an der technischen Hochschule München. Dort legte er später das beste Examen seit der Gründung der Hochschule ab. Später arbeitete er in Berlin.

Die entscheidende Idee

Bereits mit zwanzig Jahren wollte Diesel einen möglichst sparsam und billig arbeitenden Motor bauen, damit sich auch die vielen kleinen Werkstätten und Industriebetriebe eine Maschine leisten könnten. Bis dahin gab es nur die in England hergestellte Dampfmaschine. Sie verwandelte jedoch nur etwa ein Zehntel der in der Kohle enthaltenen Wärmemenge in Energie. Und es gab den gerade von Daimler und Benz für Maschinen und Autos entwickelten Otto-Motor . Auch er verbrauchte damals noch sehr viel Benzin. Beim Otto-Motor wird das Benzin in einem Kolben durch den Funken einer Zündkerze zur Explosion gebracht. Durch die Energie, die bei den vielen kleinen aufeinander folgenden Explosionen frei wird, wird der Automotor angetrieben. 1890 kam Diesel plötzlich die entscheidende Idee zu seinem Motor. An Stelle einer Zündkerze wird Luft in einem Zylinder stark zusammengepresst, in dem sich ein Kolben befindet. Dadurch erhöht sich ihre Temperatur auf etwa 600 Grad. In diese glühende Luft wird ein winziges Tröpfchen Kraftstoff eingespritzt. Infolge der Hitze explodiert das Luft-Kraftstoff-Gemisch und treibt dadurch den Motor an. Statt Benzin verwendet man als Kraftstoff schweres Öl.

Ein mühevoller Weg

Der erste Dieselmotor (1897)
Aber es war für Diesel noch ein weiter Weg bis zu einem brauchbaren Motor. In der Maschinenfabrik M.A.N. im süddeutschen Augsburg konnte Diesel seinen Motor ab 1893 entwickeln. Der Direktor der Fabrik half Diesel bereitwillig bei seinen Experimenten. Immer wieder endeten die Versuche mit dem neuen Motor in Misserfolgen. Einmal flogen mit einem lauten Knall Teile des Motors wie Geschosse durch die Luft. Auch bezweifelten viele Ingenieure damals, dass Diesels Motor jemals richtig arbeiten würde. Aber Diesel gab nicht auf. 1897 lief der Motor endlich zufriedenstellend. Er verbrauchte sehr viel weniger Kraftstoff als alle anderen damaligen Motoren und leistete ganze 20 PS. Heute steht er im Deutschen Museum in München. Diesel konnte seinen Motor jetzt beim Staat als Patent eintragen lassen und zum Verkauf anbieten. Aber sofort behaupteten andere Ingenieure, sie hätten Ähnliches erfunden. Immer wieder musste er in Prozessen vor den Gerichten seine Erfindung verteidigen. Auch liefen Diesels Motoren bei den Käufern zu Anfang nicht immer richtig. Deshalb schickten sie ihre Motoren an Diesel zurück. So hatte er viel Ärger und Sorgen.

Langsamer Erfolg

Zunächst eignete sich Diesels Motor nur für große Maschinen mit vielen PS . 1903 wurde das erste Schiff mit einem Dieselmotor für den Verkehr auf dem Kaspischen Meer gebaut. 1905 errichtete die Firma M.A.N. in Kiew das erste Dieselkraftwerk der Welt zur Stromerzeugung für die städtischen Straßenbahnen. Und 1913 wurde die erste Diesel-Lokomotive gebaut. Nach dem 1.Weltkrieg gelang auch die Entwicklung von Klein-Dieselmotoren. 1923 kamen die ersten Diesel-Lastkraftwagen auf den Markt, ab 1936 dann auch Diesel-Personenautos. So verbreitete sich der Dieselmotor immer mehr auf der Erde. Viele Eisenbahnlokomotiven haben einen Dieselantrieb. 90 Prozent aller größeren Handelsschiffe weltweit fahren mit Dieselmotoren. Und in großen Teilen Afrikas und Asiens erzeugen Diesel-Kraftwerke den Strom. Solange nicht günstigere Energiequellen wie vielleicht die Sonne zur Verfügung stehen, wird der Dieselmotor weiter ein wichtiger Helfer der Menschheit bleiben.

Geheimnisvoller Tod

Dieselschiff
Rudolf Diesels Leben hatte große Erfolge gesehen. Aber Überarbeitung, Krankheit und Streit mit anderen Erfindern machten sein Leben oft zur Qual . Dann verlor er auch viel Geld, weil er es falsch anlegte. 1912 erlebte Diesel noch die großen Erfolge der mit dem Dieselmotor angetriebenen Ozeandampfer. Auf einer Reise durch Amerika feierte man ihn als berühmten Mann. Finanziell aber war er ruiniert . Am Abend des 29.9.1913 fuhr er mit dem Schiff von Belgien nach England. Dort wollte er an der Einweihung einer neuen Fabrik für Dieselmotoren teilnehmen. Aber er kam nie an. Am Morgen war er nicht mehr zu finden. Wahrscheinlich hat er sich ins Wasser gestürzt und war ertrunken. Denn in seinem Kalender hat er hinter dem Datum seines Todestages ein Kreuz gemacht. Trotz seiner großen Erfolge endete sein Leben tragisch Was ihn letztendlich dazu gebracht hat, wissen wir nicht. Aber auch, wenn Menschen und Umstände gegen uns sind - die Bibel sagt, dass wir mit allen Dingen zu Gott kommen dürfen. Er lässt uns auch in beruflichen Sorgen und finanziellen Schwierigkeiten nicht allein. Wir brauchen unserem Leben deshalb niemals selber ein Ende zu machen. Ja, wir dürfen es gar nicht. Gott allein, der uns unser Leben gegeben hat, darf es uns auch wieder nehmen. Und ihm sollen wir für alles in unserem Leben danken und ihn ehren, in glücklichen und auch in schweren Tagen

Albert Einstein: Auf der Suche nach der letzten Ursache unserer Welt

Einer der berühmtesten Männer ist Albert Einstein. Er hat unser Wissen über den Aufbau unserer Welt sehr vermehrt. Man darf ihn mit Kopernikus und Newton vergleichen.

Kopernikus (um 1500) entdeckte, daß die Erde um die Sonne kreist (und nicht umgekehrt, wie man bis dahin dachte). Und Newton (um 1700) erkannte, daß alle kleinen und großen Körper in der Welt sich gegenseitig durch die Anziehungskraft (Gravitation) anziehen. Dadurch bleiben alle Gegenstände und die ganze Welt im Gleichgewicht, in Harmonie.

Die Relativitätstheorie

Einstein hat nun gesehen, daß Raum, Zeit und Energie sich verändern können. Sie hängen voneinander ab. Wenn sich zum Beispiel von zwei gleich großen Körpern der eine schneller bewegt als der andere, wenn sich also seine Bewegungszeit verändert, verändert sich auch sein Raum: er wird kleiner als der andere, langsamere Körper. Wir nennen diese Entdeckung Einsteins die „Relativitätstheorie“ (relativ = abhängig: Raum, Zeit und Energie hängen voneinander ab).

Auch andere wichtige Entdeckungen hat Einstein gemacht. Alle seine Erkenntnisse sind schwer zu verstehen.

Ein scharfer Denker

Albert Einstein wurde 1879 als Kind deutscher Juden in der süddeutschen Stadt Ulm geboren. Sein Vater hatte eine kleine Fabrik. Schon seit Jahrhunderten lebte die jüdische Familie Einstein in Deutschland. Albert hat immer gesagt, daß Deutsch seine Muttersprache sei. In den USA, wo er später lebte, hat er sich nie zu Hause gefühlt. Englisch sprach er schlecht.

Einstein verließ mit 15 Jahren die Oberschule ohne Abitur. Er haßte den Zwang der Schule. Lieber beschäftigte er sich zu Hause intensiv mit dem, was ihn persönlich interessierte: mit naturwissenschaftlichen Problemen. Er war ein starker Individualist. Seine Freiheit ging ihm über alles.

Er war auch ein großer Denker, wie wenige andere Menschen. Er hat alle seine Entdeckungen nur durch Grübeln und Nachdenken gemacht, ohne alle praktischen Experimente.

In der Schweiz konnte Einstein das Studium zum Ingenieur machen. 1902 fand er eine Anstellung beim Patentamt in Bern/Schweiz. Jetzt konnte er auch heiraten. Dem Ehepaar wurden zwei Söhne geboren.

Zeit und Raum

Durch folgenden einfachen Versuch zeigte Einstein, daß Zeit und Raum voneinander abhängen: Genau in der Mitte eines fahrenden Zugs schickt ein dort stehender Beobachter gleichzeitig einen Lichtstrahl nach vorn zum Anfang und nach hinten zum Ende des Zugs. Beide Lichtstrahlen brauchen bis zum Anfang und Ende des Zugs genau die gleiche Zeit.

Nun steht ein zweiter Beobachter auf dem Bahndamm. Er sieht jedoch, daß der Lichtstrahl am Ende des Zugs früher ankommt als am Anfang. Denn der Zug fährt ja dem nach hinten geschickten Lichtstrahl entgegen, während er dem nach vorn geschickten davonfährt. Wir sehen: der Lichtstrahl braucht für die gleiche Strecke verschiedene Zeiten, wenn der Raum (der Ort der Beobachter) verschieden ist.

Neugierig aus Leidenschaft

Allmählich wurde Einstein bekannt und berühmt. Er wurde Professor, ab 1914 in Berlin. 1921 bekam er den Nobelpreis . Dabei blieb Einstein bescheiden. Er sagte: „Ich habe keine besondere Begabung. Ich bin nur leidenschaftlich neugierig“.

In seinem Privatleben war er recht frei. Er trennte sich von seiner ersten Frau und heiratete seine Cousine Elsa. Er war oft nachlässig gekleidet, seine Haare waren lang und unordentlich. Zum Kummer seiner Frau flirtete er viel mit anderen Frauen.

Einstein entdeckte auch, daß Masse und Energie voneinander abhängen. Bei hoher Geschwindigkeit verwandelt sich Masse immer mehr in Energie. Masse ist „gefrorene“ Energie, Energie ist „aufgetaute“ Masse. Deshalb können z.B. kleine Mengen radioaktiven Materials in der Atombombe in ungeheure Energien umgewandelt werden.

Durch Einsteins Erkenntnisse glaubt man heute, daß das Weltall ein riesiger gekrümmter, also nicht unendlicher, Raum ist. Wenn man einen Lichtstrahl losschickt, kehrt dieser nach sehr langer Zeit auf einer gekrümmten Bahn wieder zu seinem Ausgangspunkt zurück.

Ein Demokrat und die Atombombe

Einstein war ein entschiedener Demokrat. Krieg war ihm verhaßt. Er kämpfte für die Abrüstung der Völker.


Einsteins Arbeitsplatz in Princeton (USA)
Er setzte sich auch für einen eigenen Judenstaat in Palästina ein, er war Zionist. Dadurch war er den Nazis verhaßt. Als sie 1933 in Deutschland an die Macht kamen, ging er deshalb in die USA.
Im 2. Weltkrieg bat Einstein zusammen mit anderen Wissenschaftlern den amerikanischen Präsidenten, die Atombombe zu bauen. Man glaubte nämlich, daß auch Hitler eine Atombombe baut. Später sah Einstein, welche Zerstörungen die Atombombe verursacht. Deshalb bereute er bis zu seinem Tod, den Bau der Atombombe veranlaßt zu haben.

Einstein wurde auch gebeten, Staatspräsident des neugegründeten Staates Israel zu werden. Aber er lehnte es ab. Den Deutschen hat Einstein nie verziehen, daß Hitler Millionen Juden umgebracht hat. Das kann man verstehen. Doch seine letzten Worte auf seinem Sterbebett waren deutsch.

Auf der Suche nach der letzen Ursache der Welt

Wie kaum ein anderer Mensch wollte Einstein die letzte Ursache unserer Welt entdecken. Deshalb arbeitete er bis zu seinem Tod 1955 an einer Formel, die alle Kräfte in unserer Welt (Gravitation , Magnetismus und Elektrizität) zusammenfaßt. Aber er fand trotz großer Mühe diese Formel nicht. Und doch war Einstein nicht konsequent. Denn die letzte Ursache unserer Welt ist Gott. Und Gott suchte er nicht.

Wie in einer Uhr alle Räder miteinander verbunden sind und sich nach einem sinnvollen Plan bewegen, so sind in unserer Welt alle Bewegungen sinnvoll miteinander verbunden. Dadurch ist Ordnung in unserer Welt, dadurch ist Leben in ihr möglich. Unsere Welt ist wie ein großes Uhrwerk. Und wie eine Uhr nicht von allein entstanden ist, sondern von einem klugen Menschen gebaut wurde, so muß auch unsere Welt, das große „Uhrwerk“, von einer ungeheuer klugen, allmächtigen Person gebaut worden sein: nämlich von Gott.

Unsere Welt ist ein Geheimnis

Zwar glauben viele Menschen, die Welt sei durch Entwicklung (Evolution) von allein entstanden. Aber würde jemand behaupten, eine Uhr habe sich selber zusammengesetzt, so würde man ihn nicht ernstnehmen. So kann man auch die Menschen, die Gott ablehnen, nicht ernstnehmen.

Einstein glaubte nicht an Gott. Aber er bewunderte den sinnvollen Aufbau unserer Welt. Er sagte: „Unsere Welt ist ein Geheimnis“. Er ahnte Gott.

Reinhold Schneider - ein christlicher Denker

In den dunklen Jahren der Nazi-Herrschaft wurde in Deutschland heimlich ein Gedicht weitergegeben, das so beginnt: „Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob[1] unseren Häuptern aufzuhalten…“. Es stammt von Reinhold Schneider. Er hat durch illegale Schriften im 3. Reich viele Menschen getröstet und gestärkt. Inmitten aller Zerstörung hat er zum Glauben an Christus und sein kommendes Reich aufgerufen.

Von Glaubensferne zu einer bewussten Entscheidung

Schneider wurde 1903 in Baden-Baden geboren. Er wurde katholisch erzogen, stand aber zunächst dem christlichen Glauben fern. Er war ein schwermütiger, komplizierter Mensch. Er litt unter der Not in der Welt. So zog ihn zunächst der Pessimismus Schopenhauers und anderer Philosophen an.

Ab 1928 war Schneider als freier Schriftsteller tätig. Er schrieb Aufsätze, Bücher, Gedichte und Dramen. Zunächst wohnte er in Potsdam. Ab 1938 bis zu seinem Tod lebte er in Freiburg. Geheiratet hat er nicht. Eine Jugendfreundin begleitete ihn als Lebensgefährtin.

Schneider machte häufig Reisen z.B. nach Portugal, Spanien, Italien, England. Dabei begegnete er in der Geschichte dieser Völker dem christlichen Glauben. Man kann sagen: Gott redete dadurch zu ihm und zog ihn zu sich. So wie Gott auch zu jedem von uns durch Erlebnisse, Bücher, Menschen, Ereignisse spricht und uns dadurch zu sich ziehen will. Jedenfalls entschied sich Schneider 1937 bewusst für den christlichen Glauben in der Form der katholischen Kirche.

Schneider fand in seinem Pessimismus einen festen Halt an Gott und seinen Ordnungen. Auch wenn das Böse in dieser Welt oft siegt, so wird doch einmal Christus alles Böse besiegen. Schneider erlebte, was der Kirchenvater Augustin so ausdrückt: „Du, Gott, hast uns zu dir hin geschaffen. Und unruhig ist unser Herz, bis es seine Ruhe in dir gefunden hat“.

Geschichte als „Gericht“

Schneider geht es in allen seinen Werken um die Frage: Haben Könige und Völker den Ruf Gottes zum Glauben und zum Leben in Gottes Ordnungen gehört oder nicht? Wo haben Herrscher auf möglichst gewaltlose Weise für Glauben, Frieden und Wohlergehen ihrer Völker gesorgt, und wo haben sie in Auflehnung gegen Gott mit Macht und Gewalt Kriege und Zerstörung herbeigeführt? Geschichte ist ein Kampf zwischen Gott und Satan (Augustin). Von daher schrieb Schneider seine Bücher z.B. über Philipp II. von Spanien, die Hohenzollern und Elisabeth von England.

Schneiders literarisches wie kulturphilosophisches Werk ist von christlich-humanistischer Tradition geprägt. Seine leidenschaftliche Formkraft wandte sich immer wieder der Geschichte zu, die er als Heils- und Unheilsgeschehen, als „Gericht“ begriff. Die tragische Auseinandersetzung zwischen Glauben und Unglauben, Gewissen und Macht, Staat und Kirche und der innere Kampf in der Seele der Täter sind die Themen seiner Erzählungen, Dramen und Abhandlungen. Traditionsbewusstsein verbindet sich bei Schneider mit einem unbestechlichen Blick für die geistig-politische Zeitproblematik.

Unter Hitler wurde Schneider mit einem Schreibverbot belegt. Aber in geheim gedruckten oder handgeschriebenen Gedichten und Erzählungen kritisierte er die Nazidiktatur. Mit Werner Bergengruen u. a. stand Schneider im Zentrum des katholischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. In der Erzählung „Las Casas vor Karl V.“ protestierte er verschlüsselt gegen die Judenverfolgung. Sein Gedicht „Der Antichrist“ meint Hitler.

1944 wurde Schneider wegen Hochverrats angeklagt. Mit knapper Not entging er infolge des baldigen Kriegsendes dem Tod. Nach 1945 bekam Schneider viele Ehrungen. Er starb 1958.

Sind Schneiders Fragen nicht auch heute sehr aktuell? Ist Machtgebrauch, etwa im Krieg, erlaubt oder nicht? Und wenn ja, wann? Und hat Schneider im Blick auf Hitler und andere nicht recht, wenn er mit der Bibel sagt: „Wenn Gott nicht das Haus baut, so arbeiten die Bauleute daran umsonst“ (Psalm 127,1)?

Annette von Droste-Hülshoff - eine große Dichterin

Meine Lieder werden bleiben,
wenn ich längst entschwand:
Mancher wird vor ihnen beben,
der gleich mir empfand.
Ob ein anderer sie gegeben,
oder meine Hand!
Sieh, die Lieder durften leben, aber ich entschwand.

Mit solchem Selbstbewusstsein schrieb eine Frau, die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff.


Annette von Droste-Hülshoff

Eine einsame Frau …

Geboren wurde sie 1797 in einer streng katholischen Adelsfamilie auf Schloss Hülshoff bei Münster in Westfalen. Trotz ihrer von ständigen Krankheiten gezeichneten Jugend erhielt sie eine umfassende Bildung. Arbeit im Haushalt, Tanz und andere Vergnügungen interessierten sie nicht. Stattdessen träumte sie lieber.

Sie war ein ernster, willensstarker und hilfsbereiter Mensch. Sie konnte aber auch humorvoll, witzig und ironisch sein und durch diese Eigenschaften eine ganze Gesellschaft unterhalten. Auch war sie sehr sensibel, fantasievoll und scharfsinnig. Aufgrund ihrer Eigenwilligkeit bereitete sie ihrer Familie oft Sorgen und manchen Ärger. Damals sollte eine junge Adlige möglichst früh heiraten und sich ausschließlich ihrer Familie widmen. Deshalb wollte ihre Familie, dass sie mit dem Dichten aufhört und spottete sogar gelegentlich über ihre Schriftstellerei. Die Dichterin musste auf ihre Familie Rücksicht nehmen, da sie ihr Geborgenheit und Schutz bot. Oft fühlte sie sich jedoch einsam und unverstanden. Der Erfolg ihrer Dichtkunst stellte sich erst spät ein.

In ihrem Gedicht "Am Turm" schreibt sie:

Wär ich ein Jäger auf freier Flur,
ein Stück nur von einem Soldaten,
wär ich ein Mann doch mindestens nur,
so würde der Himmel mir raten.
Nun muss ich sitzen so fein und klar,
gleich einem artigen Kinde,
und darf nur heimlich lösen mein Haar
und lassen es flattern im Winde!

… und ungewöhnliche Dichterin

1820 ging eine Liebesbeziehung der Dichterin mit einem Studenten auseinander. Sie litt sehr darunter, dass ihre Familie die Heirat verhinderte. Seitdem lebte sie einsam und zurückgezogen in Westfalen. Diese Landschaft mit ihren bewaldeten Hügeln und Wiesentälern prägte ihre Dichtkunst ganz nachhaltig. Sie hatte Verbindung zu einigen klugen Männern und Frauen, die ihre Begabung erkannten und sie zum Dichten ermutigten. Ihre Lyrik ist geprägt durch realistische Wiedergabe der Wirklichkeit und eine außergewöhnliche Bildersprache. Ethische und religiöse Werte spielen in vielen ihrer Gedichte eine wesentliche Rolle. Außerdem beschreibt sie gern das Unheimliche und Spukhafte der Heide-und Moorlandschaft ihrer westfälischen Heimat.

Ihr Gedicht "Der Knabe im Moor" beginnt:

O, schaurig ist`s, übers Moor zu gehn,
wenn es wimmelt vom Heiderauche,
sich wie Phantome die Dünste drehn
und die Ranke häkelt am Strauche.

In zahlreichen Gedichten spricht die Dichterin vom Sterben. Sie hat Mitleid mit dem Leiden anderer und trauert über das Älterwerden und die Vergänglichkeit der Dinge.

Sie fürchtet, Gott würde sie wegen ihrer Fehler verurteilen. Darüber zerbricht fast ihr Glaube an einen gütigen Gott. Trotz aller inneren Zerrissenheit lernt sie auch, Gott in persönlicher Not zu vertrauen:

Das ist mein Trost in allen Leiden:
dass nichts mich kann von Jesus scheiden,
von seiner Liebe keine Macht.

Seit dem Jahr 1841 lebt die Dichterin meist bei Schwester und Schwager auf der Meersburg am Bodensee in Süddeutschland. Dort stirbt sie 1848 nach langer Krankheit.

Bekannt wurde Annette v.Droste-Hülshoff vor allem durch die Erzählung „Die Judenbuche“, eine packende Kriminalnovelle, die in viele Sprachen übersetzt wurde und durch ihre Naturlyrik. Ihr dichterisches Selbstverständnis hat die Autorin einmal so formuliert: „Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach hundert Jahren möchte ich gelesen werden.“ - Dies hat die Dichterin zweifellos erreicht!

Wilhelm Conrad Röntgen - Der Entdecker der Röntgenstrahlen

Viele der großen Erfindungen und Entdeckungen gehen auf zufällige Beobachtungen zurück. In gewisser Weise gilt dies auch für die Entdeckung der Röntgenstrahlen.

Im Jahr 1895 beschäftigte sich der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen (1845 -1923) mit den so genannten Kathodenstrahlen, und zwar nicht aufgrund einer konkreten Hypothese, sondern weil er der Meinung war, dass verschiedene Phänomene noch nicht erforscht wären. Röntgens Apparatur bestand aus einer Vakuumröhre mit zwei Elektroden, an denen sich elektrische Spannung in Form von Kathodenstrahlung entlud. Um die Entladung besser beobachten zu können, umhüllte er die Röhre mit schwarzem Karton, setzte ein kleines Aluminiumfenster ein und führte den Versuch in einem verdunkelten Raum durch. Am 8. November 1895 testete Röntgen die Versuchsanordnung auf ihre Funktion. Obwohl die Röhre umkleidet war und eigentlich keine Strahlen austreten konnten, leuchtete ein zufällig auf einem Labortisch liegendes Plättchen, das mit einer chemischen Substanz bestrichen war, zeitgleich mit den Entladungen der Röhre.

Röntgen ging diesem Phänomen nach. Es war typisch für seine Arbeitsweise, dass er scheinbar unbedeutende Phänomene mit Exaktheit und Gründlichkeit weiter verfolgte, um deren Ursachen zu erforschen. Schnell fand er heraus, dass die Ursache dieses Leuchtens tatsächlich von der verkleideten Röhre ausging und die Strahlen durch den Karton gegangen waren. Später sagte er: „Ich fand ganz zufällig, dass die Strahlen schwarzes Papier durchdringen. Danach nahm ich Holz und Schulhefte, aber zunächst glaubte ich, das Opfer einer Täuschung zu sein. Dann nahm ich die Fotografie zu Hilfe, und der Versuch gelang.“ Röntgen erkannte, dass Kathodenstrahlen die feste Materie durchdringen und Fotoplatten dunkel färben können.

Zunächst behielt Röntgen seine Vermutungen für sich. Seine Mitarbeiter erfuhren erst davon, als überzeugende und sichere Ergebnisse seiner Entdeckung vorlagen. In nur sieben Wochen hatte Röntgen das Phänomen genügend erforscht. Er nannte diese neue Strahlenart „X-Strahlen“, da er nichts über die Natur dieser Strahlen wusste. Es dauerte jedoch nicht lange, bis die X-Strahlen nach ihrem Entdecker in „Röntgenstrahlen“ umbenannt wurden.

Für die größte Überraschung in der Öffentlichkeit sorgte die erste Röntgenaufnahme einer menschlichen Hand. Röntgen hatte im Dezember 1895 seine eigene Hand durchleuchtet und fotografiert und die Aufnahme in einer Publikation abgedruckt. Das Röntgenfoto der durchleuchteten Hand demonstrierte den Wert der Entdeckung für die Medizin.

Bereits fünf Jahre später standen in vielen Kliniken die neuen Röntgengeräte. Diese Erfindung war ein Meilenstein für die moderne Medizin.

Auch auf vielen anderen Gebieten ist heute wissenschaftliche Arbeit ohne Röntgenstrahlen nicht mehr denkbar, z.B. in der Archäologie, in der Kunstgeschichte, in der Kriminalistik bei der Aufklärung von Verbrechen - um nur einige zu nennen.

Übrigens, man muss kein Musterschüler sein, um ein berühmter Forscher zu werden! Röntgen hatte als Gymnasiast ausgerechnet im Fach Physik die schlechtesten Noten. Auch durfte er das Abitur nicht ablegen, da er die Schule wegen Beleidigung eines Lehrers vorzeitig verlassen musste. Ohne Abitur wurde er aber nicht zu einem ordentlichen Studium zugelassen. Er konnte sich nur als Gasthörer immatrikulieren lassen. Schließlich ging er zwei Jahre später in die Schweiz an das Polytechnikum Zürich, wo man nach einer Aufnahmeprüfung auch ohne Abitur studieren konnte. Nach seiner Promotion und Habilitation in Straßburg lehrte er als Professor an den Universitäten in Gießen, Würzburg und München. Im Jahr 1901 wurde er für seine Entdeckung mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Er war der erste Träger dieses Preises weltweit.

Nikolaus Kopernikus - Begründer eines neuen Weltbildes

Lieber Astronom als Theologe

Wir sehen, wie täglich die Sonne am Himmel von Osten nach Westen läuft. In Wirklichkeit läuft jedoch nicht die Sonne um die Erde, sondern die Erde um die Sonne. Das hat Nikolaus Kopernikus entdeckt - mit weitreichenden Folgen. Kopernikus wurde 1473 in Thorn (heute polnisch Torun) an der Weichsel als Sohn deutschstämmiger Einwanderer geboren (seine Muttersprache war Deutsch). Sein Vater war ein wohlhabender Kaufmann. Beide Eltern starben früh.

Nikolaus’ Onkel Lukas Watzelrode nahm sich des verwaisten Jungen an. Er war Bischof des Ermlandes mit Sitz in Frauenburg an der Ostsee (heute polnisch Frombork). Nikolaus studierte in Krakau Theologie, um Geistlicher zu werden. Aber er interessierte sich mehr für Mathematik und die Bewegungen der Gestirne. So sollte er wenigstens kirchlicher Verwaltungsbeamter werden. Dafür ging er zum Studium des Kirchenrechts aber auch der Astronomie an einige italienische Universitäten. In Bologna bezeichnete er sich als "Angehöriger der deutschen Nation ". Er wurde ein umfassend gebildeter humanistischer Gelehrter.

1503 kehrte Kopernikus in seine Heimat zurück. Sein Onkel hatte ihm inzwischen die gut

bezahlte Stelle eines Domherrn, eines Kanonikus, am Frauenburger Dom verschafft. Die vornehmen Domherren waren in der kirchlichen Verwaltung tätig. Sie konnten, mussten aber nicht, Priester sein. Doch mussten sie ehelos bleiben, durften aber ein weltliches Leben führen mit allen Bequemlichkeiten.

Kopernikus war ein gewandter Weltmann. Glaubensfragen (damals trat Luther auf) interessierten ihn nicht. Als Domherr hatte er, neben anderen Aufgaben, mit den Finanzen des Bistums und der Verwaltung seiner Ländereien zu tun. Größtenteils lebte er in Frauenburg.

Die Entdeckung der Erdbewegung

Seit dem Altertum glaubte man an einen geordneten Aufbau der Welt: Mittelpunkt des Weltalls ist die Erde mit den Menschen. Auf ihr hat Gott die Menschen erschaffen und erlöst. Um die Erde bewegen sich auf Kreisbahnen Sonne, Mond und die Planeten (Venus, Jupiter usw.) sowie das Himmelsgewölbe mit den daran angehefteten Fixsternen.

Kopernikus hatte noch kein Fernrohr. Aber er wusste aus der Beobachtung des Himmels um Unregelmäßigkeiten in den Bewegungen der Planeten. Diese laufen z. B. nicht immer auf einer Kreisbahn, sondern schleifenförmig, und auch nicht immer mit der gleichen Geschwindigkeit (später hat Kepler ihre Bahnen genau errechnet).

Aus diesen Unregelmäßigkeiten schloss Kopernikus nun, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt, und dass die Erde sich um sich selber dreht und nicht das Himmelsgewölbe um die Erde.

Das neue Weltbild

So hat Kopernikus das geozentrische durch das heliozentrische Weltbild ersetzt. Das heliozentrische Weltbild wird zu Kopernikus' Ehren auch das "Kopernikanische Weltbild" genannt.

Kopernikus wusste, dass viele Gelehrte, besonders aber die Kirche, sich dagegen stellen würden. Noch hundert Jahre später zwang die katholische Kirche Galileo Galilei zu der Aussage: "Die Erde bewegt sich nicht". Deshalb veröffentlichte er seine Entdeckung erst kurz vor seinem Tod 1543 in seinem Buch "Die Bewegungen der Himmelskörper".

Denn wenn die unbewegte Erde mit dem Menschen nicht mehr im Mittelpunkt des Weltalls steht, so ist der Mensch anscheinend unwichtig. Sein Dasein verliert seinen Sinn. Die letzte Konsequenz ist der moderne einsame, einem blinden Schicksal ausgelieferte Mensch ohne Gott.

Aber die Bibel weiß: Gott ist überall, auch auf dem fernsten, unscheinbarsten Himmelskörper. Wir sind immer in seiner guten Hand (Psalm 139,7f).

 

Friedrich II., der Große (1712-1786)

Seinen Beinamen "der Große" erhielt Friedrich II. nach dem zweiten Schlesischen Krieg, das war im Jahre 1745.
Nach dem Siebenjährigen Krieg, dem dritten, den er um die Provinz Schlesien führen mußte, nannte man ihn den »Alten Fritz«, obwohl er erst 51 Jahre alt war. Von Gicht und Sorgen gebeugt, kehrte er auf seinen Krückstock gestützt nach Berlin, genauer gesagt nach Potsdam zurück.
Friedrich II. wurde am 24. Januar 1712 in Berlin geboren, als Sohn Friedrich Wilhelms I., den die Geschichte den "Soldatenkönig" nennt. Seine Mutter, Sophie Dorothea, die Tochter des Kurfürsten von Hannover und Königs von England, war der musische Gegensatz zu dem sehr strengen Vater. Zu ihr fühlte sich das empfindsame Kind und später der junge Friedrich hingezogen. Von ihr fühlte er sich in seiner Liebe zur Musik und Dichtkunst ebenso verstanden wie von seiner älteren Schwester Wilhelmine. Obwohl in die Rolle des Kronprinzen hineingeboren, stieß ihn alles Soldatische ab. Als Achtzehnjähriger versuchte er einmal, die Armee heimlich zu verlassen, aber die Flucht mißlang. Er wurde auf die Festung Küstrin gebracht, und sein Helfershelfer, der Leutnant Hans Hermann von Katte, wurde vor seinen Augen im Hof der Festung enthauptet. Jetzt begriff Friedrich den eisernen Willen seines Vaters und beugte sich ihm, auch als ihm Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern zur Frau verordnet wurde. Dennoch begannen mit dieser Ehe die vier glücklichsten Jahre in Friedrichs Leben, auf Schloß Rheinsberg in der Mark Brandenburg, wo er auch begann, dem französischen Philosophen Voltaire zu schreiben. Später lud er ihn auch an seinen Hof ein. Friedrich sprach fließend Französisch, Deutsch nur wie ein Kutscher.

Was er im Jahre 1740 vorfand, als er nach dem Tod des Vaters König von Preußen wurde, waren zusammenhanglose Länder: Ostpreußen, Brandenburg und Besitzungen am Rhein. Der junge Mann hatte längst begriffen, daß mit diesem Preußen kein Staat zu machen war. Das wollte er ändern. Die Gelegenheit dazu fand sich, als in Wien plötzlich der deutsche Kaiser starb und dessen junge Tochter Maria Theresia Regentin der habsburgischen Erblande wurde. Friedrich nutzte diese Gelegenheit aus und fiel im Dezember des Jahres 1740 zum ersten mal mit seinem Heer in Schlesien ein und besetzte Breslau. Dies war kein ruhmreicher Feldzug. Ein zweiter und dritter folgten. Erst danach konnte sich Friedrich vollauf seinem ausgebluteten Land widmen. "Ich bin", wie er sich ausdrückte, "der erste Diener meines Staates." So hat er sein königliches Amt aufgefaßt und danach gehandelt.

"In meinem Staat kann jeder nach seiner Fasson selig werden!" Auch das galt. In Preußen fanden alle, die um des Glaubens Willen aus ihrer Heimat davonziehen mußten, ein neues Zuhause. Friedrich der II. gründete in Berlin die Akademie der Wissenschaften, führte die Schulpflicht und die Pressefreiheit ein. Er wollte in seinem Staat die Aufklärung, die geistige Unabhängigkeit seiner Untertanen ermöglichen, und soweit es ihm möglich war, hat er sie auch verwirklicht.

In seiner Außenpolitik verlor er niemals die Großmacht Preußen aus den Augen. Er hatte sie geschaffen und dafür mit der Einsamkeit im letzten Abschnitt seines Lebens bezahlt. Nur seine Hunde und sein Leibhusar waren in den letzten Lebenstagen bei ihm, wenn er sich auf die Terrasse seines Schlosses Sanssouci hinausgeleiten ließ. Dieses Schloß hatte er selbst entworfen, und der große Baumeister und Architekt Knobelsdorf hatte es ihm gebaut, auf einem brandenburgischen Sandhügel. Hier, auf der Terrasse von Sanssouci, wollte er auch begraben sein. Die Gruft dazu war vorbereitet. Aber es kam anders. Sein Nachfolger hielt sich nicht an das Testament, er ließ den Sarg in die Garnisonskirche von Potsdam bringen.

Die Zeitläufe seit dem Todestag Friedrichs II. am 17. August 1786 krempelten Deutschland um und brachten neue Grenzen. Und so kam es, daß der Sarg Friedrichs des Großen bis 1993 in der Kapelle der Hohenzollernburg in Hechingen/Württemberg stand. Das Geschlecht der Hohenzollern hatte seinen Anfang auf dem Hohenzollern genommen. Von dort sind sie ausgezogen über Nürnberg, Tangermünde nach Berlin und Potsdam. Hier auf dem Hohenzollern hat er heute nun wieder seine letzte Ruhestätte gefunden.

Johann Wolfgang von Goethe - Deutschlands größter Dichter


Johann Wolfgang von Goethe im 70. Lebensjahr (Bild: Wikipedia Commons - Stieler, Joseph Karl (1781–1858) - Public Domain )

Goethe war der berühmteste deutsche Dichter und einer der bekanntesten Dichter der Welt. Er hat größte und schönste dichterische Kunstwerke geschaffen und viele weise und richtige Erkenntnisse ausgesprochen.

Goethe war ein reichbegabter Mensch und lebenslang vom Glück begünstigt. Er wurde 1749 in Frankfurt am Main geboren und wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf. Sein Vater war ein gebildeter Mann, der sein Leben nach strengen Grundsätzen führte, ohne daß er einen richtigen Beruf gelernt hätte. Seine Mutter dagegen war eine frohe, heitere Frau mit viel Wärme, Phantasie und Humor. Beide Eigenschaften seiner Eltern hatte der Sohn geerbt.

In Leipzig und Straßburg studierte Goethe auf Wunsch seines Vaters Rechtswissenschaft. In seine Straßburger Zeit fällt seine Liebe zu der jungen Friederike Brion in Sesenheim im Elsaß. Goethe konnte alle seine Empfindungen - Liebe, Trauer, Schmerz - mühelos in Worte kleiden. So hat er auch aus seiner Beziehung zu Friederike die schönsten Liebesgedichte verfaßt.

Nach Abschluß seines Studiums war Goethe Rechtsanwalt in Frankfurt, aber ohne daß ihm seine Arbeit Spaß gemacht hätte. Er wäre viel lieber ein unabhängiger Schriftsteller gewesen. Aber dieser Beruf konnte ihn nicht ernähren.

Goethe hat in seinem Leben viele Frauen geliebt. Sie gaben ihm immer wieder Anlaß zu neuen Dichtungen. Aber geheiratet hat er zunächst keine von ihnen. Er wollte seine Freiheit, seine Unabhängigkeit behalten. Friederike und manche andere hat er unglücklich gemacht, als er sie verließ.

Sturm- und Drangzeit

Die jetzt folgenden Jahre bezeichnet man als "Sturm- und Drangzeit", in der man mehr das Gefühl betonte als den Verstand, wie in der vorhergegangenen Aufklärung. Goethe schrieb jetzt sein erstes Schauspiel, den leidenschaftlichen"Götz von Berlichingen", und einige Jahre später das Trauerspiel "Egmont". Aus seiner unglücklichen Liebe zur Verlobten eines Freundes heraus entstand der Roman "Die Leiden des jungen Werther", der Goethe weltberühmt machte. Manche jungen Männer mit unglücklicher Liebe nahmen sich aufgrund des Romans wie Werther das Leben.

1775 berief der junge Herzog Karl-August von Weimar Goethe als Minister an seine Residenz. Für den Dichter begann jetzt ein Leben strenger Pflichterfüllung im Dienst des kleinen Herzogtums. An Frau von Stein fand er in Weimar eine mütterliche Freundin. Es entstanden Erzählgedichte (= Balladen) wie "Der Erlkönig" und "Der Fischer". Aber erst die spätere Freundschaft mit dem Dichter Friedrich Schiller regte Goethes dichterische Schaffenskraft wieder neu und stark an .

Der abgeklärte Klassiker

Mit Goethes Reise nach Italien (1786-88) begann seine "klassische" Periode. Die Dramen dieser Jahre wie "Iphigenie" und "Torquato Tasso" betonen nicht mehr allein das Gefühl. Vielmehr soll das Gefühl vom Verstand gebändigt und veredelt werden. So soll sich der Mensch zu einem sittlich immer vollkommeneren Wesen entwickeln.

Nach seiner Rückkehr aus Italien nahm Goethe Christiane Vulpius, eine junge Frau, in sein Haus, die er 1806 schließlich heiratete. Sie gebar ihm mehrere Kinder, von denen aber nur sein Sohn August am Leben blieb.

Goethe wurde allmählich immer berühmter. Menschen aus vielen Ländern pilgerten nach Weimar und erwiesen ihm ihre Verehrung. Er aber zog sich immer mehr von den Menschen und ihren Meinungen zurück. Er baute sich seine eigene Welt der Schönheit und der idealen Formen auf. Er forschte in der Natur und beschäftigte sich mit ihren großen Grundgesetzen.

Als sich in Deutschland und Europa die Völker gegen Napoleons Fremdherrschaft erhoben, verbot er seinem Sohn, sich an dem Freiheitskampf zu beteiligen. Er verehrte Napoleon als großen Menschen, aber er verabscheute zugleich Krieg und Blutvergießen. Den neu aufkommenden nationalen und demokratischen Ideen stand er ablehnend gegenüber.

Lebensende

Auch noch im Alter ergriff Goethe immer wieder die Leidenschaft für schöne und geistvolle Frauen. Aus seiner Beziehung zu Marianne von Willemer entstand der "West-Östliche Diwan". Bis ins höchste Alter - er starb 1832 im Alter von fast 83 Jahren - war Goethe von einer erstaunlichen Schaffenskraft. Seine Lebenserinnerungen schrieb er auf in seinem Werk "Dichtung und Wahrheit". Kurz vor seinem Tod vollendete er den 2. Teil des Dramas "Faust", das zur Weltliteratur gehört. In der Person des Faust schildert er den Weg des suchenden Menschen aus der Verworrenheit des Lebens zur Erkenntnis seiner ewig-göttlichen Bestimmung: Arbeit für das Wohl der Menschheit, Dienst für die Gemeinschaft. Daraufhin wird Faust der Eingang in den "Himmel" zuteil mit den Worten: "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen".

Selbsterlösung

Goethe sah überall in der Welt eine göttliche Macht am Werk, besonders in bedeutsamen Menschen und in den Gesetzen der Natur. Vor Christus hatte er große Ehrfurcht. Jeder Mensch trägt Goethes Meinung nach einen göttlichen Funken in sich. Damit kann er sich aus eigener Kraft zu einem immer vollkommeneren Menschen entwickeln. Deshalb ist der Mensch in seinem Kern gut. Diese Sicht der Dinge kennzeichnet Goethe als Humanist.

Aber gerade heute sehen wir an dem vielen Schrecklichen in der Welt, wie unvollkommen und böse der Mensch ist und bleibt. Und wer ehrlich vor sich selber ist, muß vor dem vielen Schlechten in sich und seinen Gedanken erschrecken. Er muß erkennen, daß es eine Selbsterlösung, wie Goethe sie proklamierte, nicht geben kann.

Deshalb mußte Jesus als Gottessohn in unsere Welt kommen und für uns am Kreuz sterben. In ihm begegnen uns Gottes Liebe und sein Wille, uns zu erlösen. Wenn wir Jesus in unser Leben hineinnehmen, vergibt er uns unsere Schlechtigkeit, unsere Sünde, und macht uns bis in unser Inneres hinein zu neuen Menschen.

Heinrich Heine - Dichter und Kämpfer

1997 gedachten wir des 200. Geburtstags des deutschen Dichters Heinrich Heine (1797-1856). Heine ist im Ausland bekannter als in Deutschland; denn es gab Zeiten, in denen viele Deutsche Heine wegen seiner politischen Überzeugungen ablehnten, aber auch deshalb, weil er Jude war.

Ein Romantiker am Bankschalter

Heinrich Heine wurde 1797 in Düsseldorf am Rhein geboren. Dort war sein Vater Kaufmann. Heine liebte seine Eltern sehr.

Nach seiner Schulzeit lernte er bei einem reichen Onkel in Hamburg, der eine Bank besaß. Aber der Beruf des Bankkaufmanns gefiel ihm nicht. Viel lieber schrieb er Gedichte.

In Bonn und Göttingen studierte Heine dann Rechtswissenschaft. Er wollte später einmal einen Beruf im Dienst des Staates ausüben. Während des Studiums trat er vom jüdischen zum christlichen Glauben über und ließ sich taufen. Er tat das aber nur, weil er hoffte, als Christ eher eine Anstellung beim Staat zu bekommen, als wenn er Jude wäre.

Jedoch auch als Christ fand Heine in Deutschland beim Staat keine Anstellung. Das lag auch daran, weil er an den staatlichen Verhältnissen in Deutschland Kritik übte.

Ein großer Dichter

Einerseits war Heine ein Dichter. Er schrieb sehr schöne, schlichte Gedichte. Nicht wenige von ihnen wurden vertont und zu deutschen Volksliedern, z.B. "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…".

Damals war die Zeit der Romantik. Man betonte das Gefühl, die Phantasie. So handeln auch Heines Gedichte oft von Liebe und von schönen, edlen Gefühlen. Man sieht das zum Beispiel an folgendem Gedicht an ein Mädchen:

Du bist wie eine Blume,
so hold und schön und rein.
Ich schau dich an, und Wehmut
schleicht mir ins Herz hinein.

Mir ist, als ob ich die Hände
aufs Haupt dir legen sollt,
betend, daß Gott dich erhalte
so rein und schön und hold.

Ein Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit

Andrerseits war Heine jedoch auch ein Kämpfer für Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit und für Brot für alle Hungernden.

Damals hatten die Fürsten, der Adel und die reichen Fabrikanten viel mehr Besitz und sehr viel mehr politische Rechte als das gewöhnliche Volk. Heine griff die Aristokraten deshalb in seinen Schriften scharf an, z.B. in seinen Reisebeschreibungen. Er forderte gleiches Recht für alle Menschen. Manchmal übertrieb er auch dabei und wurde verletzend und ungerecht. Er verspottete in geistvoller und ironischer Weise alles Unnatürliche und Unechte im Zusammenleben der Menschen.

Die Kirchen unterstützten zu Heines Zeit oft den Adel und die Reichen. Sie kümmerten sich nicht darum, daß in den Städten Millionen von Fabrikarbeitern große Not litten. Viele Geistliche predigten so von Gott, als wenn Gott ein Freund der Reichen wäre; was aber nicht stimmt; denn Jesus war ein Freund der Armen und nicht der Reichen.

Deshalb griff Heine auch die Kirchen an. Er kritisierte und verspottete sogar Gott, so wie die Kirchen Gott predigten: als einen Freund der Reichen.

Deutschland wird Heine zu eng

Schließlich wurde Heine das Leben in Deutschland zu eng. Seine Schriften wurden zensiert oder verboten; ihm selbst drohte Verhaftung. Deshalb übersiedelte er 1831 nach Paris. In Frankreich herrschte damals mehr Freiheit als in Deutschland.

Hier bemühte sich Heine in seinen Schriften um eine Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland. Auch wenn er Deutschland manchmal fast haßte - insgeheim liebte er es zeitlebens. Das zeigt z. B. folgendes Gedicht:

Ich hatte einst ein schönes Vaterland.
Der Eichenbaum
wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft -
es war ein Traum.

Das küßte mich auch deutsch und sprach auf deutsch
(man glaubt es kaum,
wie gut es klang) das Wort: "Ich liebe dich" -
es war ein Traum.

Ein Leben in Paris

In Paris heiratete der Dichter Mathilde, eine junge Französin. Sie war ein einfaches Mädchen ohne besondere Bildung. So viele Liebschaften Heine vorher auch gehabt hatte - von jetzt an hing er treu und mit großer Liebe an seiner Frau. Heine lernte in Paris auch Karl Marx kennen und schätzen.

Heinrich Heine liebte und genoß das Leben. Er war selbstbewußt und auch etwas eitel. Er war nie sehr reich. Er hatte aber durch seine Bücher und seinen Onkel in Hamburg immer genug Geld zum Leben.

Von schwerer Krankheit gezeichnet

Doch etwa von Heines 35. Lebensjahr an zeigte sich bei ihm eine schwere Krankheit, eine Rückenmarktuberkulose. Dadurch wurde sein Körper immer mehr gelähmt. Seine letzten Lebensjahre mußte er völlig bewegungsunfähig im Bett liegen, in seiner "Matratzengruft". Er war fast blind und litt oft große Schmerzen. Aber sein Geist war bis zu seinem Tod wach und lebendig.

Zwar hielt es Heine sein Leben lang für richtig, für Demokratie und Menschenrechte zu kämpfen. Aber am Ende seines Lebens zweifelte er häufig an einem Fortschritt in der Menschheit. Und sehen wir nicht heute, wie recht er hatte? Durch die große Freiheit, die die Menschen bis heute überall in der Welt gewonnen haben, werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Drogenmißbrauch und Anarchie nehmen immer mehr zu. Der Mensch kann eben nicht aus eigener Kraft sich und die Menschheit glücklich machen. Dazu braucht er Gott.

Rückkehr zu Gott

So kehrte auch Heine in seinen letzten Lebensjahren zu Gott zurück. Er sagte: "Ich bin aus dem Unglauben zu Gott zurückgekommen. Ich glaube jetzt an einen persönlichen Gott, der gütig, weise und gerecht ist. Ich weiß: wenn ich sterbe, haben meine Leiden ein Ende. Ich gehe dann zu Gott, der mir viel Freude schenken wird."

Am Ende seines Lebens ließ Heine sich viel aus der Bibel vorlesen und aus den Büchern eines frommen deutschen Theologen. Von Zeitungen wollte er nichts mehr wissen. Er starb im Frieden mit Gott. In Paris liegt er begraben

Robert Koch - Kämpfer gegen Bazillen und Bakterien

Was vielen Wissenschaftlern und Medizinern mit all ihren Instituten und Laboren nicht gelang, fand ein kleiner, armer Landarzt aus Posen. Er konnte nachweisen, daß bestimmte Krankheiten von ganz bestimmten Erregern hervorgerufen werden. Er fand diese Erreger, züchtete sie in seinem Labor und erarbeitete Methoden, sie zu bekämpfen. Er legte den Grundstein zur Volksgesundheit durch Hygiene und zur Desinfektion und Sterilisation in der Medizin.

Ein preußischer Landarzt

Geboren wurde Robert Koch am 11. Dezember 1843 in Clausthal im Harz als das dritte von 13 Kindern. Sein Vater war im Bergbau beschäftigt. Robert Koch machte das Abitur und studierte anschließend zuerst Mathematik, dann Medizin in Göttingen. Sein Leitspruch schon in dieser Zeit lautete: "Niemals müßig!" 1866 wurde Robert Koch Assistenzarzt in Hamburg. Dort starben zu dieser Zeit viele Menschen an Cholera. 1870/71 ging er als ziviler Kriegsarzt an die Front. Anschließend wurde er Arzt in der Nähe von Posen und heiratete.

Beginn eines Forscherlebens

Zu dieser Zeit wütete der Milzbrand unter den Viehherden in ganz Europa, und viele Tiere starben daran. Dieser Krankheit wollte Robert Koch auf den Grund gehen. Er sparte viel Geld für ein Mikroskop und untersuchte damit gestorbene Tiere. Dabei fand er Millionen von Milzbrandbazillen, die in langen Ketten oder zusammengeballt den ganzen Körper des Tieres verstopften. Auch nach jahrelanger Ruhe waren die Sporen dieses Bazillus fähig, neue Milzbrandbazillen zu entwickeln. 1876 veröffentlichte Koch seine Forschungsergebnisse an der Universität in Breslau. Weil man nun wußte, was diese Bazillen zum Leben nötig haben, war man fähig, sie erfolgreich zu bekämpfen. Die größte Entdeckung auf dem Gebiet der Bakterien war geglückt.

Eine neue Wissenschaft: Bakteriologie

Seine Erfolge führten Robert Koch dazu, weitere Forschungen im Bereich der Wundinfektionen zu betreiben. Denn oft starben Menschen, wenn sie operiert wurden. Es gelang Koch, die verschiedenen Bakterien mit unterschiedlichen Farben einzufärben, damit sie überhaupt sichtbar wurden. Dadurch entdeckte er, daß das Operationsbesteck oft nicht keimfrei war und so Menschen bei der Operation mit Bakterien in Berührung kamen.

Als Regierungsrat am Kaiserlichen Gesundheitsamt hatte Robert Koch die Möglichkeit, zusammen mit vielen Assistenten weitere Untersuchungen durchzuführen. Dabei gelang es ihm 1882, den Tuberkelbazillus nachzuweisen. Dies war der Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Laufbahn. Auch die Erreger von Diphtherie und Typhus wurden von seinen Assistenten erforscht. Expeditionen führten ihn durch die ganze Welt. In Indien fand er den Cholerabazillus und bekämpfte ihn durch die Reinhaltung des Trinkwassers. Durch die Entdeckung der Lebensweise der Bakterien und Kochs Methoden ihrer Erforschung, schaffte er die Voraussetzungen für die medizinische Wissenschaft, allen bis dahin unerklärlichen und kaum zu behandelnden oder zu verhütenden Infektionskrankheiten wirksam und immer wirksamer zu begegnen.

1891 wurde er Direktor des Institutes für Infektionskrankheiten, das für ihn errichtet worden war und später den Namen Robert-Koch-Institut erhielt. Sein Ruhm ging durch die ganze Welt. 1905 wurde ihm der Nobelpreis für Medizin verliehen. Koch starb am 27. Mai 1910 in Baden-Baden.

Daimler und Benz bauen das Auto

Ein Wagen ohne Pferde

Von Daimler 1885 erfundener Reitwagen
Deutschland ist ein Autoland. Bei 80 Millionen Einwohnern gibt es in Deutschland 50 Millionen Autos. Ein dichtes Netz gut ausgebauter Bundesstraßen und "Autobahnen" überzieht das Land. Man nennt das Auto auch des Deutschen "liebstes Spielzeug". Das ist sicher kein Wunder, denn das Auto wurde in Deutschland erfunden. Schon immer hatten die Menschen von einem Fahrzeug geträumt, das "selbst fährt", also von einem "auto-mobil" (autos griechisch "selbst", mobilis lateinisch "beweglich"), von einem Fahrzeug also, das nicht von Menschen oder Tieren gezogen oder vom Wind angetrieben wird.
Durch die Erfindung der Dampfmaschine waren solche selbstfahrenden Fahrzeuge möglich geworden. Hier wird der Druck erhitzten Wasserdampfes in Energie zum Antreiben eines Fahrzeugs umgewandelt. So entstanden im 19. Jahrhundert überall in Europa und den USA mit Dampfkraft betriebene Eisenbahnen. Aber es gab auch vereinzelt durch Dampfkraft bewegte Omnibusse, Schiffe und Kutschen.

Der Explosionsmotor

Ein mit Dampf betriebener Motor ist jedoch groß und schwer. Außerdem wird in ihm kaum ein Zehntel der in der Kohle als Brennstoff enthaltenen Wärmemenge in verfügbare Energie umgewandelt. Man mußte also immer große Kohlevorräte auf Fahrten mitnehmen.

So suchte man im 19. Jahrhundert einen kleinen, leicht zu bedienenden Motor für kleinere Fahrzeuge, der aus seinem Treibstoff möglichst viel Energie gewann. Auch die vielen damals entstehenden kleinen Industriebetriebe und auch die Landwirtschaft verlangten nach solch einem Motor.

Gottlieb Daimler und Karl Benz
Es ist erstaunlich, daß zwei Männer gleichzeitig, aber völlig unabhängig voneinander, solch einen Motor entwickelten: die beiden Deutschen Gottlieb Daimler (1834-1900) und Karl Friedrich Benz (1844-1929). Sie arbeiteten nur hundert Kilometer voneinander entfernt: Daimler in Stuttgart und Benz in Mannheim, beides im Südwesten Deutschlands im heutigen Bundesland Baden-Württemberg gelegen. Dennoch haben sie nie ein Wort miteinander gewechselt, auch nicht schriftlich.
Beide entwickelten einen sogenannten Verbrennungs- oder Explosionsmotor: Durch die Zündung kleinster Mengen von Benzin in einem Zylinder mit Hilfe des Funkens einer Zündkerze entsteht ein kräftiger Explosionsstoß, der einen Kolben in Bewegung setzt. Wenn solche kleinen Explosionen ganz schnell aufeinander folgen, kann die dabei entstehende Energie ein Fahrzeug antreiben. Da dieser Vorgang in vier Stufen abläuft, nennt man diesen Motor auch Viertaktmotor.

Daimlers Weg zu einem neuen Motor

Gottlieb Daimler stammt aus Schorndorf bei Stuttgart. Zunächst leitete er mit dem Erfinder Nikolaus August Otto (1832-1891) eine Maschinenfabrik in Köln. Otto hatte bereits einen Explosionsmotor konstruiert (Der heutige Otto-Motor ist also nach ihm benannt). Aber dieser von Otto gebaute Motor war noch zu groß und zu schwer, um ihn in Fahrzeuge einbauen zu können. Außerdem bezog er seine Energie aus der fortlaufenden Explosion kleinster Gasmengen. Gas gab es damals aber nur in größeren Städten.

Deshalb entwickelte Daimler in Stuttgart Ottos Erfindung weiter zu einem kleinen, leichten Motor, den man in Fahrzeuge einbauen konnte. Als Treibstoff wählte er Benzin (Petroleum), das relativ sparsam im Verbrauch war, womit man deshalb auch über größere Entfernungen fahren konnte.

Es war für Daimler ein mühsamer Weg. Immer wieder explodierte bei seinen Versuchen das Benzin zu früh im Zylinder des Motors. Das war für Daimler nicht nur gefährlich. Sondern das ließ ihn auch manchmal fast daran verzweifeln, jemals einen Motor zu entwickeln, der im richtigen Augenblick von selber zündete.

Endlich, im Jahre 1885, hatte Daimler es geschafft. Er hatte den ersten Motor erfunden, den man gut in alle Fahrzeuge einbauen konnte und der problemlos lief.

So wurde sehr bald Daimlers Motor in vielen Ländern zum Antrieb von Autos, Schiffen, Schlitten und Fahrrädern verwendet. Daimlers erstes Fahrzeug 1885 mit seinem neuen Motor war ein sogenannter "Reit-Wagen", eine Art Motorrad. Es hatte 0,5 PS (Pferdestärken) und erreichte eine Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde.

Benz konstruiert das erste Auto

Motorwagen von Benz (1886)
Karl Friedrich Benz, geboren in Karlsruhe, wollte nicht nur, wie Daimler, einen neuen Motor für die verschiedensten Fahrzeuge entwickeln. Sondern er hatte von vornherein den Bau des gesamten Autos im Blick.
Auch Benz war ein begabter und zäher Erfinder. In seiner Werkstatt in Mannheim machte auch er aus dem von Otto entwickelten Explosionsmotor einen brauchbaren Automotor. In manchem war sein Motor Daimlers Motor überlegen.

Gleichzeitig konstruierte er die anderen Teile, ohne die ein Auto nicht fahren kann: die Zündung des Benzins durch einen starken elektrischen Funken, die Kühlung des Motors durch Wasser, die Kupplung, die Lenkung und anderes.

1886 war sein "Auto" fertig. Es hatte die Form einer Kutsche auf drei Rädern, besaß 0,9 PS und machte viel Lärm und Gestank - wie alle frühen Autos. Bald baute Benz seine Autos dann auch mit vier Rädern.

Dies erste "Auto" von Benz aus dem Jahr 1886 ist die Urform des Autos. Es war zum ersten Mal ein Auto, das ohne alle Schwierigkeiten fuhr. Seine grundsätzlichen Bestandteile werden heute in allen Autos der Welt verwendet.

Der Siegeszug des Autos

Die ersten Autos hatten die Form einer Pferdekutsche mit eingebautem Motor (Man mißt ja bis heute die Kraft eines Motors in "Pferdestärken" = PS).


Daimler mit Sohn auf seinem Motorenwagen
Auch Daimler baute bald solche "Motorkutschen". Diese Autos der ersten Jahre hatten nicht mehr als etwa zwei bis drei PS und erreichten Geschwindigkeiten von höchstens 15 bis 20 Kilometern pro Stunde. Sie wurden alle in Handarbeit hergestellt. Sie waren sehr teuer, und nur Reiche konnten sich deshalb ein Auto leisten. Trotzdem wollten immer mehr Menschen solch ein neues Fahrzeug haben. Aus den Werkstätten von Benz in Mannheim und Daimler in Stuttgart entwickelten sich im Laufe der Zeit große Autofabriken.
Einmal unternahm die Frau von Benz mit ihren beiden Jungen auf einer Motorkutsche ihres Mannes sogar eine viel beachtete Werbefahrt von Mannheim nach Pforzheim (Entfernung 70 km). Vielleicht war sie die erste Frau am Steuer! Sie mußte dabei sogar unterwegs ihr Strumpfband als Material zum Isolieren opfern. Ihr Mann hatte von dieser Fahrt gar nichts gewußt.

Auch in anderen Ländern, z.B. in Frankreich, England und Italien, begann man bald, Autos herzustellen. Die Motorkutschen erhielten ein Dach, die Karosserie entstand. Immer mehr entwickelte sich das Auto zu seiner heutigen Form.

Sehr bald begann man auch, Autorennen durchzuführen. Auch dadurch wurde das Auto immer populärer. Heute ist das Auto in vielen Ländern ein Massenverkehrmittel.

Der Mercedes-Wagen

Rennfahrer am Start
Ein Autohändler in Frankreich gab eines Tages den deutschen Daimler-Autos nach seiner kleinen Tochter den Namen "Mercedes". Seitdem tragen die aus Stuttgart kommenden Daimler-Autos diesen Namen. Ihr Zeichen ist ein Stern mit drei Strahlen umgeben von einem Kreis.
1926 wurden die beiden Autofabriken von Daimler und Benz, die beiden ältesten Autofabriken der Welt, zu einer großen Fabrik in Stuttgart vereinigt. Sie trägt den Namen "Mercedes-Benz". Sie liefert heute gut ausgestattete Autos in alle Teile der Welt. Nach dem Zusammenschluß mit dem amerikanischen Konzern Chrysler wird der Namen Benz nicht mehr erscheinen. Die neue Firma heiß dann "Daimler-Chrysler".

Das Auto - heute ein Problem?

Mit dem Auto hat sich der Traum der Menschen von einem selbstfahrenden Fahrzeug verwirklicht. Mit dem Auto kann man zu jeder Zeit überall hinkommen. Man ist damit in gewisser Weise unabhängig von Zeit und Raum.

Doch dieses ideale Verkehrsmittel schafft heute durch seine Belastung der Umwelt große Probleme. Deshalb möchten manche Menschen am liebsten das Auto wieder abschaffen oder seinen Gebrauch stark einschränken.

Aber ohne Auto kann man sich das Leben der Menschen nirgendwo mehr vorstellen. Deshalb wird es das Auto in irgendeiner Form immer geben. Nur wird man sich immer mehr darum bemühen müssen, Autos zu konstruieren und zu bauen, die die Umwelt möglichst wenig belasten.

Gott sagt in der Bibel zu uns Menschen: "Nehmt die Erde in Besitz" (1. Mose 1,28). Mit dem Auto erfüllt der Mensch ein Stück dieses Auftrags. Aber Gott sagt ebenso: Wir sollen die Erde bewahren, sie vor Schaden schützen und als Gottes gute Schöpfung erhalten (1.Mose 2,15). Und an der dringenden Lösung dieses Problems muß der Mensch mit großen Anstrengungen arbeiten.

Thomas Mann - Bürger und Künstler

Thomas Mann zählt zu den bedeutendsten Erzählern deutscher Sprache im 20. Jahrhundert, aber er hasste die Deutschen, weil sie Hitler an die Macht gebracht und ihn in das Exil in die USA getrieben hatten, wo er von 1939 bis 1952 lebte. Gleichzeitig fühlte er sich immer als Deutscher. Er war hier aufgewachsen. Er liebte Deutschland und seine Kultur.

Bürger …


Thomas Mann

Thomas Mann wurde in der alten Handelsstadt Lübeck an der Ostsee 1875 geboren. Er kam aus einer vornehmen Familie. Sein Vater war Großkaufmann und Ratsherrn..

So hat Thomas Mann sich immer als Bürger gefühlt. Bürger sein bedeutete für ihn: Gesund im Leben stehen, vernünftig handeln, fleißig sein und Geld verdienen, ein natürlicher Mensch sein mit Wärme und Humor, ethische Grundsätze haben, sich für Menschlichkeit und Demokratie einsetzen.

Das alles war Thomas Mann. Er war verheiratet, liebte seine Frau, mit der er sechs Kinder hatte; er war ein fleißiger Schriftsteller, der gut verdiente und vornehm lebte; er setzte sich für Vernunft und Menschlichkeit ein. Im Krieg hielt er von den USA aus für die Deutschen Ansprachen gegen Hitler.

… und Künstler
Gleichzeitig aber, so meinte Thomas Mann, erlebt besonders der künstlerisch veranlagte Mensch häufig etwas Besonderes, Außerordentliches, zum Beispiel eine große Liebe. Nur dann kann ein Künstler ein großes Kunstwerk schaffen. Dabei durchbricht der Mensch aber die bürgerlichen Ordnungen (z.B. wenn er in eine fremde Ehe eindringt). Er ist zwar glücklich dabei, er kann dadurch große Kunstwerke hervorbringen. Aber er zerstört dabei auch oft sich selbst.

Im Gegensatz zum gesunden Bürger ist deshalb der Künstler zwar ein sensibler, genialer, aber zugleich ein kranker Mensch, ein Einsamer. Er ist „ein Bruder des Verbrechers und Verrückten“.

Thomas Mann blieb zwar in den Ordnungen des Bürgertums. Sie gaben ihm Sicherheit und schenkten ihm Freude am Leben. Aber er empfand auch immer die Gefahren des Künstlers, z.B. die Gefahr der Homosexualität.

In vielen seiner Erzählungen und Romane schildert Thomas Mann den außergewöhnlichen Menschen, den „Künstler“. Sein erstes großes Buch Die Buddenbrooks (1901) machte ihn berühmt. Es ist sein meistgelesenes und meistgeliebtes Buch. Er bekam dafür den Nobelpreis. Er erzählt darin den Verfall einer Lübecker Familie über vier Generationen (seiner eigenen) vom gesunden, erfolgreichen Kaufmann zum sensiblen, schwachen Künstler.

In seinem Roman Der Zauberberg (1924) sieht er die ganze europäische Kultur vom Verfall bedroht. In Josef und seine Brüder (1926-1942) ist Josef zwar auch ein genialer Einzelner, der aber neue, rettende Ordnungen schafft. Im Dr. Faustus (1947) endet der große Künstler im Wahnsinn.

Viele Personen in den Romanen Thomas Manns gehen äußerlich oder innerlich zugrunde; ebenso auch in seiner Familie Seine beiden Schwestern und zwei seiner Kinder starben durch Selbstmord, mehrere waren drogenabhängig und homosexuell.

Aus seinen Werken ist ersichtlich, dass Thomas Mann Gott nicht kannte. Wer sein Leben in die Hand Gottes gibt, muss nicht in den Gefahren des Lebens zugrunde gehen. Gott kann uns in allen Gefahren bewahren, wenn wir uns an ihm festhalten.

Thomas Mann ist der weltweit bekannteste moderne deutsche Schriftsteller. Er knüpft an die Erzähltechniken des 19. Jahrhunderts an, vor allem an den weit ausholenden Schreibstil L. Tolstois. Er schreibt ein vorbildliches Deutsch. Er erzählt interessant, immer mit etwas Spott und Ironie. Manns Romane, Erzählungen und Novellen spiegeln die vielschichtigen geistigen, kulturellen und gesellschaftlichen Befindlichkeiten des 20. Jahrhunderts in ihrem Wandel, zum Teil in direktem zeitgeschichtlichem Bezug, zum Teil historisch eingekleidet.

Seine Bücher sind in etwa 10 Millionen Exemplaren weltweit verbreitet. Auch sein Bruder Heinrich, politisch links stehend, ist ein bekannter Schriftsteller. Die meisten Mitglieder der Familie Mann waren Schriftsteller.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Thomas Mann in der Schweiz. Dort starb er 1955.

Immanuel Kant - ein großer Philosoph


Als die russischen Truppen 1945 Königsberg (heute Kaliningrad) in Ostpreußen erstreckt eroberten, beschützten sie das Grabmal des Philosophen Kant. Vor zweihundert Jahren starb er. Kant war vielleicht der größte Philosoph der Neuzeit.
Geboren wurde Immanuel Kant 1724 in Königsberg. Er wuchs in einem frommen Elternhaus auf. Sein Vater war ein einfacher Handwerker. Mit 46 Jahren wurde Kant Professor für Metaphysik an der Königsberger Universität.

Ein gründlicher Denker

Kant war ein gründlicher Denker, und deshalb fragte er: Was können wir von den Dingen um uns herum erkennen und wie können wir das? Er entdeckte: Erkenntnis kommt dadurch zustande, dass wir die zusammenhanglosen Dinge der Außenwelt durch unseren menschlichen Geist ordnen, verständlich machen. Zum Beispiel mit Hilfe von Raum und Zeit und Ursache und Wirkung. Das beschreibt Kant in seiner Schrift „Kritik der reinen Vernunft".

Kant sagt damit: Der Mensch kann mit seinem Geist, seiner Vernunft nicht alles. Er ist abhängig von den Dingen der Außenwelt. Aber die Außenwelt, die Materie, beherrscht auch nicht den Menschen. Der Mensch kann sie durch seinen Geist ordnen, in den Griff kriegen.

Auf diese Weise versöhnte Kant Idealismus und Materialismus. Er überwand damit die Aufklärung des 18. Jahrhunderts und wirkte dadurch mit an der Entstehung der deutschen Klassik.

Gott, nur ein „höchstes Wesen"?

In seiner Schrift „Kritik der praktischen Vernunft" sagt Kant: Gott kann der Mensch allerdings nicht erkennen, weder in der Natur noch in der Geschichte, denn er kann Gott ja nicht sehen. Trotzdem muss es Gott geben, denn jeder Mensch weiß um Gut und Böse. Es muss jemanden geben, der das Böse einmal bestraft und das Gute belohnt. Das ist Gott. Darum muss der Mensch auch Unsterblichkeit besitzen.

Kant forderte zwar Ehrfurcht vor Gott und der Bibel, aber Gott war für ihn nur der Schöpfer der Welt. Mit dem Alltagsleben hat Gott kaum etwas zu tun. Jesus als den Versöhner mit Gott kannte Kant nicht. So hatte Kant nur eine schwache, undeutliche Vorstellung von Gott. Religion war für ihn hauptsächlich Moral. Mit seinem „Kategorischen Imperativ" lehrte Kant eine strenge Ethik.

Aber Gott ist nicht nur eine Forderung der Moral. Er ist vielmehr eine lebendige Person. Schon am wunderbaren Aufbau der Natur erkennen wir Gottes Größe und Lebendigkeit. Und wer an Gott glaubt, spürt immer wieder, wie Gott mit ihm redet, auf seine Gebete antwortet, in seinem Leben handelt.

Kants Wirkung ist bis heute ungeheuer groß, direkt und indirekt, positiv aber auch negativ. In Deutschland spricht man wenig von Gott als einer lebendigen, erfahrbaren Person, auch nicht in der Theologie. Für viele ist Gott nur ein bloßer Gedanke, ein unbestimmtes „höchstes Wesen". Dies liegt mit an Kant.

Ein ruhiges Leben

Kant liebte die Ordnung. Er stand täglich um fünf Uhr morgens auf. Wenn ein Schreibgerät oder eine Schere nur etwas von ihrem Platz verschoben waren oder wenn ein Stuhl nicht an seinem gewohnten Platz stand, wurde er unruhig und verzweifelt. Nach seinem Spaziergang immer zur gleichen Zeit stellten seine Nachbarn ihre Uhren. Königsberg hat Kant selten verlassen, Ostpreußen nie.

Kant war nicht verheiratet. Er meinte, unverheiratete Männer bleiben länger jung, „vielleicht, weil sie kein (Ehe-) Joch tragen müssen". Aber trotz seiner pedantischen Art war Kant ein froher Mensch. Er liebte heitere Gespräche im Kreis seiner Freunde und scherzte gern. 1804 starb er. Seine letzten Worte waren: „Es ist gut".

Bonhoeffer - Theologe und Widerstandskämpfer

Viele Menschen weltweit kennen den Namen Bonhoeffer. Er starb vor 60 Jahren im Kampf gegen das Hitler-Regime.

Dietrich Bonhoeffer hätte ein schönes Leben führen können. 1906 wurde er in einer vornehmen bürgerlichen Familie in Breslau geboren. Sein Vater war ein bekannter Professor der Psychiatrie in Berlin. Dietrich war reich begabt, mit 21 Jahren war er bereits Doktor der Theologie. Er hätte ein berühmter Theologieprofessor werden können. Er genoss die schönen Dinge des Lebens: Kunst, gutes Essen, Reisen.

Nachfolge

Da las er in der Bibel die Worte von Jesus in der Bergpredigt : Gott will, dass wir ihm ganz gehorchen. Daraufhin beschloss er für Gott und für seine Mitmenschen zu leben. Er sagte: "Es gibt erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche". So begann er, als Pfarrer in Berlin im Dienst der evangelischen Kirche zu arbeiten.

Besonders die Not leidenden Menschen lagen Bonhoeffer am Herzen. In den Jahren nach 1930 waren Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos, viele hungerten und froren. Bonhoeffer forderte: "Die Kirche muss Kirche für andere sein".

1933 kam Hitler in Deutschland an die Macht. Er versprach den Menschen Arbeit und Brot. Millionen jubelten ihm zu. Auch in den Kirchen hatte er Anhänger. Aber er regierte mit Terror und Mord. Er bekämpfte die Juden.

Bonhoeffer lehnte deshalb das Nazi-Regime ab. Er war gegen Krieg und für Frieden zwischen den Völkern. Er sammelte zusammen mit anderen in der evangelischen Kirche die an die Bibel gebundenen Christen in der "Bekennenden Kirche" . Zahlreiche Christen und Pfarrer kamen ins Konzentrationslager, manche wurden umgebracht.

Ein schwerer Weg

1939 begann Hitler den 2. Weltkrieg. Bald erkannte Bonhoeffer: Durch Hitler werden noch Millionen Menschen sterben, im Krieg und in den Konzentrationslagern. Deshalb beschloss er zusammen mit anderen, Hitler zu töten. Hitlers Ermordung schien ihm eine kleinere Schuld vor Gott zu sein, als Millionen Menschen durch Hitler töten zu lassen.

Bonhoeffer war bereit, sein Leben zu opfern. Aber er fragte sich, ob er Folter und Tod aushalten könnte, falls man ihn verhaften würde. Jedoch sagte er sich: "Gott gibt uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft, wie wir brauchen. Aber er gibt sie uns nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf Gott verlassen".

1943 wurde Bonhoeffer verhaftet. Aber man konnte ihm keine große Schuld nachweisen. Im Gefängnis in Berlin konnte er sogar Briefe an seine Familie und seine Verlobte schreiben. Diese Briefe hat sein Freund später in dem bekannten Buch "Widerstand und Ergebung" gesammelt. Bonhoeffer dachte im Gefängnis auch viel darüber nach, wie man mit dem modernen glaubenslosen Menschen über Gott sprechen kann.

Mechthild von Magdeburg – von der Liebe zu Gott erfüllt

Magdeburg, die Stadt Ottos des Großen, blickt auf eine 1200-jährige bewegte Geschichte zurück. Zur Geschichte der Stadt gehört auch eine Frau, deren Name eng mit der Stadt verbunden ist: Mechthild von Magdeburg. Sie wurde vor 800 Jahren auf einer Burg im Magdeburger Raum geboren und erhielt - für damalige Zeiten für Mädchen ungewöhnlich - eine umfassende Bildung. Bereits als junges Mädchen verließ sie die Burg und bekannte offen: "Mein Lebensraum ist nicht der Adelsstand. Gott hat anderes, größeres mit mir vor." Gott war für sie nicht einfach eine höhere Macht, sondern ein wirkliches liebendes Du. Diese persönliche Gottesbeziehung erfüllte ihr Leben so, dass sie all das, was sie in der Tiefe ihres Herzens bewegte, aufschreiben musste. Eine große verwandelnde Kraft spürt Mechthild im Gebet. Sie schreibt: "Das Gebet macht ein bitteres Herz süß, ein trauriges Herz froh, ein armes Herz reich, ein törichtes Herz weise, ein zaghaftes Herz kühn, ein schwaches Herz stark, ein blindes Herz sehend. Es zieht den großen Gott in ein kleines Herz. Es treibt die hungrige Seele hinauf zu dem Gott der Fülle."

Mechthild wählt nicht den Weg ins Kloster, sondern schließt sich der Magdeburger Armutsbewegung an, getreu ihrem Vorsatz: "Worauf Gott seine Hoffnung setzt, das wage ich. Es zog mich um der Liebe Gottes willen in die Stadt." Das Wort Jesu: "Armen wird das Evangelium verkündet" (Matthäus 11,5) hatte sie tief berührt. Sie wendet sich den Ärmsten der Armen zu: Ausgestoßenen, Kranken, Sterbenden, Witwen und Waisen. Sie schenkt ihnen menschlichen und geistlichen Beistand und - soweit es ihr möglich ist - lindert sie auch deren materiellen und körperlichen Nöte. Mechthild tut diesen Dienst nicht allein. Zu dieser Zeit entsteht in Magdeburg eine Schwesternbewegung. Die jungen Frauen leben in Wohngemeinschaften und teilen ihren Besitz miteinander. Da sie sich nicht den offiziellen Ordnungen der Kirche unterordneten, mussten sie viele Schmähungen und Anfeindungen ertragen. Allein lebende junge Frauen, das galt damals als Skandal. Mechthild war jedoch eine selbstbewusste, tapfere Frau, die ihre Mitschwestern immer wieder ermutigte, ihre Arbeit unter den Hilfsbedürftigen fortzusetzen. Viel Unterstützung und Trost erhielt sie von ihrem Beichtvater, unter dessen Einfluss sie ihr Buch "Das fließende Licht Gottes" schrieb. Dies Werk war zu Lebzeiten von Mechthild sehr umstritten: Eine Frau, noch dazu ohne Universitätsbildung, schreibt in deutscher Sprache, nicht in Latein - der Sprache der Gelehrten - ein Buch über Gott und ihre Erfahrungen mit der Liebe Gottes. Das war ungewöhnlich, mehr noch: das schien für die Kirche gefährlich zu sein. So verschwand ihr Werk für Jahrhunderte in der Vergessenheit.

Mechthild von Magdeburg war eine Visionärin. Aber ihre visionären Fähigkeiten waren keine Weltflucht. Sie lebte mit Gott in dieser Welt. Mit ihrer Gabe der inneren Gottesschau zeigt sie Linien, die Gott und die Welt miteinander verbinden. Beim Lesen von Mechthilds Schriften bekommt man den Eindruck, als sei sie eine noch lebende Zeitgenossin und nicht eine Frau, die vor 800 Jahren gewirkt hat. Mechthild schreibt: "Die Liebe gebietet mir. Was sie will, das muss geschehen, und worauf Gott seine Hoffnung setzt, das wage ich."

Mit einer heiligen, liebevollen Aufmerksamkeit liest Mechthild die Bibel. Sie schreibt:

"Vom Weg der Liebe soll mich nichts abtreiben. Eine heilige Aufmerksamkeit zu Gott sollen wir zu allen Zeiten in uns tragen."

Am Leben der Mechthild von Magdeburg wird erfahrbar, dass die große Liebe zu Gott in der einfachen Liebe und Barmherzigkeit zu den Mitmenschen Realität werden kann, das ist es, "worauf Gott seine Hoffnung setzt."

Friedrich Nietzsche - Kämpfer gegen Gott

Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt.
Bald wird es schnein -
weh dem, der keine Heimat hat!

Diese Zeilen eines Gedichts stammen von einem Mann, der "keine Heimat hatte", weil er sich von Gott losgesagt hatte: Friedrich Nietzsche (1844 - 1900).

Nietzsche wuchs in einem christlichen Elternhaus auf. Sein Vater war evangelischer Pfarrer. Bei seiner Konfirmation glaubte er fest und von ganzem Herzen an Gott. Aber später auf dem Gymnasium gab er seinen Glauben auf. Er wusste von Gott und trennte sich trotzdem von ihm. Er wurde zum Kämpfer gegen Gott. "Gott ist tot!", predigte er.

Ein kritischer Denker

Nietzsche war außergewöhnlich begabt und wurde bereits mit 24 Jahren in Basel Professor für Philologie. In zahlreichen Schriften bekämpfte er zunächst alles wissenschaftliche Theoretisieren, alle Überbewertung der "Vernunft", alles Spießertum. Stattdessen forderte er eine kraftvolle Lebensbejahung. Aus dem dionysischen rauschhaften Ergriffensein erwächst alle echte Schöpfung.

Seine wichtigsten Schriften sind: "Die Geburt der Tragödie", "Also sprach Zarathustra", "Jenseits von Gut und Böse", "Antichrist" und "Der Wille zur Macht". Er schreibt lebendig und lebensnah.

Heimatlos


Lou Salomé, Paul Ree and Friedrich Nietzsche 1882 (Bild: Wikipedia Commons - Public domain)

Wegen zunehmender quälender Kopf- und Augenschmerzen ließ Nietzsche sich 1879 unter Aufgabe seiner Professur pensionieren.

Christen bekennen: Gott ist uns eine "Burg", eine Zuflucht in Zeiten der Not (Psalm 91,2). Bei ihm finden wir "Geborgenheit" , ein "Zuhause" auch in Krankheit und Zerbruch. Nietzsche war jedoch in seiner Gottesferne "heimatlos". Er führte nach seiner Pensionierung ein unruhiges Wanderleben in der Schweiz, in Norditalien, an der Riviera, ständig vergeblich Besserung und Heilung seines Gesundheitszustandes suchend.

Nietzsches äußerer Heimatlosigkeit entsprach seine innere. Jeder Mensch braucht ein Vorbild, ein Ideal, an dem er sich festhalten kann, zu dem er aufschauen kann. Unser einziger sicherer Halt im Leben kann aber kein Mensch sein, sondern nur Gott allein. Alle anderen Vorbilder und Größen sind von Menschen gemachte Götzen. Sie enttäuschen uns früher oder später. Ja, sie können, wie bei Nietzsche, im Leben eines Menschen und in der Welt furchtbare Zerstörungen anrichten.

Nietzsche, der Gott verlassen hatte, schuf sich als Ersatz den "Über-Menschen", den Herrenmenschen. Er setzte den Menschen an die Stelle Gottes. Er predigte den Gedanken der Heranbildung und Erziehung einer neuen menschlichen Elite-Schicht.

Zerstörung aller Werte

Dieser neue Herrenmensch ist an keine ethischen Normen gebunden. Er ist "das freie, herrliche Raubtier", betont Nietzsche. Dieser neue Mensch soll das Dasein mit allen Sinnen genießen. Der "Leib" soll sich durchsetzen gegen den "Geist".

Weil das christliche Mitleid die Freude am Leben stört, lehnt Nietzsche es als "Sklavenmoral" ab, als Vertröstung der hier zu kurz Gekommenen auf das Jenseits.

Gegenüber dem Elite-Menschen ist die Masse der Menschen nichts als "das Ungeziefer in der Erdrinde" (mit dem man umgehen kann, wie man will). Von daher lehnte Nietzsche auch Demokratie und Sozialismus ab.

Der Herrenmensch bejaht sein Schicksal, auch wenn es sinnlos ist, und gibt ihm damit einen Sinn (dies ist der Grundgedanke des späteren Existenzialismus von Heidegger und Sartre).

Nietzsche bekämpfte so die gesamten abendländisch-christlichen Werte, denen Europa und die ganze Welt ihre moralischen Prinzipien und ihre Kultur verdanken. Millionen besonders junger Menschen wurden von Nietzsches verbrecherischen Ideen erfasst. Nietzsche wurde so zum geistigen Wegbereiter des Nationalsozialismus. Was er predigte, haben die Nazis auf schreckliche Weise in die Tat umgesetzt.

Nietzsche hat Millionen Menschen verführt. Sein Kampf gegen Gott trägt deutlich dämonisch-antichristliche Züge.

"Ohne Gott ist alles erlaubt"

Wir sehen an Nietzsche und seinem Schicksal: Ohne Gott sind wir innerlich und oft auch äußerlich heimatlos. Unser Leben hängt ab von unserer Ehrfurcht vor Gott.

Nietzsche meinte, der neue Herrenmensch ohne Gott würde eine neue höhere Kultur hervorbringen und höchstes Glück genießen. Das Gegenteil war der Fall. Die Verwirklichung seiner Gedanken durch die Nazis führte zur Zerstörung aller Kultur in vielen Ländern Europas und zu unbeschreiblichem Leid von Millionen von Menschen.

Dostojewski hat einmal gesagt: "Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt" , bis hin zum Holocaust und zur Zerstörung aller Kultur. Nietzsche ist das beste Beispiel dafür.

Nietzsche, der Gottesleugner, starb in äußerster "Heimatlosigkeit". Die letzten zwölf Jahre seines Lebens dämmerte er in geistiger Umnachtung dahin, d.h.er lebte nicht mehr bei vollem Bewusstsein.

Max Planck und die Entdeckung der Quantentheorie

102 Jahre ist es her, dass der deutsche Physiker Max Planck seine große Entdeckung machte. Wer ist dieser Mann, und warum war seine Entdeckung so wichtig?
Planck, 1858 geboren, stammte aus einer Gelehrtenfamilie. Er war sehr begabt. Trotz seines großen Könnens war er ein bescheidener und gütiger Mensch. Vor und nach dem 1. Weltkrieg war Planck jahrzehntelang Professor für Physik an der Universität Berlin. Dort lehrten damals viele berühmte Physiker, zum Beispiel auch Albert Einstein. Planck hatte ihn nach Berlin geholt und war eng mit ihm befreundet.

Das Plancksche Wirkungsquantum

Im Jahr 1900 entdeckte Planck das nach ihm benannte sogenannte „Plancksche Wirkungsquantum“, in der Physik seitdem mit dem Buchstaben h bezeichnet. Was ist das?

Wenn ein Körper erwärmt wird, gibt er Energie in Form von Wärme und Licht ab. Bisher hatte man geglaubt, diese Energie würde fortlaufend, d. h. ununterbrochen abgegeben. Man meinte, „die Natur macht keine Sprünge“.

Planck entdeckte nun, dass Energie von einem Körper nicht kontinuierlich, sondern in Sprüngen abgegeben wird, in „Paketen“, den sogenannten „Quanten“. Dabei sind die abgegebenen Energiemengen (Quanten) immer ein Vielfaches vom Planckschen Wirkungsquantum h, also multipliziert mit h.

Energie wird also nicht, wie man bisher glaubte, in den Mengen 1,2,3,4,5 usw. abgegeben. Sondern sie wird, angenommen h sei 2, in den Mengen 2 (2 mal 1), 4 (2 mal 2), 6 (2 mal 3), 8 (2 mal 4) usw. abgegeben.

Eine Entdeckung mit Folgen

Ist diese Entdeckung für unser Leben wirklich so wichtig? Ja, auch wenn wir das hier nicht weiter erklären können. Das Plancksche Wirkungsquantum h ist ja eine feste, unveränderliche Naturkonstante, eine unveränderliche Größe. Überall wo Energie abgegeben wird, ist sie in der Natur vorhanden, im kleinsten Atom eines irdischen Stoffes ebenso wie auf der Sonne. Ohne diese Konstante könnten Elektronen sich nicht um einen Atomkern herum bewegen, weil sie dabei Energie abgeben; es gäbe nicht die vielen bunten verschiedenen Stoffe in unserer Welt, die Sonne könnte kein Licht und keine Wärme aussenden, es gäbe keine Atomenergie, …

Durch das Plancksche Wirkungsquantum konnte man vieles in der Natur erst richtig verstehen. Deshalb bekam Planck für seine Entdeckung 1918 den Nobelpreis.

Aber auch für unser Alltagsleben war Plancks Entdeckung von großem Nutzen. Ohne sie gäbe es heute z. B. keine Computer, keine Laserstrahlen, keine Solarenergie.

Durch Plancks Entdeckung wurde der Vorstellung vom Aufbau unserer Welt die sichere Grundlage genommen. Wenn die Natur Sprünge macht, steht offenbar vieles in der Natur nicht so fest, wie man bisher gemeint hat. Deshalb betrachtete Planck, der jede fremde Autorität achtete, seine Entdeckung zunächst skeptisch.

Ob es wohl Zufall ist, dass auch die Ordnungen des menschlichen Lebens (z.B. Ehe, Familie, Staat) seitdem ihre Stabilität verloren haben? Schon immer haben naturwissenschaftliche Entdeckungen das gesamte Denken der Menschen beeinflusst. Hier gibt es sicherlich Verbindungen, die wir nicht verstehen. Seit 1933 litt Planck schwer unter der Diktatur der Nationalsozialisten. Sein eigener Sohn wurde getötet, weil er Hitler ablehnte. Auch verlor Planck seine erste Frau und mehrere seiner Kinder durch den Tod. Das Ende des 2. Weltkriegs brachte für den schwerkranken 87-jährigen Gelehrten viel Not.

Planck hatte jedoch einen tiefen Glauben an ein gütiges Schicksal oder einen gütigen Gott. In seiner Trauer sagte er: „Gottes Wege sind nicht unsere Wege. Aber das Vertrauen auf ihn hilft uns durch die schwersten Prüfungen hindurch.“

1947 starb Planck in Göttingen. Manche wissenschaftlichen Institutionen tragen heute seinen Namen und viele deutsche 2-DM-Münzen trugen sein Bild.

Friedrich von Schiller, ein großer deutscher Dichter

Um das Jahr 1800 war Deutschland in viele einzelne Staaten aufgeteilt. Diese wurden außerdem noch von Napoleon beherrscht. Und doch hat Deutschland niemals mehr so große Männer in Dichtung, Philosophie und Kunst hervorgebracht als in diesen Jahrzehnten. Unter diesen großen Persönlichkeiten sind auch die Dichter Goethe und Schiller.

Friedrich von Schiller wurde 1759 in dem Städtchen Marbach am Neckar in der Nähe von Stuttgart geboren. Sein Vater war ein einfacher Offizier im Dienst des Herzogs von Württemberg. Schiller hing sehr an seiner Mutter. Sie war eine stille, fromme Frau. Deshalb wollte er als Kind auch Pfarrer werden.

Auf der Suche nach Freiheit

Schon mit 13 Jahren mußte Schiller sein Elternhaus verlassen. Auf Befehl des Herzogs von Württemberg mußte er von jetzt an eine Militärakademie bei Stuttgart besuchen, also eine Schule für zukünftige Soldaten. Hier blieb er acht Jahre. Er kam sich an dieser Schule wie in einem Gefängnis vor. Denn die Schüler dort hatten wenig Freiheit, sie wurden zum Gehorsam gezwungen.

Aus dieser Zeit stammt Schillers Liebe zur Freiheit. Er schrieb heimlich in diesen Jahren sein erstes Schauspiel"Die Räuber". In diesem Drama ruft er zum Kampf gegen alle Tyrannen und Diktatoren auf. Das waren damals manche der deutschen Fürsten, wobei es allerdings auch gute unter ihnen gab. Napoleon war später ein besonderer Diktator.

Nach Beendigung der Schulzeit wurde Schiller ein einfacher Militärarzt, denn er hatte auf der Schule etwas Medizin lernen müssen. Dieser Beruf machte ihm aber überhaupt keine Freude.

Durch viel Not

Anonym ließ Schiller dann in Mannheim sein Schauspiel "Die Räuber" aufführen. Das Drama hatte einen riesigen Erfolg. Daraufhin verbot der Herzog von Württemberg Schiller, Schauspiele zu schreiben. Aber Schiller mußte einfach Dramen schreiben, er war ein echter Dichter. Außerdem wollte er sich vom Herzog nicht zu etwas zwingen lassen.

Deshalb floh Schiller 1782 aus Württemberg in einen anderen deutschen Staat. Das war für ihn gefährlich und ein großes Wagnis. Denn jetzt verdiente er nichts mehr. Er war als Dichter noch unbekannt. Wovon sollte er jetzt leben?

So wanderte Schiller in den Jahren von 1782 bis 1789 durch Deutschland hin und her. Er litt viel Not. Manchmal wurde ein Gedicht vom ihm abgedruckt. Auch sein in diesen Jahren entstandenes Schauspiel "Kabale (= Intrige) und Liebe" wurde aufgeführt. In ihm schildert Schiller, wie ein junger Adliger und ein einfaches Bürgermädchen sich lieben und doch wegen ihres verschiedenen Standes nicht heiraten können. Beide gehen schließlich zugrunde.

Aber durch das alles bekam Schiller nicht viel Geld. Auch war er öfter krank. Aber immer wieder nahmen Freude und Bewunderer ihn bei sich auf und halfen ihm eine Zeitlang aus der Not.

Ein neuer Lebensabschnitt


Schiller mit Goethe und den Geschwistern von Humboldt

1789 bekam Schiller durch Hilfe von Goethe eine Anstellung als Professor für Geschichte in Jena in Sachsen. Jetzt hatte er ein sicheres Einkommen. Deshalb konnte er jetzt seine Verlobte Charlotte von Lengefeld heiraten. Außerdem lag Jena dicht bei Weimar. Dort in seiner Residenz hatte der Herzog von Sachsen-Weimar Goethe und zahlreiche andere Dichter, Künstler und Gelehrte versammelt.

In den folgenden Jahren schrieb Schiller kein Drama und nur wenige Gedichte. Er beschäftigte sich jetzt viel mit Geschichte und philosophischen Fragen, besonders mit der Philosophie Kants. Durch Kant lernte er, daß der Mensch ein moralisches, ethisches Wesen ist. Er hat die Aufgabe, seine schlechten, niedrigen Regungen in sich zu bekämpfen und ein immer vollkommenerer, besserer Mensch zu werden.

Eine große Freundschaft

1794 lernte Schiller Goethe näher kennen. Beide Männer waren sehr verschieden. Goethe hatte nie äußere Not gelitten, Schiller dagegen mußte viel Not durch Geldsorgen und Krankheit durchmachen. Wenn Goethe dichtete oder wissenschaftlich arbeitete, mußte er alles sehen und empfinden können. Schiller dagegen beschäftigte sich lieber mit theoretischen Begriffen wie z.B. Schönheit oder Menschenliebe. Deshalb ist Schillers Sprache auch nicht so natürlich wie die Goethes, sondern oft etwas künstlich und pathetisch. Dennoch kann uns seine Sprache begeistern und mitreißen. Aber trotz dieser Gegensätze entstand zwischen beiden Dichtern eine immer enger werdende Freundschaft und große Hochachtung.

1799 zog Schiller nach Weimar. Er kaufte sich dort ein Haus für sich und seine Familie. Durch die Freundschaft zwischen Goethe und ihm wurden beide wieder zum Dichten angeregt. Schon vorher hatte Schiller das Schauspiel "Don Carlos" geschrieben. Jetzt entstanden die Dramen "Wallenstein", "Die Jungfrau von Orleans" und "Maria Stuart". In diesem Schauspiel erzählt Schiller, wie die Königin Maria Stuart von ihrer Gegnerin, der Königin Elisabeth, ungerecht zum Tode verurteilt wird. Aber sie bejaht ihren Tod, indem sie ihn als Strafe für eine frühere Schuld in ihrem Leben annimmt. So siegt sie innerlich über Elisabeth, auch wenn sie äußerlich zugrunde geht.



Szene aus Wilhelm Tell

Im Gedicht "Die Glocke" beschreibt Schiller den Weg des Menschen von seiner Geburt bis zu seinem Tod. Sein letztes vollendetes Drama ist "Wilhelm Tell". In ihm schildert er den Freiheitskampf der Schweizer unter ihrem Anführer Tell.

Wie kein anderer Dichter hat Schiller darum gekämpft, ein immer vollkommenerer Mensch zu werden und andere durch seine Dramen und Schriften zu bessern. Er jagte dem Ideal nach, dem Höchsten und Größten. Deswegen nennt man ihn auch einen Idealisten.

Ein früher Tod

Schiller war ein tapferer Mensch, ein mutiger Kämpfer und ein fleißiger Arbeiter. Er verlangte viel von sich. Deshalb war er oft krank. So ist er schon 1805 mit 46 Jahren in Weimar gestorben. Er hätte noch manches große Werk schaffen können. Mit ihm verlor Deutschland seinen nach Goethe größten Dichter.

Schiller spricht häufig von Gott. Er sagt z.B. in seinem Gedicht "An die Freude": "Brüder, überm Sternenzelt muß ein gütiger Vater wohnen" (von Beethoven in seiner 9. Symphonie vertont). Aber Gott war für Schiller nur ein bloßer Gedanke. Mit Gott im Gebet reden, auf Gottes' Stimme hören, sich von Gott helfen lassen - das konnte Schiller nicht. Alles, was er tat, wollte er aus eigener Kraft tun, ohne Gott.

Wir Menschen können zwar aus eigener Kraft viel erreichen. Aber wenn wir uns die Welt mit ihrer vielfachen Not heute ansehen, erkennen wir, wie ohnmächtig der Mensch im Grunde ist. Auch Schiller konnte seinen Kampf für das Gute nicht weiterkämpfen, als er in der Mitte seines Lebens sterben mußte. Da war alle Freude für ihn zu Ende.

Aber wenn wir uns durch Jesus zu Gott bringen lassen, werden wir von Gott für ewig versorgt und geliebt. Dann kann uns auch der Tod nicht das Leben nehmen. Dann wissen wir: Nicht wir Menschen, aber Gott wird einmal eine Welt ohne Leid, ohne Tränen und ohne Tod schaffen.

Werner von Siemens: Ein großer Erfinder

Alles, was zum ersten Mal in Europa erfunden, entdeckt, entwickelt, gebaut und hergestellt worden ist, kann man im Deutschen Museum in München sehen und erleben. Den Namen und den Plan zu dieser Dauerausstellung, die nicht nur die Geschichte der Technik, sondern auch deren neuesten Stand zeigt, hielt schon 1877 ein Mann bereit, der einer der großen Erfinder unserer Zeit war: Werner von Siemens. Er schuf nicht nur den Begriff "Elektrotechnik"; er bestimmte auch entscheidend das, was man unter diesem Wort bald verstand. Dem Original seiner Dynamomaschine, die er 1866 entwarf und zusammensetzte, sieht man im Museum die ungeheure Bedeutung nicht an. Mit Hilfe von Drahtwindungen und weichem Eisen war es hier Siemens gelungen, Kraft - zum Beispiel menschliche Arbeitskraft oder Wasserkraft - in elektrischen Strom umzuwandeln und umgekehrt elektrischen Strom in Arbeitsleistung umzusetzen. Damit hatte er die moderne Starkstromtechnik begründet.

Erfinder als Nebenberuf

Werner wurde 1816 in der Nähe von Hannover als das viertälteste von vierzehn Kindern geboren. Nachdem er ein Gymnasium in Lübeck besucht hatte, wollte er Ingenieur werden. Da die Eltern eine Ausbildung nicht bezahlen konnten, bewarb Werner sich um Aufnahme in die Armee als Offiziersanwärter. Nach einer gut bestandenen Prüfung wurde er Soldat. Wie glücklich war er, als er für eine dreijährige Ausbildung in die Artillerie- und Ingenieurschule nach Berlin kommandiert wurde! Jede verfügbare Freizeit verwendete der junge Soldat, um sich auch außerhalb des Dienstes mit Physik, Chemie und Technik zu beschäftigen. Nach Ablauf der drei Jahre erhielt er den ersten Heimaturlaub. Aber da sah er Vater und Mutter zum letzten Mal, sie starben bald darauf. Werner hatte versprochen, für die jüngeren Geschwister zu sorgen. Um die Geschwister zu versorgen, wurde er im Nebenberuf Erfinder. Auf ganz praktische Dinge richtete er seine Gedanken, denn es mußte ja Geld beschafft werden. So entstanden eine Kunststeinpresse, ein Dampfmaschinenregler und ein neues Druckverfahren. Als er eine Methode für galvanische Vergoldung und Versilberung erfand, verkaufte sie sein Bruder Wilhelm nach England.

Neue Möglichkeiten in Berlin

Während dann Wilhelm für immer nach England ging, gelang es Werner Siemens, aus Magdeburg heraus und endgültig nach Berlin zu kommen. Hier gab es schon mehrere Maschinenfabriken, an ihrer Spitze das Lokomotivbauunternehmen von August Borsig. Dessen Maschinen hatten sich bei Vergleichsfahrten sogar als besser erwiesen als die englischen. Auch gab es eine Gewerbeschule, einen Polytechnischen Verein und eine Physikalische Gesellschaft, und der große Naturforscher Alexander von Humboldt hielt seine berühmten Vorträge. Die ganze Stadt interessierte sich für Naturwissenschaft und Technik.

Siemens nutzte alle Möglichkeiten der Weiterbildung. Als er selbst in der Physikalischen Gesellschaft einen Vortrag über elektrische Telegrafen hielt, wurde der Universitätsmechaniker Halske auf ihn aufmerksam. Er war ein Künstler in seinem Fach und so begeistert von den von Werner Siemens entworfenen Zeigertelegrafen, daß er beschloß, mit dem begabten Leutnant zusammenzuarbeiten. Dieser entwickelte nun alle Einzelteile, die für eine brauchbare Nachrichtentechnik nötig sind: Blitzsicherungen, Porzellanisolatoren und mit Guttapercha, einem gummiartigen Pflanzensaft, nahtlos isolierte unterirdische Leitungen. Am 1.10.1847 wurde dann die "Telegraphenbau-Anstalt von Siemens und Halske" gegründet, dabei blieb Siemens im Hauptberuf noch Offizier.

Die erste Telegrafenleitung Europas

Bald kamen die ersten Aufträge für die Firma: Sie legte die Telegrafenleitung Berlin - Frankfurt. Als hier die Nationalversammlung den preußischen König zum deutschen Erbkaiser wählte, war das in derselben Stunde noch in Berlin bekannt. Die Leute staunten, und Werner Siemens war der Held des Tages mit dieser ersten Telegrafenleitung Europas. Es regnete jetzt Aufträge, zuerst in Deutschland, dann in Rußland. Dorthin war der jüngere Bruder Carl gegangen. Werner Siemens ließ sich nun nach 15 Jahren militärischer Dienstzeit beurlauben und widmete sich ganz den Aufträgen und immer neuen Verbesserungen und Erfindungen. Sie waren, ebenso wie die gediegene und dauerhafte Arbeit seiner Werkstatt, eine überzeugendere Reklame als Worte. Außerdem wollte Siemens nicht mit der Herstellung guter, aber gleichbleibender Waren sein Geld verdienen, sondern nach besten Kräften die von ihm entwickelte Elektrotechnik weiter vorantreiben. Darin sah er seine Aufgabe zum Nutzen aller. Auf der ersten Weltindustrieausstellung 1851 in London erhielt er für seine bewährten Telegrafen neben Alfred Krupp und nur wenigen anderen die höchste Preismedaille. Das gab seinem Unternehmen einen großartigen Schwung. Aus der Werkstatt zogen er und Halske in eine Fabrik um.

Abenteuerliche Aufgaben

In den nächsten zwei Jahren bauten die Brüder Carl und Werner Siemens Telegrafenlinien von Petersburg über Moskau und Kiew nach Odessa und von Petersburg nach Warschau und Schlesien, nach Finnland und Kronstadt. Dabei mußte ein Kabel durch die Ostsee gelegt werden. Zusammen mit Wilhelm und Carl als "Siemens Brothers" bewältigte der unermüdliche Erfinder später die Riesenstrecke London-Kalkutta in Indien. Für diese Indo-Europäische Linie von fast 11 000 km Länge entwickelte er neue, noch verbesserte Schreibtelegrafen. Über Kontinente und Meere, Gebirge und Steppen arbeiteten sich die Bautrupps vor, wurden die eisernen Leitungsmasten befördert. Auch der Ozean war kein unüberwindbares Hindernis. Von Irland nach New York wurde ein Transatlantikkabel gelegt. Dazu ließ Siemens ein eigenes Kabelschiff bauen, die "Faraday". Durch Störversuche feindlich gesinnter Firmen und dadurch, daß das Kabel auf hoher See riß und in 5 000 m Tiefe verschwand, wurde die Expedition zu einem aufregenden Abenteuer. Fünf weniger aufreibende folgten: Der Name Siemens wurde weltbekannt.

Große Erfindungen

Für die Stahlgewinnung erfanden die Brüder das Siemens-Martin-Verfahren. Für den Bergbau gedacht wurde eine elektrische Eisenbahn konstruiert und auf der Berliner Gewerbeausstellung vorgeführt. Fröhlich unternahmen 10 000 Besucher eine Fahrt damit. Auch die von ihm entwickelten Lichtmaschinen wurden bald das große Geschäft. Glühlampen eroberten mit ihrem hellen Licht die Städte und wurden auch bald im Bergbau eingesetzt. In Berlin gab es bald elektrische Straßenbeleuchtung und Straßenbahnen. Seit 1877 wurden in Berlin die ersten Fernsprecher aufgestellt, die Siemens produzierte - und zuerst als technische Spielerei abgetan. Aber Siemens hatte, wie schon beim Telegrafen, das enorme Informationsbedürfnis der Zeit vorausgesehen.

Auch an andere denken

Bereits 1885 beschäftigte das Unternehmen 1 100 Arbeiter in Berlin. Bald trug ein ganzer Stadtteil den Namen "Siemensstadt". Deshalb hielt er sich auch seinen Mithelfern, den Arbeitern des Werkes, gegenüber verpflichtet. Er schuf, viel früher als der Staat, für Krankheit, Unfälle und den Lebensabend eine Pensionskasse, denn "mir würde das verdiente Geld wie glühendes Eisen in der Hand brennen, wenn ich treuen Gehilfen nicht den erwarteten Anteil gäbe", so sagte Werner Siemens.

Auf der Weltausstellung der Elektrotechnik 1881 in Paris erhielt das Haus Siemens das Ehrendiplom. Werner Siemens erhielt unzählige Ehrungen. Er bekam ein Ehrendoktor-Diplom und wurde zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt. 1888 bekam er den Adelstitel. Seither hieß er Werner von Siemens. Er starb am 6. Dezember 1892 in Berlin.

Johannes Kepler, der Begründer der modernen Astronomie

Jeden Tag sehen wir, wie die Sonne im Osten aufgeht und im Westen untergeht. Die Sonne scheint sich also um die Erde zu drehen. Das glaubte man im Altertum[1] und im Mittelalter. Nikolaus Kopernikus (1473 - 1543) entdeckte jedoch, dass die Erde sich um die Sonne dreht.

Die Erde ist nicht der Mittelpunkt

Das war damals eine mutige Behauptung. Denn dann steht die Erde ja nicht mehr im Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Man könnte meinen: Die Erde ist dann nur noch ein zufälliger Stern ohne jede besondere Bedeutung. Alles auf der Erde ist letzten Endes ohne Sinn. Auch an Gottes Existenz muss man dann zweifeln Es gibt keine Sicherheit, keine festen Ordnungen und Grenzen mehr, das Weltall wäre unendlich.

Dagegen hat Johannes Kepler gezeigt: Auch wenn die Erde nicht im Mittelpunkt der Welt steht, so herrscht doch überall im Weltall Ordnung und Harmonie. Und daraus können wir lernen, dass alles im Leben von uns Menschen wie im Weltall einen Sinn hat. Gott hat die Welt geschaffen und meint es gut mit uns Menschen.

Kepler wurde 1571 geboren. Er wurde Astronom und bald ein berühmter Gelehrter. Er schrieb zahlreiche Bücher über die Bewegungen der Himmelskörper und den Aufbau des Weltalls, über Optik und Geometrie. Er verfasste den ersten Science-Fiction- Roman.

Das Staunen über Gottes Schöpfung

Da Kepler in seiner Heimat Württemberg in Tübingen nicht Professor werden konnte, führte er ein unruhiges Wanderleben in Habsburg-Österreich. Er arbeitete ab 1594 in Graz, später in Prag am Hof des Kaisers Rudolf II, dann in Linz und schließlich in Schlesien. Als Evangelischer wurde er von der katholischen Kirche mehrmals vertrieben, und manchmal konnte ihm sein Gehalt von seinen Arbeitgebern wegen Geldmangels nicht ausgezahlt werden. Vor seinem Lebensende bekam er noch die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) zu spüren, ehe er 1630 starb.

Kepler war sehr wissbegierig und ständig am Forschen. Er war ein hochbegabter, zäher Denker. Er war bescheiden und ehrlich, aber auch kritisch, geistreich und ironisch.

Keplers größtes Verdienst ist die Entdeckung der drei „Keplerschen Gesetze“. Darin beschreibt er, wie sich die Planeten um die Sonne bewegen. Das erste Gesetz lautet: Alle Planeten laufen in einer eiförmigen Ellipse (nicht kreisförmig, wie man bis dahin meinte) um die Sonne, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht. Das zweite Gesetz lautet: Je weiter die Planeten von der Sonne entfernt sind, desto langsamer laufen sie.

So hat Kepler nachgewiesen, dass auch im Weltraum Gesetzmäßigkeit und Ordnung herrschen. Galilei hat die Physik auf dem Experiment aufgebaut. Kepler hat die Physik in den Weltraum ausgedehnt.

Kepler erkannte: Wie z.B. eine Uhr im Kleinen einen Hersteller haben muss (denn nichts entsteht von allein), so muss auch das große „Uhrwerk“ des Weltalls einen Schöpfer haben: Gott, der allmächtig und allwissend ist.

Kepler bat Gott um das Gelingen seiner Arbeiten. Er staunte über Gottes Schöpfung und betete: „Ich danke dir, Gott, du mein Schöpfer, weil du mir Freude gegeben hast an dem, was du gemacht hast. Ich habe die Herrlichkeit deiner Werke den Menschen bekannt gemacht, soviel von ihrem unendlichen Reichtum mein kleiner Verstand erfassen konnte“.

Heinrich von Kleist - ein verkanntes Genie

Nicht selten werden große Künstler und Wissenschaftler in ihrer Zeit nicht erkannt. Sie leiden oft Not und manche sterben früh. So auch Heinrich von Kleist, einer der größten deutschen Dichter.

Kleist wurde 1777 in Frankfurt/Oder in einer preußischen Offiziersfamilie geboren. Nach einigen Jahren als Soldat begann er ein unruhiges Wanderleben bis in die Schweiz und nach Paris. Seine Verlobung löste er wieder auf. Er wollte ein Dichter werden wie seine Zeitgenossen Goethe und Schiller. Später lebte Kleist in Dresden und schließlich in Berlin.

Ein ehrgeiziger und unruhiger Mensch

Kleist konnte freundlich und herzlich, aber auch aggressiv sein. Er war als Dichter sehr ehrgeizig. Immer schien Kleist an einer inneren Traurigkeit zu leiden. Er war ein unruhiger, unzufriedener Mensch. Kleist, der als Kind Gott gekannt hatte, glaubte nicht mehr an ihn. Aber Gott hätte ihm helfen, ihn trösten und ihm inneren Frieden geben können.

Der höhere Frieden

Wenn sich auf des Krieges Donnerwagen,
Menschen waffnen, auf der Zwietracht Ruf,
Menschen, die im Busen Herzen tragen,
Menschen, die der Gott der Liebe schuf:
Denk ich, können Sie doch mir nichts rauben,
Nicht den Frieden, der sich selbst bewährt,
Nicht die Unschuld, nicht an Gott den Glauben,
Der dem Hasse, wie dem Schrecken, wehrt.
Nicht des Ahorns dunkle Schatten wehren,
Daß er mich, im Weizenfeld, erquickt,
Und das Lied der Nachtigall nicht stören,
Die den stillen Busen mir entzückt.
Heinrich von Kleist (1792/93)

Kleist meinte: Wir können die letzte Wahrheit nicht erkennen. Die Welt bleibt für uns undurchschaubar. Wir handeln nicht aufgrund klarer Erkenntnisse, klarer sittlich-moralischer Grundsätze, sondern wir handeln aufgrund von mächtigen Gefühlen, die uns beherrschen.

Diese Gefühle sind oft negativ, z.B. Hass und Zerstörungslust. Kleists Figuren treffen ihre Entscheidungen allein nach ihren innersten Gefühlen, ohne Rücksicht auf die Gesellschaft: So zerfleischt die Amazonenkönigin Penthesilea in der gleichnamigen Tragödie ihren Geliebten Achill aufgrund eines Irrtums und tötet sich dann selber. In der Novelle„Michael Kohlhaas" kämpft dieser fanatisch um sein Recht und wird dabei selber zum Räuber und Mörder.

Ein genialer Dramatiker

Kleist kennt aber auch positive und heitere Gefühle. So zum Beispiel eheliche Treue oder Liebe, wie in dem noch heute gespielten „großen historischen Ritterschauspiel" „Das Käthchen von Heilbronn". Auch seine humorvolle Komödie „Der zerbrochene Krug" wird heute noch oft aufgeführt, genauso wie sein letztes Drama „Der Prinz von Homburg". Hier siegt der Prinz über sein Gefühl, das ihn zerstören will. Er erkennt, dass es sittlich-moralische Grundsätze gibt, und er gehorcht ihnen. Dadurch wird ihm das Leben neu geschenkt.

Kleist war ein genialer Dramatiker. Aber auch seine Novellen sind Meisterwerke. Ihre Sprache ist konzentriert-dramatisch, vorwärts drängend. Kleists Dichtung ist keiner literarischen Schule zuzurechnen, sie weist auf die Moderne voraus und nimmt, vor allem durch die spannungsreiche Sprache, in manchem den Expressionismus vorweg.

Trotzdem fand Kleist zu seiner Zeit keine Anerkennung. Er wurde arm, seine Familie verstieß ihn, Napoleons Herrschaft über Deutschland verbitterte ihn. Gott kannte er nicht. So sah er keinen Ausweg mehr. Gemeinsam mit der schwer kranken Henriette Vogel (*1773), deren Bekanntschaft er erst am selben Tag gemacht hatte, nahm er sich am 21.11.1811 am Wannsee bei Berlin das Leben. Er war ein Mensch, der uns trotz seiner Fehler Leid tut.

Die „Weiße Rose" - Studenten gegen Hitler


Hans Scholl (1918-1943)

„Ist es nicht eine Tatsache, dass heute jeder anständige Deutsche sich seiner Regierung schämt?" So fragte ein Flugblatt, das im Februar 1943 an der Universität München verteilt wurde. Dahinter standen junge Studenten, die nicht länger die Verbrechen der NS-Regierung tatenlos mit ansehen wollten. Sie waren sogar bereit, im Kampf gegen einen Verbrecher ihr Leben zu opfern.

Die Gruppe nannte sich die „Weiße Rose". Zu ihr gehörten die Geschwister Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell, Willi Graf, Christoph Probst und der Professor Kurt Huber . Die Gruppe hatte um sich herum noch zahlreiche Freunde.

Sie alle lehnten den Nazi-Staat ab, weil er den Menschen die Freiheit nahm. Jeder in Deutschland musste so denken und handeln wie die Nazis. Wer nicht gehorchte, kam schließlich in ein Konzentrationslager. Dort wurden die Menschen gequält und häufig auch umgebracht.


Sophie Scholl (1921-1943)

Aber die meisten Deutschen wussten nichts davon. Sie jubelten Hitler zu, wie anfangs auch die Geschwister Scholl. Hitler hatte den Millionen Arbeitslosen in Deutschland zu Arbeit und Wohlstand verholfen, und er hatte Deutschland wieder stark und mächtig gemacht.

Bald aber fing Hitler an, die Juden zu verfolgen und zu töten. Und ab 1939 überfiel er ein Land nach dem anderen. Millionen Menschen starben durch diesen Diktator.

Flugblätter gegen Hitler

Die jungen Medizinstudenten empörten sich dagegen. Aber was sollten sie tun? Sie konnten Hitler nicht beseitigen. So begannen sie, Flugblätter gegen ihn zu verbreiten. Mitte 1942 und Anfang 1943 druckten sie einige Flugblätter in einer Auflage von jeweils einigen tausend Exemplaren. Diese sechs verschiedenen Flugblätter verschickten sie mit der Post an Studenten und Unbekannte aus dem Telefonbuch. Darin forderten sie zur Sabotage und zum Sturz Hitlers auf. Sie verlangten Freiheit des Redens und Denkens, Demokratie und mehr Lohn für die schlechter Verdienenden.

Die meisten Mitglieder der „Weißen Rose" waren zunächst Idealisten. Aber sie suchten leidenschaftlich nach Gott. Sophie Scholl schrieb 1942: „Ich bin Gott noch so fern, dass ich ihn nicht einmal im Gebet spüre. Doch ich will mich an das Seil klammern, das mir Gott in Jesus Christus zugeworfen hat". Und ihr Bruder sagte im gleichen Jahr: „Welche Kraft habe ich im Beten gefunden! Endlich weiß ich, an welcher immer fließenden Quelle ich meinen fürchterlichen Durst löschen kann".

Zum Tode verurteilt

Anfang 1943 hatten die Studenten in München nachts mehrmals an viele Häuserwände Sätze gemalt wie „Nieder mit Hitler" und „Es lebe die Freiheit". Viele lasen diese Worte, die Bevölkerung wurde unruhig. Kurz vorher war die deutsche Armee bei Stalingrad von den Russen besiegt worden.

Am 18. Februar 1943 verteilten die beiden Scholls vormittags im Treppenhaus der Münchener Universität hunderte von Exemplaren des sechsten Flugblatts. Dabei wurden sie beobachtet und verhaftet. Vier Tage später wurden sie bereits zum Tode verurteilt, und noch am gleichen Tag starben sie durch das Fallbeil. Die anderen vier Mitglieder der „Weißen Rose" wurden ebenfalls in den nächsten Monaten hingerichtet.

Die jungen Menschen gingen alle ruhig und gläubig in den Tod. Sie wussten, so jung sie waren, wofür sie starben und glaubten, dass sie sich in der Gegenwart Gottes wieder sehen würden. Die beiden Scholls nahmen vor ihrer Hinrichtung das Abendmahl. Als Sophie sich von ihrer Mutter verabschiedete, sagte diese zu ihr: „Nicht wahr, Sophie, denke an Jesus, er nimmt dich jetzt zu sich". „Aber vertraue auch du auf ihn", antwortete ihr Sophie.

Eduard Mörike - ein lyrischer Dichter

Er ist der vielleicht bedeutendste lyrische Dichter Deutschlands. Seine Liebes- und Naturgedichte gehören zu den schönsten der deutschen Literatur. In diesem Jahr feiern wir seinen 200. Geburtstag: Eduard Mörike


Eduard Mörike
Eduard Mörike wurde am 8.9.1804 in Ludwigsburg bei Stuttgart in Württemberg geboren. Er besaß nicht viel körperliche Kraft. So führte er immer ein ruhiges, etwas zurückgezogenes Leben. Das zeigt z.B. sein Gedicht "Gebet". Trotzdem hatte er zahlreiche Freunde und Bekannte. So auch die Dichter Storm, Keller und Turgenjew.
Herr, schicke, was du willst,
ein Liebes oder Leides,
ich bin vergnügt, dass beides
aus deinen Händen quillt.
Wollest mit Freuden
und wollest mit Leiden
mich nicht überschütten.
Doch in der Mitten
liegt holdes Bescheiden.

Mörike wurde evangelischer Pfarrer. Aber lieber dichtete er. Auch war er oft kränklich. So war er jahrelang nur Vikar in verschiedenen Dörfern Württembergs. Einmal verliebte er sich unglücklich. Die Verlobung mit einer anderen Frau löste er nach vier Jahren wieder auf. Aber aus beiden Verbindungen schrieb er schöne Liebesgedichte.

In dem Gedicht "Um Mitternacht" beschreibt Mörike das Gefühl der Stille und Tiefe der Nacht, in der noch im Traum die Ereignisse des Tages nachklingen:

Gelassen stieg die Nacht ans Land,
lehnt träumend an der Berge Wand.
Ihr Auge sieht die goldene Waage nun
der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn.
Und kecker rauschen die Quellen hervor,
sie singen der Mutter, der Nacht, ins Ohr
vom Tage,
vom heute gewesenen Tage.

Mörike gebraucht schöne Bilder in seinen Gedichten . Viele Gedichte drücken ein Gefühl aus: z. B. Freude über den Frühling, Heimweh, das Erwachen am Morgen, Gottvertrauen, Liebesfreude und -schmerz, Todesahnung. Mörikes Lyrik lässt den Bezug auf die Antike, das Volkslied, auf Goethe und die Romantiker erkennen. Die klassisch-romantische Balladentradition führte er fort.

1834 bekam Mörike endlich eine feste Pfarrstelle in dem Dorf Cleversulzbach. Eine unverheiratete Schwester versorgte ihn. Aber schon nach neun Jahren ließ er sich pensionieren, mit einem bescheidenen Ruhegehalt von jährlich 280 Gulden. Durch Literaturunterricht an einem Mädchengymnasium in Stuttgart verdiente er sich etwas dazu. Mit 47 Jahren heiratete er. Zwei Töchter wurden ihm geboren.

Mörike schrieb auch einen Roman und einige Novellen und Märchen. Doch am bekanntesten sind bis heute seine lyrischen Gedichte. Zu seiner Zeit wurde er jedoch nur wenig anerkannt.

Mörike konnte mühelos dichten. Seine Gedichte sind voll echten Lebens. Sie sind fast immer liebevoll - heiter, öfter mit etwas Humor durchzogen. In späteren Jahren entstanden auch mehr "realistische" Gedichte. So z.B. das Gedicht "Septembermorgen":

Im Nebel ruhet noch die Welt,
noch träumen Wald und Wiesen.
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt
in warmem Golde fließen.

Politik interessierte Mörike nicht. Revolution lehnte er ab. Er sagte einmal, er hätte "einen Ekel gegen Heines politisches Wischiwaschi".

Im Alter trennte sich Mörike von seiner Frau. So war er in seinen letzten Jahren einsam, kränklich und unversorgt. 1874 starb er in Stuttgart. Auf dem Sterbebett hat er sich wieder mit seiner Frau versöhnt.

Wilhelm Busch

Ach, was muss man oft von bösen
Kindern hören oder lesen!!
Wie zum Beispiel hier von diesen,
Welche Max und Moritz hießen;

Mit diesen Worten beginnt die bekannte und beliebte Lausbubengeschichte von Max und Moritz. Geschrieben wurde sie von dem Kunstmaler und Dichter Wilhelm Busch, der dadurch berühmt wurde. Wer aber war dieser Wilhelm Busch eigentlich?

Geboren wurde Wilhelm Busch am 15. April 1832 im niedersächsischen Ort Wiedensahl. In seinem 9. Lebensjahr musste er sein Elternhaus verlassen, weil es keinen Platz mehr im Haus gab. Er ging zu seinem Onkel, von dem er unterrichtet wurde.

Sein Vater wollte, dass er Maschinenbau studierte, obwohl seine Begabung mehr beim Zeichnen und Malen lag. Mit 19 Jahren setze der Sohn sich durch und begann ein Kunststudium in Düsseldorf. Bald darauf ging er nach Antwerpen und schließlich auf die Kunstakademie nach München. Künstlerisch geprägt wurde er vor allem durch den niederländischen Maler Peter Paul Rubens, den er wegen "seiner göttlichen Leichtigkeit der Darstellung" sehr verehrte.

Zweifel, Freundschaften und wegweisende Entscheidungen

In München, wo er ab 1854 lebte und studierte, fand er zwar zuerst keine berufliche Erfüllung, dafür aber Freunde und entscheidende Wegweisungen für sein weiteres Leben. Er zweifelte anfangs daran, ob er es "je recht gewagt hätte, sein Brot mit Malen zu verdienen." Ab 1858 arbeitete er für die "Fliegenden Blätter" und den "Münchener Bilderbogen". Der Herausgeber dieser satirischen Blätter, Caspar Braun, wurde sein Freund und Förderer. Ein Jahrzehnt nach der gescheiterten Revolution von 1848 gab es eine große Nachfrage nach Publikationen dieser Art, da offene Kritik nur schwer möglich war. Sein Verleger erkannte Buschs scharfe gesellschaftskritische Beobachtungsgabe und neben seinem zeichnerischen auch sein dichterisches Talent. Wilhelm Busch schrieb später hierzu Folgendes: "Kein Ding sieht so aus, wie es ist. Am wenigsten der Mensch, dieser lederne Sack voller Kniffe und Pfiffe. Und auch abgesehen von den Kapriolen und Masken der Eitelkeit. Immer wenn man was will, muss man sich auf die zweifelhafte Dienerschaft des Kopfes und der Köpfe verlassen und erfährt nie recht, was passiert ist."


Bildergeschichten mit Millionenauflage

Der entscheidende Durchbruch als Künstler kam 1865 mit "Max und Moritz". Sein gewitzter Verleger erkannte die Erfolgschancen dieser Bildergeschichte sofort. Er gab die Bilderfolge als eigenständiges Buch heraus und erreichte damit in kurzer Zeit eine Auflage in Millionenhöhe. Es war der Auftakt für eine Reihe von großen Bildergeschichten, in denen die herrschende Moral seiner Zeit satirisch durchleuchtet wurde.


Weitere Werke waren unter anderem: "Die fromme Helene" (1872), "Fipps der Affe" (1879), "Maler Klecksel" (1884). 1874 erschienen ein Gedichtband und zwei Erzählungen. Dem selbstgerechten Bürger hielt Busch mit ironischen Übertreibungen einen Spiegel vor. Die Entlarvung des fadenscheinigen Spießbürgers und seiner Moral nötigte selbst Historikern Respekt und Anerkennung ab. Die treffliche Charakterisierung seiner Zeitgenossen zeigte auch, dass Wilhelm Busch kein oberflächlicher Mensch war und hinter den lustigen Bildergeschichten immer auch eine gehörige Portion ernüchternde Ernsthaftigkeit steckte.

Rückzug aus der Gesellschaft

Nachdem er viele Jahre in München gelebt und gearbeitet hatte, kehrte er der hektischen Weltstadt 1898 den Rücken und zog alleine nach Mechtshausen im Harz. Wilhelm Busch war eher ein scheuer und nachdenklicher Mensch, der den Rummel um seine Person nicht mochte. Seinen Ruhm bezeichnete er als "Schwindelware". Am 9. Januar 1908 starb er abgeschieden von der Außenwelt in seinem Haus. Bis heute ist er mit seinen unvergesslichen Bildergeschichten für viele Generationen ein Begriff.

Heinrich Mann, der "deutsche Europäer"


Heinrich Mann im Jahr 1906 (Bild: Bundesarchiv-Bildarchiv, Potsdamer Str.1, 56075 Koblenz)

Heinrich Mann (1871-1950), der engagierte gesellschaftskritische Satiriker und Chronist seiner Zeit, stand viele Jahre im Schatten seines Schriftsteller-Bruders Thomas Mann und wurde erst seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts von der breiten literarischen Öffentlichkeit geschätzt.

Eine ungewöhnliche Karriere

Heinrich Mann entstammt einer hoch angesehenen Lübecker Kaufmannsfamilie. Seinem Vater, dem Senator Johann Thomas Mann, lag das öffentliche Wohl der Stadt sehr am Herzen, er unterstützte tatkräftig arme, ins Unglück geratene Bürger. Als ältester Sohn war Heinrich Mann dazu bestimmt, die alte Handelsfirma zu übernehmen. Er erhielt eine vorzügliche Bildung am Gymnasium. Jedoch ließ er es an Fleiß und Aufmerksamkeit fehlen, wie ihm die Lehrer wiederholt bestätigten. Zur großen Enttäuschung der Eltern verlässt er vorzeitig das Gymnasium und beginnt 1889 eine Lehre als Buchhändler in Dresden, die er jedoch nach einem Jahr abbricht. Danach arbeitet er als Volontär im S. Fischer Verlag Berlin und bestreitet seinen Lebensunterhalt notdürftig aus dem Anteil an den Vermögenszinsen, die er nach dem Tod des Vaters ererbt hat. Hier in Berlin entstehen seine ersten literarischen Versuche: Kurzerzählungen und Theaterkritiken. Trotz seiner labilen Gesundheit wechselt H. Mann in den folgenden Jahren häufig seinen Wohnsitz, lebt in Frankreich und Italien. Nach der Novelle "Das Wunderbare" erscheint 1903 der dreiteilige Roman "Die Göttinnen". Während in den Frühwerken noch ästhetisch-emotionale Themen im Mittelpunkt standen, treten in den folgenden Werken zunehmend zeitkritisch satirische Züge in den Vordergrund, so in dem Roman "Im Schlaraffenland"(1900), der den Untertitel trägt "Ein Roman unter feinen Leuten." Als wichtig gilt, zur "feinen Gesellschaft" dazuzugehören.

Ein brillanter Satiriker

Als brillanter Satiriker erweist sich H. Mann auch in dem Roman "Professor Unrat"(1905). In der Gestalt des Gymnasialprofessors Raat - von allen Schülern nur "Unrat" genannt -, kritisiert der Schriftsteller mit erbarmungsloser Schärfe das übersteigerte Autoritätsdenken zu Anfang des 20. Jahrhunderts, wobei die Schule ihm nur als Modell dient. Das Buch wird 1931 nach einem Drehbuch von Carl Zuckmayer unter dem Titel "Der Blaue Engel" mit Marlene Dietrich und Emil Jannings in den Hauptrollen verfilmt.

In dem folgenden Roman "Der Untertan" (1916) wird der militaristische Ungeist, der geradewegs in den 1. Weltkrieg führte, angeprangert. Der Roman zeichnet ein sarkastisches Porträt des deutschen Spießbürgers ohne besondere Talente, dessen einziger Ehrgeiz die unbedingte Nähe zu den Herrschenden und zur Macht darstellt und der durch seinen Untertanengeist eine große politische Gefahr ist.

Im Jahr 1914 brachen die Beziehungen zwischen Heinrich und seinem Bruder Thomas Mann völlig ab. Ursache war die Bejahung des Krieges durch Thomas Mann. Heinrich Mann hingegen verfasst mehrere Essays, in denen er die national-chauvinistische Stimmung in Deutschland scharf verurteilt. Er setzt sich konsequent für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich ein auf der Basis demokratischer Strukturen, auch in den Jahren der Weimarer Republik.

In der Emigration

Als einer der ersten Intellektuellen wird Heinrich Mann nach der Machtergreifung Hitlers ausgebürgert und emigriert noch im Jahr 1933 nach Frankreich. Im französischen Exil schreibt er gemeinsam mit Andre Gide und Lion Feuchtwanger für antifaschistische Zeitschriften. Bis 1940 lebt er in Nizza, wo er seine historische Romantrilogie über Heinrich IV. vollendet. 1940 flieht er aus dem besetzten Frankreich über Spanien und Portugal nach Los Angeles/USA. Wie viele Intellektuelle leidet Heinrich Mann sehr unter dem Verlust der Muttersprache und der eigenen Kultur.

1942 vollendet er sein großes Werk "Ein Zeitalter wird besichtigt". Dieses Werk ist mehr als eine Autobiografie: H. Mann betrachtet Europa seit der Aufklärung, er schreibt über seine Liebe zu Frankreich, seine Sympathien für die Ideen der Französischen Revolution von 1789, über die Hintergründe des Scheiterns der Weimarer Republik in Deutschland und den Verfall des intellektuellen und politischen Lebens nach der Machtergreifung Hitlers. Eine Veröffentlichung dieses Alterswerks in den USA scheitert jedoch. Die materielle Situation des Schriftstellers bleibt weiterhin sehr angespannt. Er ist auf finanzielle Zuwendungen seines Bruders Thomas angewiesen, mit dem er sich im Exil ausgesöhnt hat. Nach dem Selbstmord seiner Frau leidet H. Mann häufig an Depressionen. Er stirbt 1950 in Santa Monica/Kalifornien kurz vor seiner geplanten Rückkehr nach Ostberlin, wo ihm die Präsidentschaft der Deutschen Akademie der Künste der DDR angeboten worden war.

Heinrich Mann gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter engagierter gesellschaftskritischer Literatur im Deutschland der Weimarer Republik und als klassischer Autor der Moderne.

Alexander von Humboldt (1756-1859), der letzte Universalgelehrte

"Es ist ein Treiben in mir"

Kein anderer Mensch hat die Weltkarte so nachhaltig mit seinem Namen markiert; sei es der Humboldtstrom in Südamerika, der Berg Peak Humboldt in Venezuela, der Humboldt Peak in Colorado. Städte, Berge, Flüsse und außerdem zahlreiche Tier-und Pflanzennamen erinnern noch heute an den bedeutenden Naturforscher. Schon Johann Wolfgang von Goethe hatte Humboldts Vielseitigkeit mit folgenden Worten gepriesen: "Wohin man blickt, er ist überall zu Hause und überschüttet uns mit geistigen Schätzen. Er gleicht einem Brunnen mit vielen Röhren, wo es immer erquicklich und unerschöpflich entgegen strömt."

Heute schätzen ihn Botaniker als Pionier der Pflanzengeographie, einen Wissenschaftszweig, den er begründete. Humboldt war uneigennütziger Förderer junger Naturwissenschaftler, Kulturwissenschaftler wie Manfred Osten, ehemaliger Generalsekretär der Alexander- von- Humboldt- Stiftung feiern Humboldt als "letzten Universalgelehrten der Geschichte". Neben der Erforschung des einzelnen Gegenstandes auf verschiedenen Gebieten war es stets sein Ziel, die inneren Zusammenhänge, die Gesetzlichkeit in der Entwicklung der Natur zu ergründen und in Beziehung zu setzen zu "benachbarten" Forschungsgegenständen. Somit können wir ihn heute - modern ausgedrückt- als einen der Begründer der interdisziplinären Forschung betrachten.

Als Alexander von Humboldt vor 150 Jahren in Berlin starb, war er fast 90 Jahre alt. Dabei hatte er sich im Laufe seines Lebens einer Gefahr nach der anderen ausgesetzt: Die Wirkung elektrischer Aale hatte er in Südamerika am eigenen Leib überprüft. Er hatte das Lianen-Gift "Curare" getrunken, um zu beweisen, dass es nur durch direkten Blutkontakt tödlich wirkt. Mit leichten Lederschuhen stieg er auf den über 6000 Meter hohen Chimborazo in Ecuador, den er für den höchsten Berg der Welt hielt. Etwa 600 Meter vor dem Gipfel musste er jedoch umkehren. Als erster hat Humboldt die Symptome der Höhenkrankheit beschrieben.

Geboren wurde A .v. Humboldt am 14. September 1769 in Berlin als Sohn einer wohlhabenden preußischen Adelsfamilie. Er interessierte sich, anders als sein philologisch orientierter älterer Bruder Wilhelm, schon früh für Naturgeschichte. An den Universitäten Frankfurt/Oder und Göttingen studierte er Naturwissenschaften, ging dann aber auf Drängen seiner verwitweten Mutter als Student der Staatswirtschaftslehre nach Hamburg, danach an die Bergakademie nach Freiberg in Sachsen, um sich auf den höheren Staatsdienst vorzubereiten. Als Bergassessor bewies er sein soziales Engagement: Er gründete auf eigene Kosten eine "Bergschule" zur kostenlosen Ausbildung der Bergarbeiter, für die er auch Atemschutzgeräte und Grubenlampen entwickelte.

1796 begab sich A. v. Humboldt nach Paris, wo er den Arzt und Botaniker Aime Bonpland kennen lernte. Gemeinsam bereiteten sie ihre erste Expedition vor. Diese führte 1799 zwar nicht wie geplant an den Südpol, sondern nach Venezuela. Dort lernte Humboldt die Sklaverei in ihrer schlimmsten Form kennen. Erschüttert von diesen Eindrücken, schrieb er eindringliche Appelle für die " allgemeine Humanisierung", die allerdings an den Zuständen im Lande nichts bewirkten. "Alle Menschen sind gleichmäßig zur Freiheit bestimmt", schrieb Humboldt in seinem Tagebuch. Humboldt fuhr in einem Indianerboot den Orinoco hinauf und entdeckte einen Wasserarm, der das Flusssystem des Orinoco mit dem des Amazonas verband. Die Quelle des Orinoco blieb zwar weiterhin unbekannt, doch zwischen "indianischen Tigern" und "mehr Mücken als Luft" sammelte Humboldt etwa 6000, darunter 3600 bisher unbekannte Pflanzenarten. Mit seinem Reisebegleiter Bonpland setzte er nach Kuba über, reiste weiter nach Kolumbien, Ecuador und Peru, wo er den Guano als Dünger entdeckte. Über Mexiko reiste er in die USA, dort bereitete ihm Präsident Thomas Jefferson einen ehrenvollen Empfang. Als die Pariser Humboldt bei seiner Rückkehr im Jahre 1804 wie einen Helden feierten, soll Kaiser Napoleon äußerst eifersüchtig auf die erfolgreichen Forscher gewesen sein. In den folgenden Jahren wertete Humboldt die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Expedition aus. Es entstand ein umfangreiches Werk in 33 Bänden. Neben Botanik, Zoologie, Meteorologie sind darin auch für die damalige Zeit einzigartige neue Erkenntnisse über Wirtschaftsgeographie und Ethnologie zusammen getragen. Wegweisend waren seine Forschungen auch auf dem Gebiet der Meteorologie: Humboldt untersuchte die Zusammensetzung der Atmosphäre. Er hatte die gesetzmäßige Abnahme der Temperatur mit zunehmender Höhe erkannt und zeichnete 1817 die erste Isothermenkarte der Erde. Da Humboldts finanzielle Mittel durch die ausgedehnten Expeditionen aufgebraucht waren, nahm er die Einladung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. nach Berlin an. Er wurde königlicher Kammerherr und begann nebenbei eine umfangreiche Vorlesungstätigkeit an wissenschaftlichen Einrichtungen.

Im Jahr 1829 nahm Humboldt nochmals als Geologe an einer Expedition teil, diese führte ihn nach Sibirien, wo im Auftrag des russischen Zaren Nikolai I. die Diamantenvorkommen untersucht wurden. Weiter reiste er in den Ural, ins Altai Gebirge und bis ans Kaspische Meer. Nach seiner Rückkehr nach Berlin arbeitete Humboldt bis zu seinem Tod an seinem Lebenswerk, einer "physischen Weltbeschreibung", die er unter dem Titel "Kosmos" herausgab. Jedoch konnte er dieses Werk nicht mehr vollenden. Zwischen 1845-1862 waren insgesamt fünf Bände erschienen. Erst nach seinem Tod wurde sein literarisch und wissenschaftlich interessanter Briefwechsel mit Johann Wolfgang von Goethe, Varnhagen und den Naturwissenschaftlern Bunsen und Gauß, sowie mit seinem Bruder, dem bedeutenden Philologen Wilhelm von Humboldt, veröffentlicht.

Mozart - ein Wunder der Musik

Ein Wunderkind

Viele kennen die „Kleine Nachtmusik“ und wissen vielleicht auch, dass sie von Mozart stammt. Aber ist uns auch bewusst, dass dieser Mann eins der größten Musikergenies war? Er wurde nur 35 Jahre alt und hat über 600 Werke geschaffen - eine unfassbare Leistung in solch einem kurzen Leben. Und dabei ist seine Musik von einer Schönheit wie die keines anderen Komponisten. Viele Komponisten werden bewundert - Mozart wird weltweit geliebt.

Mozarts Vater Leopold, ein berühmter Musikpädagoge, war Deutscher und stammte aus Augsburg in Süddeutschland. In Salzburg in Österreich wurde am 27. Januar 1756 sein Sohn Wolfgang Amadeus geboren.

Der kleine Wolfgang war ein musikalisches Wunderkind. Liebevoll und streng gab ihm der Vater eine gute musikalische Ausbildung. Mit fünf Jahren komponierte er ein erstes kleines Klavierstück.

Reisen durch Europa

Von Wolfgangs sechstem Lebensjahr an machte der Vater mit ihm und seiner Schwester immer wieder Konzertreisen durch halb Europa, bis hin nach Paris und London. Überall fand der junge Mozart begeisterte Aufnahme. Die adlige Gesellschaft staunte über das virtuose Klavierspiel des Kleinen und war begeistert.

1764 komponierte Wolfgang die ersten Violinsonaten und seine erste Sinfonie, mit 12 Jahren die erste Oper. In Rom beim Papst schrieb er eine neunstimmige Messe, die nicht gedruckt werden durfte, nach zweimaligem Hören auswendig nieder!

Unbefriedigt in Salzburg

1772 fand Mozart eine Anstellung als Konzertmeister in der Hofkapelle des Salzburger Erzbischofs. Hier entstanden unter anderem viele Messen für den Gottesdienst. Aber der Erzbischof behandelte ihn wie einen Lakaien.

Mozart war sich durchaus seines überdurchschnittlichen musikalischen Könnens bewusst, deshalb litt er unter der schlechten Behandlung durch den Erzbischof. 1781 kündigte er nach einem Streit mit ihm seine Stellung dort und ging nach Wien.

Keine Anstellung

In Wien fand Mozart nicht die erhoffte ehrenvolle Anstellung, weder am Hof des Kaisers Josef II. noch anderswo. Man erkannte zwar sein Können, aber er ging in allem und so auch musikalisch seinen eigenen Weg. Womöglich war seine Musik deshalb für manchen zu „schwierig“.

Vielleicht misstraute man ihm auch wegen seiner freien Meinungen. Er kritisierte leicht Menschen und Autoritäten, so z.B. auch die katholische Kirche, obwohl er sich dem Christentum in bestimmter Weise verbunden fühlte. Er trat in den Freimaurerorden ein, weil er hier als gleichberechtigt anerkannt wurde.

Triumphe in Wien

Trotzdem waren Mozarts erste Wiener Jahre gute Jahre. Er heiratete Constanze Weber und war glücklich mit ihr. Seine Liebe zu ihr spricht aus der ersten seiner vier Opern „Die Entführung aus dem Serail“. 1786 folgte die Oper „Figaros Hochzeit“. Der ältere Josef Haydn wurde sein Freund und bewunderte ihn. Diese Jahre waren die glücklichsten im Leben Mozarts. Auch finanziell ging es ihm relativ gut.

Es geht abwärts

Aber dann blieben die Besucher aus seinen Konzerten fort. 1787 begeisterten sich die Prager zwar noch einmal an seiner neuen Oper „Don Giovanni“. Aber Mozart und seine Frau waren beide großzügig im Geldausgeben. So hatte er oft kein Geld und musste demütigende Bettelbriefe an seine Bekannten schreiben.

Auch jetzt noch entstanden herrliche Werke. So die kraftvolle Jupiter-Sinfonie, die aber kaum aufgeführt wurde. In Mozarts Musik mischten sich jetzt immer mehr entsagende, traurige Töne.

1791 wurde seine letzte Oper „Die Zauberflöte“, eine Märchenoper mit freimaurerischen Gedanken, uraufgeführt. Wenige Wochen später starb Mozart. Sein Requiem blieb unvollendet. In einem unbekannten Grab für arme Leute wurde er beerdigt - eins der größten musikalischen Genies.

Leben und Leiden des Georg Trakl

Geboren wurde der österreichische Dichter am 3.2.1887 in Salzburg. Sein Vater war ein Händler für Eisenwaren und ein fröhlicher, lebenslustiger Mensch. Seine Mutter war neurotisch veranlagt und liebte die Kunst. Georg Trakl wuchs äußerlich wohlbehütet als viertes von sechs Kindern auf. Von 1897 bis 1905 besuchte er das humanistische Staatsgymnasium. In den Schulfächern Latein, Griechisch und Mathematik waren seine Leistungen gering. Deshalb wurde er zweimal während seiner Schulzeit nicht versetzt. Danach entschloss er sich, in der Hauptstadt Wien ab 1908 Pharmazie zu studieren. Er wollte Apotheker werden.

Veröffentlichung erster Gedichte

Durch Kontakte zum „Akademischen Verband für Literatur und Musik“ wurden seine ersten Werke in der Zeitschrift „Der Brenner“ veröffentlicht. Der Herausgeber unterstützte ihn und erkannte die große literarische Begabung von Georg Trakl. 1910, im Todesjahr seines Vaters, schloss er mühsam sein Studium als Magister der Pharmazie ab und lebte ab 1912 in der Stadt Innsbruck. Danach meldete sich Trakl freiwillig für ein Jahr zum Militär als Medikamentenbeamter. Als Apotheker arbeitete er abwechselnd in Salzburg, Wien und Innsbruck. Aber er hielt es nirgends lange aus. Georg Trakl war ein schwermütiger und unruhiger Einzelgänger. Nur zu seiner Schwester Margarethe (Grethe) hatte er einen starken Bezug. Er konnte das Leben nur sehr schwer ertragen und stürzte sich immer wieder in übermäßigen Drogen- und Alkoholkonsum. Margarete hielt zu ihm, sie teilte auch seine Abhängigkeit von den Drogen. Sie studierte Musik in Wien und später in Berlin. Georg war sehr eifersüchtig und ertrug es nur mit innerlichen Qualen , wenn seine kleine Schwester mit anderen Männern zusammen war.

Ein entscheidendes Erlebnis

Im Jahre 1912 heiratete „Grethe“ einen deutschen Buchhändler in Berlin. Georg versetzte dies in einen Schockzustand und löste seine kreativste dichterische Lebensphase aus. Sein dichterisches Werk ist geprägt von Trauer, Angst, Schwermut und der Suche nach dem Sinn des Lebens. Die bildhafte Sprache seiner Gedichte war von großer düsterer Kraft und Farbenpracht. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter des österreichischen Expressionismus . Trakl verstand es, seine tiefsten schmerzhaften Empfindungen in Worte zu fassen und ihnen einen unvergleichlichen Ausdruck zu verleihen. Dabei ließ er sich auch in seinen Motiven von den antiken Mythen beeinflussen wie zum Beispiel in seinem Gedicht „Orpheus“. Auch die Bildwelt des Christentums hatte ihn inspiriert. Bei Kriegsausbruch (1914) rückte er als Medikamentenbetreuer nach Galizien (Ukraine) und musste nach der blutigen Schlacht bei Grodek/Rawa-Ruska alleine für neunzig Schwerverwundete in einer Scheune die Betreuung übernehmen. Trakl erlitt einen Nervenzusammenbruch und wurde von seinen Kameraden daran gehindert, sich selbst zu erschießen.

Ein frühes Ende

Weil er einen schweren seelischen Schock bekommen hatte, wurde er schließlich zur Beobachtung nach Krakau überführt. Dort starb er im Alter von 27 Jahren an einer Kokainvergiftung. Man ist sich heute nicht sicher, ob es sich dabei um einen Selbstmord oder um einen Unglücksfall handelte. Wie seine Schwester darauf reagierte ist weithin unbekannt. Man weiß nur, daß sie eine Schwangerschaft abgebrochen hat und sich drei Jahre nach dem Tod des Bruders selbst erschossen hat. Ihre Ehe war nicht glücklich. Die tiefsinnigen Gedichte Georg Trakls in der ihm eigenen Sprache sind das Spiegelbild einer zerfallenden Welt und treffender Ausdruck einer scheinbar zusammenhanglosen Bilderfülle. Die Tiefe seiner Werke ist auch heute kaum ergründbar. In der Bibel steht: „Nichts ist so abgründig wie das menschliche Herz. Voll Unheil ist es; wer kann es durchschauen? (Jer. 17,9).“ Gott aber kann es!

Die Brüder Grimm: Jacob und Wilhelm Grimm

Am 4.Januar 1785 wurde Jacob Grimm in Hanau geboren, sein Bruder Wilhelm am 24.Februar 1786. So unzertrennlich wie ihre Namen heute noch sind, lebten die Brüder ihr ganzes Leben lang. Nach dem frühen Tod des Vaters wuchsen sie in sehr bescheidenen Verhältnissen auf.


Jacob und Wilhelm Grimm (Bild: Wikipadia Commons)
Die finanzielle Unterstützung einer Tante ermöglichte ihnen ein Jurastudium in Marburg. Fast gleichzeitig entdeckten die Brüder ihre Neigung für alte Sprachen und Dichtung, deren Erforschung sie ihr weiteres Leben widmeten. Gemeinsam veröffentlichten sie eine Sammlung von deutschen Volksliedern und in den Jahren 1812-1814 die weltbekannt gewordenen „Kinder- und Hausmärchen“ in 2 Bänden, die neben 60 Märchen alle Formen der Volkspoesie enthalten wie Legenden, Scherz- und Gruselgeschichten, sowie Tiererzählungen. Nach einer Tätigkeit im Auswärtigen Amt ging Wilhelm Grimm 1814 als Bibliothekar nach Kassel, wenig später folgte ihm Jacob nach. Auch Wilhelms Heirat im Jahre 1825 änderte nichts daran, dass der Lebensweg der beiden Brüder weiterhin parallel verlief. Sie nahmen beide einen Ruf an die Universität Göttingen an, teilten dort die Wohnung und arbeiteten Tür an Tür.
1840 wurden die Brüder von König Friedrich Wilhelm IV. an die Akademie nach Berlin berufen. In Berlin begannen die Brüder ihr gemeinsames Lebenswerk, die Erarbeitung eines „Deutschen Wörterbuchs“, das den Wortschatz der deutschen Sprache aus 400 Jahren in alphabetischer Reihenfolge erfassen und für jedermann verständlich erklären sollte.

Die Brüder Grimm hatten das Wörterbuch zunächst auf 4-6 Bände geplant und glaubten, diese Arbeit in vier Jahren bewältigen zu können. Seine Vollendung dauerte jedoch 100 Jahre, denn erst 1961 kam es zu einem vorläufigen Abschluss. Aus den geplanten 4-6 Bänden wurden 33 Bände. Es ist bis heute das umfangreichste und wissenschaftlich bedeutendste Wörterbuch der deutschen Sprache.

Jacob Grimms Leben war äußerlich bewegter als das seines Bruders. Er arbeitete als Sekretär in öffentlichen Aufgaben, doch ließen ihm seine Amtsgeschäfte genügend Zeit für wissenschaftliche Studien. So arbeitete er nebenbei intensiv an seiner „Deutschen Grammatik“, mit der er die deutsche Philologie begründete.

Hans im Glück

Hans hatte sieben Jahre bei seinem Herrn gedient, da sagte er eines Tages zu ihm: „Herr, meine Zeit ist um, gebt mir meinen Lohn, ich möchte nach Hause zu meiner Mutter zurückkehren.“ Der Herr antwortete: „Du hast treu und fleißig gearbeitet. Wie deine Arbeit war, so soll dein Lohn sein.“ Und er gab Hans ein großes Goldstück.


Hans wickelte das Goldstück in ein Tuch und legte es sich auf die Schulter und machte sich auf den Heimweg. Da kam ihm ein Reiter entgegen. „Ach“, sprach Hans ganz laut, „was ist Reiten doch so schön. Da sitzt man hoch oben, stößt sich an keinen Stein, schont die Schuhe und kommt ohne Mühe schnell vorwärts.“ Der Reiter hielt sein Pferd an und rief: „Hallo Hans, warum gehst du zu Fuß und hast doch so schwer zu tragen?“ „Ich muss ja wohl“, antwortete Hans. „Ich habe einen Klumpen Gold heimzutragen. Der drückt mich auf die Schulter.“ „Weißt du was“, sagte der Reiter, „wir wollen tauschen. Ich gebe dir mein Pferd, und du gibst mir deinen Goldklumpen.“ „Von Herzen gern“, antwortete Hans. Der Reiter nahm das Gold, half Hans auf das Pferd, und dieser ritt - hopp, hopp - davon. Aber bald lief das Pferd so schnell, dass Hans sich nicht mehr im Sattel halten konnte und in einen Graben fiel.
Da kam ein Bauer daher, der eine Kuh vor sich her trieb. Der Bauer half Hans wieder auf die Beine, Hans bedankte sich und sagte: „Das Reiten macht keinen Spaß, da finde ich Eure Kuh besser, die so schön langsam läuft. Und von einer Kuh hat man hat man jeden Tag Milch, Butter und Käse.“

„Nun“, sprach der Bauer, „wenn du so großen Gefallen an meiner Kuh hast, so will ich sie dir gern für dein Pferd geben.“ Hans sagte froh ja. Wenn ich ein Stück Brot habe, so kann ich nun immer Butter und Käse dazu essen, hab ich Durst, so melke ich meine Kuh und trinke Milch. Herz, was willst du mehr, dachte Hans und zog mit der Kuh davon. Gegen Mittag brannte die Sonne immer heißer, und Hans wurde sehr durstig. Also band er seine Kuh an einen Baum und bemühte sich, die Kuh zu melken. Da er keinen Eimer hatte, legte er seine Ledermütze unter. Aber so sehr er sich auch bemühte, es kam kein Tropfen Milch. Und weil er so ungeschickt war, gab ihm die Kuh mit einem der Hinterfüße einen solchen Schlag vor den Kopf, dass er zu Boden stürzte und vor Schmerz fast wie betäubt war.

Glücklicherweise kam gerade ein Metzger vorbei, der auf einem Karren ein junges Schwein transportierte. „Ach“, sagte Hans, „wer so ein Schwein hat, dem geht`s wirklich gut. Wenn man es schlachtet, bekommt man saftigen Braten und viel gute Wurst.“ „Einverstanden“, sagte der Metzger. „Dir zuliebe will ich mein Schwein gegen deine Kuh tauschen.“

Hans zog ganz glücklich weiter, weil alles nach seinen Wünschen ging. Bald begegnete er einem Jungen, der eine große, schöne Gans unterm Arm trug. Sie machten gemeinsam Rast, und Hans erzählte, wie er immer so vorteilhaft getauscht hatte. Aber der Junge schüttelte bedenklich den Kopf. „Mit deinem Schwein ist wohl etwas nicht ganz richtig“, sagte er mit ernster Stimme.

„Im Dorf ist dem Bürgermeister ein Schwein aus dem Stall gestohlen worden. Ich fürchte, du hast dieses Schwein eingetauscht. Die Dorfleute suchen schon nach dem Dieb, und es wäre schrecklich für dich, wenn sie dich mit dem Schwein erwischten.“ Da erschrak Hans sehr. „Hilf mir doch, nimm das Schwein und gib mir die Gans“, bettelte er. Der Junge willigte ein und ging rasch davon. Hans freute sich und dachte: wie wird meine Mutter staunen, wenn sie die prächtige Gans sieht!

Als er in das nächste Dorf kam, stand da ein Scherenschleifer mit seinem Karren, der fragte Hans: „Wo hast du die schöne Gans gekauft?“ Hans antwortete: „Die habe ich nicht gekauft, sondern für ein Schwein eingetauscht.“ „Und das Schwein?“ „Das habe ich für eine Kuh bekommen.“ „Und die Kuh?“ „ Die habe ich für ein Pferd gekriegt.“ „Und das Pferd?“ „Dafür habe ich eine großen Klumpen Gold gegeben.“ „Und das Gold?“ „Das war mein Lohn für sieben Jahre Arbeit.“

„Wenn du deine Taschen immer voll Geld haben willst, so musst du dir einen Schleifstein kaufen und ein Schleifer werden. Da habe ich einen Wetzstein für dich, der ist zwar ein wenig schadhaft, aber ich will auch nicht mehr dafür als deine Gans.“ Hans dachte nach: Habe ich immer Geld in der Tasche, so bin ich der glücklichste Mensch in der Welt. Er gab dem Schleifer die Gans und nahm den Wetzstein.

Weil Hans seit dem frühen Morgen auf den Beinen war und große Strecke hinter sich hatte, wurde er müde. Er setzte sich an den Rand eines Brunnens, um auszuruhen und zu trinken. Den Wetzstein legte er neben sich auf den Brunnenrand. Er beugte sich ein wenig hinab, um zu trinken. Da fiel der Wetzstein plötzlich in den Brunnen. Hans sprang vor Freude auf. Er war so froh, dass er den schweren Stein nicht mehr schleppen musste. „Jetzt bin ich der glücklichste Mensch in der Welt, befreit von aller Last“, rief er erleichtert. Mit frohem Herzen lief er ganz schnell weiter, erreichte bald sein Heimatdorf und fiel seiner Mutter in die Arme.

Lessing – Kämpfer für Freiheit und Humanität

Wir genießen heute viele Freiheiten. Die wichtigsten sind in den „Menschenrechten“ zusammengefasst. Das war nicht immer so. Mit der „Aufklärung“ im 18. Jahrhundert begann der Kampf für persönliche Freiheit und Menschenrechte. Der bedeutendste Vorkämpfer dafür in Deutschland war Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781).

Lessing war Schriftsteller, ein bedeutender Essayist und Dramatiker. Er kämpfte für Toleranz und für eine edle Gesinnung unter den Menschen. So half er, den Humanismus der deutschen Klassik vorzubereiten.

„Eigenwillig und keck“, ein „feuriges Temperament“ – so wurde er in seinen Gymnasiums-Zeugnissen beurteilt. Seine Mitschüler nannten ihn „Admirabilis“, den „Bewundernswerten“, weil er auch dem Direktor zu widersprechen wagte.

Lessing stammte aus einem Pfarrhaus in Kamenz (Sachsen). Als Kind besuchte er keine öffentliche Schule, sondern bekam Privatunterricht. Nach dem Abitur an der Eliteschule St. Afra in Meißen (Sachsen) begann er in Leipzig, Theologie zu studieren. In dieser Zeit entwickelte sich sein Interesse für Literatur und Dichtkunst. Da er die Bürgschaft für verschuldete Schauspieler übernahm, musste er Leipzig verlassen, und so setzte er sein Studium in Berlin fort. Er wurde freier Schriftsteller.

In Berlin fand er interessante Gesprächspartner wie Voltaire und den weisen jüdischen Moralphilosophen Moses Mendelssohn. Im Siebenjährigen Krieg, angestellt als Sekretär bei der preußischen Armee, genoss er das freie Soldatenleben. In dieser Zeit schrieb er das Lustspiel „Minna von Barnhelm“, sowie zahlreiche Fabeln in Versen. Immer auf der Suche nach fortschrittlich gesinnten Menschen ging Lessing 1767 nach Hamburg an das dort gegründete deutsche Nationaltheater. Hier schrieb er die „Hamburgische Dramaturgie“.

Lessing erhoffte für Deutschland eine neue Blüte der deutschen Dichtung, wie sie kurz darauf mit Goethe, Schiller und anderen ja auch eintraf. Als Musterbeispiele dafür schrieb er mehrere Dramen. In der heute noch gespielten Komödie „Minna von Barnhelm“ gestaltete er echte Menschen seiner Zeit aus Fleisch und Blut, damals etwas Neues. In „Emilia Galotti“, dem ersten deutschen bürgerlichen Trauerspiel, kritisierte er die Willkürherrschaft der damaligen Fürsten.

In Hamburg veröffentlichte Lessing die anonymen „Fragmente eines Ungenannten“. Die eindeutig antichristlichen Tendenzen in dieser Schrift trugen Lessing scharfe Kritik von der Kirche ein. Er wehrte sich unter anderem mit dem Drama „Nathan der Weise“. Darin sagt Lessing durch die Person des weisen Juden Nathan: Die Menschen sollen sich in ihrer Verschiedenheit akzeptieren. Der Wert der Religionen besteht in ihrem Streben nach Wahrheit, nach tätiger Menschenliebe. Alle Religionen haben den gleichen wahren Kern: nämlich die Forderung, das Gute zu tun, sowie den allerdings sehr blassen Glauben an einen Weltschöpfer. Auf alles Übrige, also im Christentum z. B. auch auf die Erlösung durch Christus, kann und soll man verzichten.

Seine letzten Lebensjahre ab 1770 bis zu seinem Tod im Jahr 1781 verbrachte Lessing recht einsam und fast blind in dem kleinen Wolfenbüttel. Dort war er Bibliothekar beim Herzog von Braunschweig und verwaltete dessen weltberühmte Bibliothek. In seiner letzten Schrift „Die Erziehung des Menschengeschlechts“ sieht er die Menschheit auf dem Weg zu immer größerer Vollkommenheit. Maßgebend ist nach Ansicht Lessings allein das sittliche Verhalten des einzelnen Menschen.

Wir sind dankbar für unsere heutige Freiheit, die Lessing, neben anderen, für uns erkämpft hat. Wir sehen jedoch heute auch die Gefahren von zu viel Freiheit: Anwachsen des Drogenmissbrauchs und der Kriminalität, der Profitgier in der Wirtschaft, der Ehescheidungen, des Terrorismus. Deshalb ist es die Frage, ob die Menschheit sich heute wirklich auf dem Weg zum Besseren befindet.

Viele Christen bekennen: Nur durch Jesus, durch seine Erlösung am Kreuz, bin ich frei geworden und werde immer mehr frei von meinen Fehlern. Wir Menschen brauchen Gott, wenn uns wirklich geholfen werden soll.

Freud - Entdecker der kranken Seele

Das Unbewußte

Wir können körperlich gesund und doch krank sein. Zum Beispiel Magenschmerzen oder Herzstörungen haben, oder unter Depressionen leiden, unter Ängsten, Süchten, Zwangs-handlungen. Dann ist unsere Seele krank. Die Seele als Krankheitsursache entdeckt zu haben ist das Verdienst von Sigmund Freud.

Freud wurde 1856, also vor 150 Jahren, in Freiberg in der heutigen Slowakei geboren. Das Land gehörte damals zur österreichisch-ungarischen Monarchie. Seine Eltern waren Juden. Freud fühlte sich geistig immer als Deutscher, bis in Deutschland der Antisemitismus mächtig wurde.

Er heiratete eine deutsche Jüdin, mit der er sechs Kinder hatte. Die Ehe war gut. Trotz seiner revolutionären Entdeckungen war Freud in seinem Lebensstil konservativ.

Freud wurde Arzt in Wien. Durch Behandlung seelisch Kranker fand er heraus: Wenn diese Kranken spontan alles sagen konnten, was ihnen zu wichtigen Dingen einfiel, z.B. ihren Eltern oder einem wichtigen Ereignis, dann wurden dadurch seelische Störungen bei ihnen erkennbar. Diese konnte man dann behandeln und nach Möglichkeit beseitigen. Auch in Träumen und Fehlleistungen treten aus dem Unbewußten Gedanken, Wünsche, Konflikte zutage.

Freud benutzte für seine Patienten die berühmte Couch, damit diese ganz entspannt und offen reden konnten.

Der Ödipus-Komplex

Weiterhin entdeckte Freud: Jeder Junge ist als Kleinkind in seine Mutter verliebt, unbewußt auch sexuell, und auf seinen Vater eifersüchtig, jedes Mädchen in den Vater verliebt. Gelingt dem Jungen schließlich die Identifizierung mit dem Vater, so wird er ein seelisch gesunder Mann. Muss er seine Sexualität aufgrund der gesellschaftlichen Normen jedoch verdrängen oder weil der Vater ihn abstößt, können bei ihm seelische Störungen auftreten. Er kann sich nicht voll als Mann entwickeln mit der Hinwendung zum weiblichen Geschlecht und kann z.B. homosexuell werden. Bei den Mädchen ist es umgekehrt.

Freud nannte dies Verhalten den „Ödipus-Komplex“. Ödipus hat in der griechischen Sage seinen Vater getötet und seine Mutter geheiratet.

Freud sah den Geschlechtstrieb als den Zentraltrieb im Menschen. Aus der Verdrängung oder dem falschen Umgang mit der Sexualität in der Kindheit entstehen seiner Meinung nach die meisten Neurosen, seelische Störungen. Für die damalige Zeit war diese Behauptung ein Skandal.

Später stellte Freud neben den Geschlechtstrieb als Gegensatz den Zerstörungs- oder Todestrieb.

Freud wird berühmt

Freuds Psychoanalyse („Seelen-Erforschung“) wurde heftig bekämpft, gewann aber immer mehr Anhänger. Seit 1909 lehrte Freud an der Wiener Universität. Er wurde schließlich weltberühmt. Seine ursprünglichen Anhänger Adler und C. G. Jung trennten sich später von ihm.

Freud war Atheist. Er hielt die Religion für eine kollektive Neurose, eine falsche Wunsch-vorstellung. Sie würde schließlich durch die Wissenschaft überwunden werden. Die Zukunft der Menschheit sah er eher pessimistisch.

1923 bekam er Gaumenkrebs. Viele Operationen folgten. Als die Nazis 1938 Österreich mit Deutschland vereinigten, emigrierte er nach London, begleitet von seiner Lieblingstochter und Mitarbeiterin Anna. Dort starb er 1939 auf eigenen Wunsch durch eine Dosis Morphium.

Viele Behauptungen Freuds erweisen sich heute als übertrieben. So macht zum Beispiel die Religion die Menschen nicht neurotisch krank. Religiöse Menschen sind im Gegenteil durchschnittlich gesünder, glücklicher und langlebiger als nichtreligiöse, wie mehrfache Untersuchungen zeigen. Letztlich findet der Mensch seelische Heilung, inneren Frieden, nur in der Geborgenheit in Gott.

Aber vielen Menschen weltweit heute hilft die von Freud entwickelte Seelenerforschung, innerlich stabiler und lebenstüchtiger zu werden.

Glaubensstärke in dunkler Zeit

Zum 100. Geburtstag von Helmuth James Graf von Moltke (1907-1945)

Dem Christentum feindliche Ideologien wie der Nationalsozialismus und der Kommunismus haben im 20. Jahrhundert in Europa mit aller Macht versucht, ihre menschenverachtendeWeltanschauung an die Stelle christlicher Werte zu setzen. Mutige Menschen haben dagegen protestiert. Selbst der Tod konnte ihre Gewissheit nicht zerstören, dass Gott seinen Leuten auch in der finstersten Nacht die Treue hält.

Einer dieser Männer, die im Christentum die entscheidende Kraft beim Sturz der national-sozialistischen Herrschaft in Deutschland sahen, war Helmuth James Graf von Moltke, geboren am 11. März 1907 auf Schloss Kreisau in Niederschlesien. Das offene, liberale Denken der Eltern prägte den jungen Moltke. Er studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Breslau, Berlin und Wien. Neben dem Studium widmete er sich seiner eigentlichen Leidenschaft, der Politik. Er informierte sich über die politischen Programme der Parteien, beobachtete kritisch deren Praxis und entwickelte immer mehr Solidarität für die bedrohte Republik. Er verabscheute den Nationalsozialismus und alle Formen des Antisemitismus. 1929 legte Moltke sein Referendarexamen ab und übernahm im gleichen Jahr die Verwaltung des Gutes in Kreisau. 1931 heiratete er Freya Deichmann, die Tochter eines liberalen protestantischen Bankiers. Seine Frau teilte seine entschieden antinationalsozialistische Gesinnung. Was ihm seine Frau bedeutete, welch moralische Stütze sie ihm war, wird in den einzigartigen Briefen Moltkes an sie deutlich. Sie sind für uns bewegende Dokumente einer Liebe, die sich unter den Bedingungen eines totalitären Regimes und eines konspirativen[3] Widerstandes gegen die politischen Machthaber bewähren musste. Ab 1934 arbeitete Moltke als freier Rechtsanwalt in Berlin, während seine Frau mit den Kindern auf Gut Kreisau lebte. Moltke befasste sich vorrangig mit der Beratung und Verteidigung von jüdischen Mitbürgern und geriet so mehr und mehr ins Visier der Gestapo.

Nach der Annexion Österreichs und der Reichspogromnacht am 9. November 1938 nahm Moltke Kontakt zu Gegnern des NS-Regimes auf, die ihm von früher bekannt waren.

Im September 1939 wurde er dienstverpflichtet ins Amt für Auslandsabwehr, das von Admiral Canaris geleitet wurde. Durch diese Tätigkeit erhielt Moltke Einblick in die Pläne der Kriegsführung der Heeresleitung und erfuhr von den Verbrechen der SS-Sonderkommandos.
Er führte ein gefährliches politisch-konspiratives Doppelleben. Zusammen mit Peter Yorck von Wartenburg baute er eine eigene Widerstandsgruppe auf. Diese traf sich regelmäßig auf Gut Kreisau, um Pläne für die politische Neuordnung in Deutschland nach dem Sturz Hitlers zu entwickeln. In diesem Kreis, zu dem auch protestantische und katholische Theologen sowie Vertreter der Sozialdemokratie gehörten, wurde daneben intensiv über die Rolle der Kirchen beim Umsturz nachgedacht. Dabei wurden Fragen des christlichen Glaubens eingehend diskutiert. Alle Mitglieder des Kreisauer Kreises vereinte eine gemeinsame Erfahrung und Haltung: die Abscheu vor den Nazis, die für sie die Realität des Bösen darstellten, und das „Leiden an der Zeit“. Viele von ihnen, so auch Moltke, verarbeiteten diese Erfahrung durch eine bewusste Hinwendung zum christlichen Glauben. So entdeckten sie die einmalige Wahrheit der christlichen Botschaft für die Menschheit und für sich persönlich ganz neu. Immer häufiger las Moltke in der Bibel und suchte Trost in den sonntäglichen Gottesdiensten.
Die Gestapo entdeckte schließlich die führende Rolle Moltkes im Kreisauer Kreis. Am 19. Januar 1944 wurde Moltke zusammen mit einigen anderen verhaftet. Bis zu seiner Hinrichtung am 23. Januar 1945 in Berlin Plötzensee schreibt er an seine Frau Briefe, beeindruckende Zeugnisse des Widerstandes gegen die NS-Herrschaft aus christlicher Überzeugung. Im Angesicht des zu erwartenden Todesurteils spielt die Politik für Moltke kaum noch eine Rolle. Während der Verhandlung vor dem Volksgerichtshof wird klar, dass das Bekenntnis Moltkes und der Mitangeklagten des Kreisauer Kreises zum Christentum als das eigentliche Verbrechen gegen den Führer und das deutsche Volk gewertet wird. In einem seiner letzten Briefe schreibt Moltke ein paar Tage vor seiner Hinrichtung: „Es ist klar, dass ich verurteilt wurde nicht als Adliger, nicht als Deutscher, sondern als Christ und als gar nichts anderes … Wir haben einen Auftrag erfüllt. Der Herr hat uns wunderbar bis hierher geführt, er hat uns durch viele Zeichen gezeigt, dass er bei uns ist. Daraus schließe ich, dass er, wenn ich ständig darum bitte, uns spüren lassen wird, dass er bei uns ist. Das kann er am Galgen in Plötzensee genau so gut tun, wie in der Freiheit in Kreisau. … Mir antwortet er, wenn ich ihn frage: Lass Dir an meiner Gnade genügen.“

Am 23. Januar 1945 wurde Moltke zusammen mit vier Widerstandskämpfern hingerichtet. Der amerikanische Diplomat George Kennan, der Moltke lange Jahre kannte, schrieb im Rückblick: „Moltke war eine so große moralische Figur und zugleich ein Mann mit so umfassenden Ideen, wie mir im 2. Weltkrieg auf beiden Seiten der Front kein anderer begegnet ist. Als politischer Widerstandskämpfer war er sogleich ein Märtyrer der Kirche Jesu Christi.“

Paul Gerhardt - ein Meister des Kirchenliedes

Paul Gerhardt (1607-76) wurde am 12. März vor 400 Jahren in der kleinen Stadt Gräfenhainichen in Sachsen geboren. Seine Geburtsstadt liegt unweit der Lutherstadt Wittenberg. Sein Vater war Bürgermeister und Gastwirt, seine Vorfahren mütterlicherseits waren Pfarrer. Paul Gerhardt gilt neben Martin Luther als einer der bedeutendsten deutschen Dichter von Kirchenliedern. Seine Lieder werden auch in der katholischen Kirche und in Kirchen des Auslands gesungen. Aus seinen Versen spricht heiteres Gottvertrauen, doch erzählen sie auch viel von Angst und Bedrückung während der schrecklichen Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Paul Gerhardt ist durch viel Not gegangen. So hatte er schon mit 14 Jahren beide Eltern verloren. Und fast während der Hälfte seines Lebens tobte der furchtbare Dreißigjährige Krieg in Deutschland (1618-48). Viele Städte und Dörfer wurden damals zerstört, auch Paul Gerhardts Heimatstadt Gräfenhainichen. Unter diesen schmerzlichen Eindrücken sind wohl die folgenden Verse entstanden:

„Erhebe dich und steu`re dem Herzleid auf der Erd,
bring wieder und erneure die Wohlfahrt deiner Herd.
Lass blühen wie zuvor, die Länder, so verheeret,
die Kirchen, so zerstöret durch Krieg und Feuerszorn.
Du bist ein Geist ,der lehret, wie man recht beten soll;
dein Beten wird erhöret, dein Singen klinget wohl,
es steigt zum Himmel an, es lässt nicht ab und dringet,
bis der die Hilfe bringet, der allen helfen kann.“

Dichter des Gottvertrauensvertrauens

Trotz schwerer persönlicher Schicksalsschläge ruft der Dichter immer wieder zum Gottvertrauen auf. Sein wohl bekanntestes Lied lautet:

Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

Weil Paul Gerhardt selber viel Leid durchgemacht hat, kann er auch andere wunderbar trösten.

„Alles vergehet, Gott aber stehet ohn alles Wanken;
seine Gedanken, sein Wort und Wille hat ewigen Grund.
Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden,
heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen,
halten uns zeitlich und ewig gesund.“

Seine Sprache ist voll Innigkeit und Wärme. In seiner Bescheidenheit hat er seine Lieder nie selbst veröffentlicht.

Paul Gerhardt wollte Pfarrer werden. Nach dem Theologiestudium fand er jedoch in dem durch den Krieg verwüsteten Deutschland keine Pfarrstelle. 1643 zog er nach Berlin. Dort machte er Bekanntschaft mit Johann Crüger, dem führenden Kirchenmusiker der Stadt, der so Paul Gerhardts Verse kennenlernte. Crüger war begeistert von der gedanklichen Tiefe und Aussagekraft der Texte und veröffentlichte bis 1661 fast 100 von Gerhardts Liedern, die rasch über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt wurden. Zusammen mit seinem Nachfolger Ebeling hat er die mehr als 120 geistlichen Lieder Paul Gerhardts mit schönen Melodien vertont und herausgegeben.

So entstanden für das Kirchenjahr die Lieder: „Wie soll ich dich (Jesus) empfangen“ (Advent), „Ich steh an deiner Krippen hier“ (Weihnachten), „O Haupt voll Blut und Wunden“ (Passion), „Auf, auf, mein Herz, mit Freuden“ (Ostern) und das Bittlied um den Heiligen Geist „Zieh ein zu deinen Toren“ (Pfingsten).

Erst im Alter von 44 Jahren bekam er in dem Städtchen Mittenwalde bei Berlin eine Anstellung als Pfarrer. Jetzt sah er auch die materielle Grundlage für eine Heirat.

Freude und Dank

Ein zweites Thema neben dem Vertrauen auf Gott ist in Paul Gerhardts Liedern die Freude an Gott und der Dank an ihn für seine vielen guten Gaben an uns Menschen. Die erste Strophe seines „Sommerliedes“ lautet:

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.

1657 wurde Paul Gerhardt als Pfarrer nach Berlin berufen, wo jedoch neue Not auf ihn zukam. Dort bekämpften sich die Konfessionen der Lutheraner und Reformierten, obgleich beide evangelisch waren. Der damals in Brandenburg/Preußen regierende Große Kurfürst Friedrich Wilhelm I. trat diesem Streit energisch entgegen.

Der lutherische Paul Gerhardt war ein friedliebender, freundlicher, sensibler Mensch. Aber um seines Gewissens willen meinte er, in der Auseinandersetzung mit den Reformierten nicht schweigen zu dürfen. So hat der Große Kurfürst ihn schließlich 1668 als Pfarrer abgesetzt.

Nach nur 13 Jahren glücklicher Ehe starb Paul Gerhardts Frau mit 45 Jahren. Dies war für ihn ein tiefes Leid. Von seinen fünf Kindern starben vier sehr früh, nur ein Sohn blieb am Leben.

An Gott festgehalten

Am Schluss seines Lebens war Paul Gerhardt noch sieben Jahre Pfarrer in dem Städtchen Lübben. Jedoch hat er in seinen letzten Lebensjahren keine Lieder mehr verfasst. In all der vielen Not seines Lebens hat er an Gott festgehalten, und Gott hat ihn nie verlassen. Aber am Ende seines Lebens war er müde geworden:

So will ich zwar nun treiben
mein Leben durch die Welt.
Doch denk ich nicht zu bleiben
in diesem fremden Zelt.
Ich wandere meine Straße,
die zu der Heimat (dem Himmel) führt,
da mich ohn alle Maße
mein Vater trösten wird.

Am 27. Mai 1676 starb Paul Gerhardt, fast siebzig Jahre alt. In seinen Liedern lebt er bis heute fort. Paul Gerhardts Lieder haben sich über die ganze Welt verbreitet, sie wurden in viele Sprachen übersetzt. Unzählige Menschen haben daraus Kraft, Trost und Gottvertrauen geschöpft.

Richard Wagner und das Musikdrama

Wir kennen sicher die Musik von Mozart und Beethoven und hören sie wahrscheinlich auch gern. Aber Richard Wagner ist wohl den meisten nur dem Namen nach bekannt.

Das liegt daran, dass Wagner ein wagemutiger, eigenwilliger Neuerer war. Nicht jeder findet Gefallen an seiner Musik. Trotzdem war er ein musikalisches Genie.

Ein freiheitsliebender Wanderer

Wagner wurde 1813 in Leipzig in Sachsen geboren. Schon als Schüler interessierte er sich sehr für Musik, Dichtung und Theater. Er wünschte, wie viele Deutsche damals, mehr Freiheit für das Volk, mehr Demokratie, sowie auch die politische Einigung Deutschlands.

Zunächst führte Wagner als Musiker drei Jahrzehnte lang ein unruhiges Wanderleben (z. B. Königsberg, Riga, Paris, Dresden, Weimar, London, Moskau). Seine Werke mussten sich erst langsam durchsetzen. Eine früh geschlossene Ehe mit einer Schauspielerin verlief unglücklich und blieb kinderlos.

Mitunter musste Wagner vor seinen Gläubigern fliehen, weil er seine Schulden nicht bezahlen konnte. Er liebte teure Möbel, erlesene Stoffe und feine Düfte, durch die er zum Arbeiten angeregt wurde.

Wagner hatte 1849 in Dresden am Aufstand gegen den sächsischen König teilgenommen. Nur durch Zufall entging er seiner Verhaftung. Er musste daraufhin fliehen und über 10 Jahre im Ausland bleiben, bevor er wieder nach Deutschland zurückkehren durfte.

Große Musikdramen

Allmählich entstanden seine großen Musikdramen "Der fliegende Holländer", "Tannhäuser", "Lohengrin", "Tristan und Isolde", "Die Meistersinger von Nürnberg" und "Der Ring des Nibelungen" mit den Teilen "Das Rheingold", "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung". Die Stoffe dazu entnahm er meist der Welt der Sage.

Wagner wünschte eine Veränderung der Gesellschaft, Beseitigung alles "Reaktionären", Befreiung des Menschen von allen Fesseln des Staats, der Kirche, des Geldes. Er sympathisierte so auch mit den um ihre Rechte kämpfenden Arbeitern. Sein Ideal war der "neue freie Mensch". Von daher geht es in allen seinen Musikdramen irgendwie um "Erlösung des Menschen" (durch den Menschen).

Die Oper mit ihren Arien und ihrer "schönen" Musik hielt Wagner für oberflächlich. Immer mehr hat er seine Werke deshalb "durchkomponiert", das heißt; er hat sie statt mit Arien und Rezitativen mit einer einzigen durchlaufenden "unendlichen" Melodie versehen. Er verzichtete damit bewusst auf "Schönheit" und Volkstümlichkeit seiner Werke.

Auch die Textbücher für seine Musik schrieb Wagner selbst. Musik und Wort sind für ihn gleichberechtigt. Daher nennt man seine Werke "Musikdramen".

Wagner war überzeugt, dass das Kunstwerk der Zukunft die Vereinigung von Musik, Dichtung und Bild in einem einzigen Werk sein würde. Solch ein "Gesamtkunstwerk" besäße dann nach seiner Meinung sittlichen Tiefgang.

König Ludwig II. von Bayern bewunderte Wagners Musik. 1864 errettete er ihn aus verzweifelter Geldnot und wurde sein Freund. Seitdem unterstützte er Wagner finanziell großzügig. Mit seiner Hilfe konnte Wagner in Bayreuth das Festspielhaus für die Aufführung seiner Werke errichten und sein Wohnhaus "Wahnfried" erwerben.

Endlich hatte sich Wagner durchgesetzt und kam zur Ruhe. Seine Musik wurde von vielen bewundert, aber auch von nicht wenigen, z. B. Nietzsche, scharf kritisiert.

Wagner hatte mehrere Liebesbeziehungen zu Frauen. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er die von ihrem Mann geschiedene Cosima von Bülow, eine Tochter von Franz Liszt. Sie wurde ihm eine ideale Ergänzung. Mit ihr hatte er drei Kinder.

Als letztes Werk schrieb Wagner noch den "Parsifal". Er starb 1883 in Venedig.

Wagner war sehr temperamentvoll. Er liebte derbe Späße. Er war ungeheuer produktiv. In der Musik duldete er keinen neben sich. Sein Glaube war der Humanismus.

In seinen Schriften hat er Richtiges und Falsches gesagt, auch Deutsch-Nationales und Antisemitisches. Er war ein Freund der Fürsten und zugleich ein Umstürzler.

Von seiner Musik gingen starke Wirkungen aus. Zu den Wagner-Festspielen, die alljährlich im Sommer in Bayreuth stattfinden, strömen Tausende aus aller Welt.

Theodor Mommsen - ein großer Historiker

Auch Historiker beurteilen Geschehnisse nicht immer richtig. Deshalb forderte schon der griechische Geschichtsschreiber Thukydides: Ereignisse sollen so erzählt werden, wie sie passiert sind, ohne subjektive Beeinflussung. Dass ein Historiker trotzdem ein großer Wissenschaftler sein kann, zeigt das Beispiel von Theodor Mommsen. Er war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein bekannter Wortführer im Bismarck-Reich.

Mommsen wurde 1817 in Schleswig-Holstein als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren. Deutschland bestand damals aus zahlreichen Einzelstaaten (Preußen, Sachsen, Bayern usw.). Sie wurden jeweils von einem Fürsten und nicht von einem Parlament regiert. Viele Deutsche forderten deshalb in der Revolution von 1848 - allerdings vergeblich - die Vereinigung der deutschen Staaten zu einem deutschen Reich und die Regierung durch das Volk in einem Parlament.

Mommsen war Historiker und Jurist, aber auch Politiker. Auch er kämpfte zeitlebens für die Einheit Deutschlands und für eine parlamentarische Demokratie. Er gehörte zu der damals mächtigen liberalen Bewegung im deutschen Bürgertum und war ein Gegner der Konservativen und des Adels. Als Volksvertreter saß er im preußischen Abgeordnetenhaus und später im Reichstag. Er forderte möglichst viel Freiheit für den einzelnen. Seine Gedanken werden heute in Deutschland besonders von der FDP vertreten.

Mommsens historisches Interesse galt dem alten Rom. Zunächst war er Professor in Leipzig. Er wurde aber 1851 wegen seiner Kritik an der sächsischen Regierung abgesetzt. Für zwei Jahre ging er ins Ausland an die Universität Zürich. 1861 wurde er Professor für Römische Geschichte in Berlin. Er war auch Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften.

Seine wichtigsten Werke sind seine "Römische Geschichte" (1854-85) sowie "Römisches Staatsrecht" (1871-88) und "Römisches Strafrecht" (1899). Auch für die Inschriften - und Münzkunde sowie die Rechtsgeschichte lieferte er viele neue Erkenntnisse. Er verstand es meisterhaft, darzustellen und Kritik zu üben.

Mommsen war in seiner Beurteilung der Gegenwart wie der Vergangenheit nicht selten einseitig und widersprüchlich. So verherrlichte er den "liberalen" Cäsar und verdammte seinen "konservativen" Gegenspieler Cicero. Ebenso hasste er geradezu den konservativen "Junker" Bismarck als Vertreter eines "starken" Staates. Er bekämpfte dessen Schutzzoll- und Sozialpolitik. Er forderte mehr Rechte für die Volksvertretung, den Reichstag.

Mit seinem Hass auf Bismarck verkannte Mommsen die großen Verdienste, die dieser auch hatte, zum Beispiel für die nationale Einigung Deutschlands, die ja auch Mommsens Anliegen war. Trotzdem war Mommsen ein großer Historiker. 1902 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen, ihm, "dem gegenwärtig größten lebenden Meister der historischen Darstellungskunst, mit besonderer Berücksichtigung seines monumentalen Werkes 'Römische Geschichte'". Er starb 1903.

Ein Enkel und zwei Urenkel des Gelehrten, auch Mommsen mit Namen, waren ebenfalls bedeutende Historiker im 20. Jahrhundert.

Kurt Wager
Der langjährige Volkstanz-"Papst" für den süddeutschen Raum.
Kurt Wager bekam am 28.3.1949 vom Kultusministerium Baden-Württemberg den Auftrag, die Abteilung Jugendpflege und Volksbildung in Fragen des Volkstanzes zu beraten und zu unterstützen. Gründer der "VolkstanzBeratungsstelle", früherer Name "Volkstanz-Beratungsstelle Kurt Wager" in Stuttgart. 30 Jahre lang hat er Volkstanzkreise mit Material in Form von Notensätzen, Tanzbeschreibungen und Tonträgern versorgt, mit Literatur, die zu seiner Zeit kaum bekannt und viel schwieriger zu beschaffen war als heute (2004).
Geb. 1911, gestorben 1979.
(Ref: "Tanzen", Zeitschrift der VolkstanzBeratungsstelle Hartmut Wager, 4/1999, S.25,
und "Unser Rundbrief", Rundbrief der Arbeitsgemeinschaft der Sing-, Tanz- und Spielkreise in Baden-Württemberg, November 2004, S. 6.)
Volkstanz-Beratungsstelle
Beratungsstelle für alle Fragen des Volkstanzes in Stuttgart.
Gegründet 1949 von Kurt Wager und geführt von ihm bis 1979. Weitergeführt von seiner Frau Elli Wager bis 1988, dann von seinem Sohn Hartmut Wager übernommen und 1994 verlagert nach Heroldstatt.
1999 war in dem angeschlossenen "Deutschen VolkstanzArchiv" Material über 23.625 Tänze vorhanden, und die Beratungsstelle war vertreten im Internet unter www.tanzen-vtb.de.
(Ref: Tanzen 4/1999, S.24ff, und Volkstanz 4/1994, S.94).
Die VolkstanzBeratungsstelle und das Archiv wurde am 1.1.2002 vom Kulturrat des Schwäbischen Albvereins übernommen.
Das Schwäbische Kulturarchiv (der neue Name des Archivs) und die Volkstanzberatungsstelle ist im Internet unter www.schwaben-kultur.de erreichbar.
Die Internet-Adresse www.tanzen-vtb.de existiert nicht mehr, bzw. wurde von jemand anderem übernommen und hat mit Tanzen nichts mehr zu tun.
Walter Kögler
Walter Kögler hat nach dem 2. Weltkrieg dafür gesorgt, daß die deutschen Volkstänzer mit guter Musik auf Schallplatten versorgt wurden.
Dazu importierte er Schallplatten-Aufnahmen aus den USA (z.B. von Michael Herman) und gründete etwa 1955 den Schallplatten-Verlag Walter Kögler in Stuttgart-Möhringen, der Tanzmusik in exakt richtigen Tempo unter der Marke "tanz" herausbrachte.
Geb. 29.10.1929 (Ref: "Walter Kögler wird 70" in Tanzen 4/1999, S.28).
Erhielt etwa 1989 die "Kurt-Wager-Medaille für besondere Verdienste um den Volkstanz"
Das Besondere an den Schallplatten, die Walter Kögler in seinem Verlag unter der Marke "tanz" herausgebracht hat, ist, daß die meisten GEMA-frei sind, denn Walter Kögler ist selbst begeisterter Volkstänzer und möchte dadurch vermeiden, daß seine Freunde bei Tanzfesten Gebühren zahlen müssen.
Eine Ausnahme davon ist der Krüzkönig, weil die Musik von H. Dieckelmann noch dem Urheberrecht unterliegt. Bei Tanzfesten ist hier also Vorsicht angeraten.
Bei seinen CDs ist zu jedem Tanz angegeben, ob die Musik der GEMA unterliegt oder nicht. Lediglich bei Benutzung seiner Musik in Radio und Fernsehen möchte W. Kögler informiert werden.
Walter Kögler ist am 16. Juni 2007 im Alter von 77 Jahren gestorben.
Der Verlag wird ab 1.1.2008 weitergeführt von Reinhold Frank als Verlag Reinhold Frank (vormals Walter Kögler Verlag), Böblinger Straße 457, 70569 Stuttgart. Die Internet-Adresse bleibt www.tanz-koegler.com.
Franz Pulmer
Der frühere Volkstanz-"Papst" für Norddeutschland († 1971).
Tanzforscher, Bandoneonspieler, Musikant und Tanzleiter. Hielt u.a. Volkstanz-Lehrgänge im Jugendpark Hamburg-Langenhorn mit Arnold Bökel und Annelies Waszkewitz zusammen, z.B. am 12.11.1961.
Arnold Bökel
Geb. 1926 (Ref: Tanzen 1/1996 S. 9).
Botschafter des Tanzes, vor allem des deutschen Volkstanzes, in vielen Ländern.
Lernte u.a. bei Anna Helms-Blasche, Schwiegersohn von Franz Pulmer. Hielt viele Tanz-Lehrgänge ab, seit 1964 viele Jahre Vorsitzender des Ring für Heimattanz in Hamburg, engagiert und aktiv im Arbeitskreis für Tanz im Bundesgebiet.
Heute (2004) Ehrenmitglied des Vorstands des Deutschen Bundesverbandes Tanz e.V.
Paul und Gretel Dunsing
Bekannte Tanzleiter aus den USA, die viele Gemeinschaftstänze und Squares gelehrt haben
Michael Herman
Verleger von exzellenter Volkstanzmusik in New York (USA).
Er brachte Volkstanz-Schallplatten unter dem Label "Folk Dancer" heraus, die nach dem 2. Weltkrieg durch Walter Kögler auch nach Deutschland kamen. Sie waren von "Michael Herman's Folk Orchestra" eingespielt.
Götz Zinser
Leiter verschiedener Volkstanzgruppen.
Fachreferent für Volkstanz in der Arbeitsgemeinschaft der Sing-, Tanz- und Spielkreise in Baden-Württemberg e.V., Leiter von Lehrgängen für Volkstanz und Fahnenschwingen, mehrere Jahre 2. Vorsitzender der "AG".
Interview mit Götz Zinser, wohl aus dem Jahr 2000
Volktanzgruppe Deckenpfronn, Tanzleiter Götz Zinser.
Trachtengruppe Wurmlingen/Rottenburg e.V., Tanzleiter Götz Zinser.
Hedo Holland
Herausgeber des "FOLKbrief" seit 1990 oder früher mit Informationen aus der Folk Szene und Hinweisen auf Veröffentlichungen, Schallplatten und CDs auf diesem Gebiet einschließlich "wirklichem" Volkstanz. Organisator verschiedener Folk-Veranstaltungen in deutschland und Österreich (Hallein).
Stuttgarter Spielkreis
Sehr aktiver Volkstanzkreis in Stuttgart mit anspruchsvollen Tänzen, gegründet 1947. Ihm gehörten früher Kurt Wager und Walter Kögler an.

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